Die Natur und ihre Lebewesen kennenlernen kann man immer noch da am besten, wo sie vorkommt und die Tiere leben. Aus diesem Grund war am Mittwochmorgen das sogenannte Fischmobil in der Güttinger Grundschule zu Besuch. Gemeinsam mit zwei Experten und ihren Lehrerinnen sind alle vier Jahrgänge der Grundschule an den Buchensee (Güttinger See) gegangen, um dort die Tiere am und im Wasser kennenzulernen. Den gesamten Vormittag verbrachten die Kinder am See. Zum Auftakt konnten die Schüler erst einmal die Tiere in Augenschein nehmen, die man auch als Laie mit etwas Vorwissen erkennen kann. Kormoran, Bisamratte, Hecht, Eisvogel und Krebse lagen in ausgestopfter Form vor und faszinierten ihre Betrachter sofort. Die Lebensgrundlage dieser Tiere sind aber in der Regel weitaus kleinere Lebewesen, die daher nicht minder wichtig für die Natur sind. Genau diese galt es kennenzulernen.

Dazu hatte das Fischmobil in Tour jede Menge Handwerkszeug im Gepäck. Mit kleinen Keschern, Kunststoffschalen und den obligatorischen Gummistiefeln machten sich die Grundschüler auf zum Ufer, um einen Querschnitt der Lebewesen am und im Wasser einzufangen. Die Aufgabe ist mitunter nicht ganz leicht, schließlich sind Insektenlarven und andere Tiere gar nicht so leicht zu finden und fangen. Als größten Fund sammelten die Schüler einige Kaulquappen ein, die sie behutsam zu den Kunststoffschalen trugen. Nach dem Einsammeln folgten das Bestimmen und die genauere Untersuchung der kleinen Lebewesen. Unter anderem hat das Fischmobil für solche Zwecke Mikroskope, die in Schulen oft gar nicht vorhanden sind.

"So ein Material haben wir gar nicht", erklärte zum Beispiel Lisa König, Klassenlehrerin der vierten Klasse. Für sie bestand aber der eigentliche Vorteil des Fischmobils im didaktischen Unterschied zum herkömmlichen Unterricht: "Für die Kinder ist es schön, wenn sie die Inhalte von Experten, die von außerhalb kommen, kennenlernen." Hinzu kam das Erlernen außerhalb der Klassenräume. "Das Lernen vor Ort ist sonst ja gar nicht möglich", so Lisa König weiter.

Das Ergänzen des herkömmlichen Unterrichts ist gleichwohl nichts Ungewöhnliches und wird so oft es geht in Projekten realisiert. Genau das gehört zum Konzept des Fischmobils. Ausdrücklich möchte man die Kinder spielerisch Unbekanntes entdecken und die Natur selbstständig mit geeigneten Materialien erforschen lassen. Im Idealfall entwickeln sie dabei eine Begeisterung, die für die Aneignung von Wissen ein entscheidender Motor ist. Ein weiterer Vorteil ist der Bezug zur eigenen Umgebung. Bei dem Besuch am Güttinger See konnten die Kinder sehen, was praktisch vor ihrer eigenen Haustür an Tieren und Lebewesen existiert.

Die Kinder nahmen das Lernangebot interessiert an. Am Ufer des Güttinger Sees entstand lebhaftes Treiben, wann immer einer der Schüler wieder ein Tier im Kescher einfangen konnte. In erster Linie handelte es sich um Insektenlarven, wie Anna Dewert vom Fischmobil on Tour verriet. "In der Mehrzahl haben wir hier Zuckmückenlarven, Libellenlarven, Wassermilben und Kaulquappen", ließ sie wissen. Und beim nächsten Besuch am Güttinger See mit der ganzen Familie können die Schüler dann bereits mit ihrem neuen Wissen glänzen. "Guck mal Mama, hier habe ich eine Zuckmückenlarve", heißt es dann vielleicht. Da dürfte auch der eine oder andere Erwachsene ins Staunen geraten.

Das Projekt

Fisch on Tour ist ein kostenloses Projekt des Landesfischereiverbands Baden-Württemberg. Das Fischmobil besucht Schulen, Gruppen, Vereine und Veranstaltungen, um mit jungen Menschen den Lebensraum Gewässer zu erkunden und ökologischen Zusammenhänge zu verstehen. (ja)