Die Papakicker haben ein Problem: Der Rasen auf dem Bolzplatz auf der Mettnau ist schon wieder viel zu lang. Donnerstagabends treffen sich die Hobbyfußballer, aber auf langem Gras macht kicken keinen Spaß. Über den elektronischen Mängelscheck haben die Fußballer den Missstand der Stadt gemeldet, zwei Tage später war der Rasen gemäht. Ein Paradebeispiel für das elektronische Meldesystem, das seit einem guten Jahr den Radolfzeller Bürgern zur Verfügung steht. Straßenlaterne kaputt, Schlagloch vor dem Haus, Müll im Park: mit relativ wenig Aufwand können diese Ärgernisse der Stadtverwaltung online gemeldet werden.

Über 300 Missstände wurden zwischen Januar 2016 und Januar 2017 digital angemerkt. Zuvor gab es den Mängelscheck schon in altmodisch analoger Form als einfaches Formular, der Bearbeitungsaufwand war um ein Vielfaches höher. Inzwischen gehen die Anregungen aus der Bevölkerung direkt an sogenannte Kümmerer, die meisten Angelegenheiten werden innerhalb weniger Tage erledigt. Der Bürger erhält – sofern erwünscht – eine direkte Rückmeldung mit dem aktuellen Status bis hin zur finalen Information "Sachstand erledigt".

"Wir sind dankbar für die Hinweise und keineswegs genervt. Wir können ja auch nicht permanent überall kontrollieren", erklärt Thomas Nöken vom Dezernat Umwelt, Planen, Bauen. Die Rückmeldung der vielen Radfahrer zum Beispiel sei sehr wertvoll. Das elektronische Verfahren biete nun optimale Arbeitsabläufe, die Mitarbeiter seien sehr zufrieden – kein Vergleich zu früher, als Beschwerden per Post kamen und erst einmal innerhalb der Stadtverwaltung zugeordnet werden mussten.

Doch welche Themen fallen den Bürgern am meisten ins Auge? Vor allem kaputte Straßenlaternen, Schäden im Fahrbahnbelag, überhängende Äste und wilder oder städtischer Müll. Nicht immer ist die Stadt tatsächlich zuständig, kann das Anliegen aber weiterleiten oder Privatleute anschreiben, wenn zum Beispiel Gebüsch vom Grundstück auf öffentliche Wege hängt und ein Rückschnitt nötig ist.

Über das ganze Jahr verteilt melden die Radolfzeller Schäden oder Missstände in ihrer Stadt. <em>Grafik: SÜDKURIER</em>
Über das ganze Jahr verteilt melden die Radolfzeller Schäden oder Missstände in ihrer Stadt. Grafik: SÜDKURIER

Im vergangenen Jahr haben über 50 Bürger mehr als einen Mängel gemeldet, eine Person war besonders fleißig mit fast 30 Informationen an die Stadt. Wer nachlesen möchte, was den Mitbürgern ins Auge springt, kann das auf der Homepage unter "Feedback suchen" tun (siehe Infokasten). Vielleicht wurde ja der klappernde Gullydeckel aus der eigenen Straße schon gemeldet. Dort ist ebenfalls hinterlegt, ob das Thema schon erledigt ist und bearbeitet wurde. Bei der Stadtverwaltung beobachtet man außerdem, dass zusätzliche Anrufe und Briefe mit Beschwerden inzwischen selten geworden sind.

Mängel melden im Netz

Wer einen Missstand melden möchte, kann das im Internet oder über das Smartphone mit wenigen Klicks erledigen. Bei einer Meldung mit dem Smartphone kann bei aktiviertem GPS gleich der Ort hinterlegt werden. Der elektronische Mängelscheck ist auf der Homepage der Stadt Radolfzell zu finden unter www.radolfzell.de/maengelscheck oder direkt unter radolfzell.trimblefeedback.com