Der Mieterbund Bodensee vertritt 1200 Mieter in Radolfzell und der Umgebung. Im vergangenen Jahr wurde jedes dritte Mitglied persönlich, telefonisch oder per Brief beraten. Die Anwälte des Vereins verfassten für die Mieter 120 Briefe mit rechtlichem Charakter. Das Hauptanliegen an den Verein war die Nebenkostenabrechnung: Jede dritte Abrechnung habe eine Macke, argwöhnte Herbert Weber in der Hauptversammlung im Milchwerk. Ein Eigenbedarf des Vermieters sei meist vorgetäuscht, sensibilisiert der Vorsitzende die Mieter im Seminarraum. Die Mieterhöhungen im süddeutschen Raum beunruhigen den Verein besonders. Ursache hierfür sei der Mangel beim Wohnungsbau. Seit vergangener Woche ist der Mieterbund am runden Tisch Wohnen der städtischen Verwaltung mit einem Sitz vertreten. Ziele des Mietervereins seien der soziale Wohnungsbau und ein Monitoring für den Wohnungsbedarf.

Der Mieterverein bedankte sich bei der Verwaltung und dem Gemeinderat für die Erstellung des Mietspiegels. Dem Verein ist bewusst, dass ein Mietspiegel kein Verhinderungsinstrument für Mieterhöhungen sei. Er gebe lediglich die ortsübliche Miete an. 2017 richtete die Stadtverwaltung einen runden Tisch zum Thema Wohnen ein, versäumte jedoch, die Hauptakteure des Radolfzeller Wohnungsmarktes – die Vertreter der Mieter sowie Haus- und Grundeigentümer – einzuladen, kritisierte Weber: Allein der Anteil der Mieter in der Gemeinde liegt nach dem Zensus bei 55 Prozent. Nun hat auch der Verein einen festen Sitz im Gremium und drängt auf ein im Stadtentwicklungsplan festgehaltenes Monitoring, bei dem der Bedarf an Wohnungen bis spätestens 2021 ermittelt sein soll. Derzeit sei kein Überblick vorhanden, wie viele Wohnungen letztlich benötigt werden, erläutert Weber: Wenn man Baumaßnahmen treffen möchte, so stochere man in einem Nebel herum.

Der Arbeit des Mieterverein basiert auf drei Säulen: auf Beratung, auf Rechtschutz sowie auf Einflussnahmen auf politische Entscheidungen. Herbert Weber fasst die Arbeit des Vereins zusammen: "Wir wollen nur, dass in einer Gemeinde die Menschen ein Dach über den Kopf haben und, dass sie es bezahlen können. Mehr wollen wir gar nicht." Seines Erachtens sollten mehr Miet- anstelle von Eigentumswohnungen gebaut werden. Noch nie habe es so viel finanzielle Mittel von Bund und Land für den sozialen Wohnungsbau gegeben. Doch wer solle in Radolfzell Mittel abrufen, wenn es niemand gebe, der Sozialwohnungen baue?

Die Wohngenossenschaften leisteten gute Arbeit, hätten aber lange Wartelisten. Der Vorsitzende fordert die Stadt auf, die Grundstücke in eine eigene Gesellschaft einzubringen. Der Stadt habe die Wohnungen im Besitz und könne sie belegen. Außerdem nahm der Mieterbund Gespräche mit Vertretern des Landkreises im Land- und Bundestag auf. "Der Bund macht die Gesetze, das Land erstellt Verordnungen und die Kommune die Satzungen", erläutert Weber: Mieter seien daher von Politiker aller drei Ebenen abhängig.

Auch Wohnungsmakler bereiten dem Verein Sorgen. Mit Tricks versuchten sie Kosten der Vermittlung auf Mieter abzuwälzen. Die Kautionsproblematik sei für den Mieter hart. Bis zu einem halben Jahr können Vermieter Kautionen einbehalten, auch wenn Wohnungen ordnungsgemäß übergeben wurden. Umzüge seien mit hohen Kosten für Mieter verbunden: durch Kautionen, überlappende Mieten und den Transport der Einrichtung.

 

Mietspiegel

Durch ihn soll Transparenz in den Wohnungsmarkt kommen, Mieter und Vermieter bekommen durch das Dokument, über das die Stadtverwaltung informiert, eine Orientierungshilfe. Er bietet zwar eine Übersicht, aber keinen unbedingten Schutz vor ungerechtfertigten Mietzahlungen. Wie viel für eine Mietwohnung verlangt wird, hängt von der Ausstattung, Lage, Baujahr und der Infrastruktur ab. Diese Faktoren senken oder erhöhen den Mietpreis einer Wohnung.

Weitere Informationen im Internet: http://www.radolfzell.de