Radolfzell Hausherrenfest: Der Papst schickt seinen Botschafter nach Radolfzell

Apostolischer Nuntius Nikola Eterovic trägt sich beim Hausherrenfest ins Goldene Buch ein. Alle Bilder vom Fest finden Sie hier:

Die Wechselwirkung zwischen kirchlichem und weltlichen Fest wird am Morgen des dritten Sonntags im Juli besonders deutlich. Das Hochamt am Hausherrenfest ist Pflichttermin für Abgeordnete wie Andreas Jung und Jürgen Keck und Amtsträger wie Oberbürgermeister Martin Staab oder den Reichenauer Bürgermeister Wolfgang Zoll. Dichtgedrängt saßen und standen die Besucher im Münster, viele Zuschauer nahmen bei Prozession und Fürbittgottesdienst auf dem Marktplatz teil: Das Hausherrenfest im 750. Jahr der Radolfzeller Stadtrechte ist auch für die katholische Kirche ein besonderes.

Mit Erzbischof und Nuntius Nikola Eterovic (66) hat der päpstliche Bote oder der Botschafter des Vatikans in Deutschland das Pontifikalamt – eine heilige Messe mit Bischof – gehalten. Stadtpfarrer Michael Hauser begrüßte ihn als Brückenbauer zwischen der katholischen Kirche in Deutschland und dem Vatikan in Rom: "Wir sind in manchen Fragen froh, wenn wir eine römisch-katholische Kirche sind und nicht nur im eigenen Saft schmoren." Eterovic selbst betrachtete es als große Ehre, "in diesem geschichtsträchtigen Münster" die Predigt zu halten.

Der Erzbischof übermittelte Grüße von Papst Franziskus und ging der Frage nach: "Welchen Sinn hat es heute, sich an Theopont, Senesius und Zeno zu erinnern?" Eterovic empfahl die bei allen drei Heiligen aus der Überlieferung erkennbare Wirksamkeit des Wortes: "Sie haben das Herz geöffnet." Schutzherren der Stadt seien sie geworden, weil Bischof Ratold ihre Reliquien in seine Zelle mitgebracht habe.

Pfarrer Hauser bezeichnete im Gottesdienst Radolfzell mit wohlwollendem Humor als "vierte Zelle" der Reichenau. Sie sei nicht schlecht gewachsen. Hauser spielte mit der vierten Zelle auf die Gründung durch Bischof Ratold an, dem vom Kloster Reichenau mit den ehemaligen Ortsteilen Niederzell, Mittelzell und Oberzell der Flecken Erde am Ende des Untersees für seinen Alterssitz zugewiesen worden war. Aus dieser Verbundenheit heraus war auch die Bürgerwehr Reichenau beim Hausherrenfest in Radolfzell angetreten, "nicht um den Reichenauer Bundestagsabgeordneten Andreas Jung zu schützen", wie Hauser im Münster bemerkte.

Das Aufeinandertreffen von geistlicher und weltlicher Welt fand nach dem Fürbittgottesdienst auf dem Marktplatz im Friedrich-Werber-Haus eine Fortsetzung. OB Staab hatte das Goldene Buch der Stadt in die katholische Nachbarschaft zum Rathaus bringen lassen, damit dort der päpstliche Botschafter im Beisein der Stadträte seinen Besuch dokumentieren konnte. Was Erzbischof Nikola Eretic unter den wachen Augen des OB mit einer schwungvollen Unterschrift vollzog.

Die Ministranten dürfen nach dem Hochamt ins Eiscafé

Das kirchliche Hausherrenfest in Radolfzell hat zwei Höhepunkte – das Amt am Sonntag und die Wasserprozession am Montag

  • Die drei Hausherren oder Schutzpatronen der Stadt Radolfzell sind Theopont, Senesius und Zeno. Die Reliquien – die irdischen Überreste – dieser drei Heiligen soll Bischof Ratold nach Gründung seiner Zelle im Jahr 826 dann vier Jahre später an den Untersee gebracht haben. Zeno galt als mildtätiger Bischof in Verona im vierten Jahrhundert, Theopont und Senesius waren Märtyrer in Kleinasien. Im Radolfzeller Münster gibt es einen Hausherrenaltar und einen Hausherrenschrein, der bei der Hausherrenprozession vom Münster auf den Marktplatz getragen wird.
  • Der Münsterchor hat im Pontifikalamt am Hausherrenfest-Sonntag die Paukenmesse von Joseph Haydn unter der Leitung von Münsterkantor Andreas Jetter gesungen. Dafür gab es bei der Erwähnung von Stadtfparrer Michael Hauser auf dem Marktplatz spontan einen großen Applaus. Die Stadtkapelle Radolfzell und die Bürgerwehr Reichenau begleiteten die Prozession. "Wenn ich den Hausherrenmarsch höre, weiß ich, jetzt ist Festtag", bedankte sich Hauser bei der Stadtkapelle. Die Ministranten wurden mit einem "Auszug ins Eiscafé" entlassen.
  • Die Mooser Wasserprozession ist der Höhepunkt des Hausherren-Montags. Um 8 Uhr werden die Boote aus Moos erwartet. In einer Prozession über die Mettnaubrücke werden die Gläubigen ins Münster geleitet. Im Pontifikalamt mit dem Apostolischen Nuntius Nikola Eterovic singt der Kirchenchor Vordere Höri unter der Leitung Larissa Malikova die Missa Brevis von Jakob Haan. An der Orgel spielt Münsterkantor Andreas Jetter.

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