Zahlreiche Bürger folgten beim Dorfplatzfest in Böhringen der Einladung von Ortsvorsteher Bernhard Diehl, vor Ort die Pläne für die neue Ortsmitte näher kennenzulernen.

Viele Oohs und Aahs gingen durch die große Zuhörer-Traube, als Ortsvorsteher Bernhard Diehl das Scheunentor in der Fritz-Kleiner-Straße 3 öffnete. Das denkmalgeschützte landwirtschaftliche Gebäude unerwarteter Größe, das die Stadt vor drei Jahren gekauft hat, ist Dreh- und Angelpunkt für die geplante Ortskernsanierung. "Wir würden es gerne abreißen", erklärte Ortsvorsteher Bernhard Diehl völlig schmerzfrei, "und hier zum Dorfplatz hin geöffnet das neue Gemeinschaftshaus bauen." Dieses solle neben einem großen Gemeindesaal, separaten Probenräumen für Musikverein und Gesangverein, multifunktionalen Räumen für die anderen Vereine ebenso die Ortsverwaltung und die Bücherei beherbergen.

Ehemaliges Schlachthaus muss weichen

Auch das rückwärtig liegende ehemalige Schlachthaus müsse dafür weichen. Unter dem Dorfplatz, der heute ungeordneteter Parkplatz ist, soll eine bewirtschaftete Tiefgarage entstehen und der Platz selbst als Vorplatz des künftigen Gemeinschaftshauses eine schöne Aufenthaltsqualität zum Verweilen erhalten. Unter anderem ist geplant, den Narrenbrunnen am Rathausplatz dorthin zu verlegen.

"Da dies Haus hier denkmalgeschützt ist und man nie weiß, wie die Denkmalschutzbehörde entscheidet, haben wir mehrere Szenarien entwickelt", berichtete Bernhard Diehl. Die zweite Version sieht den Erhalt des Gebäudes und einen Anbau vor, eine weitere den Bau des Gemeinschaftshauses samt neuem Feuerwehrhaus auf der anderen Seite der Fritz-Kleiner-Straße, wo Wohnbebauung zur Gegenfinanzierung durch Investoren vorgesehen ist.

Flächen sollen veräußert werden

In der letzten, fast ursprünglich erhaltenen Straße in Böhringen, so Diehl, sehe man großes Entwicklungspotential, wofür die Stadt in den letzten Jahren alle notwendigen Grundstücke und Häuser gekauft habe. Der Stein sei vor sechs Jahren ins Rollen gekommen, als die katholische Kirche ankündigte, aus energetischen Gründen mittelfristig den Pfarrsaal aufgeben und das Grundstück anderweitig nutzen zu wollen. "Wir mussten handeln, denn wenn der Pfarrsaal weg ist, haben wir keinen Veranstaltungssaal mehr für Seniorennachmittage und andere Anlässe", berichtete Diehl.

Um die Kosten von geschätzten acht bis zehn Millionen Euro für das Gemeinschaftshaus zu stemmen, erklärte er weiter, müssten Flächen veräußert werden. Dies obwohl das Land Fördermittel von bis zu 50 Prozent der Kosten in Aussicht stelle. Unter anderem sei geplant, das Vereinshaus aufzugeben. Für das historische Rathaus, das man als Gebäude erhalten wolle, weil es Charme habe und prägend für das Ortsbild sei, gebe es verschiedene Ideen – etwa diejenige, die Räume für Schulungszwecke oder Ähnliches zu vermieten. Beim Rathauspavillon hingegen könne man sich vorstellen, für künftige Nahversorgung oder Wohnbebauung abzureißen.

Ab Aufnahme ins Landessanierungsprogramm rechnet der Ortsvorsteher mit vier bis fünf Jahren, bis das Gemeinschaftshaus steht. Auch wenn der Antrag dieses Jahr nicht berücksichtigt wurde, ist er zuversichtlich. Das Regierungspräsidium habe das Projekt bei einem Ortstermin als förderungswürdig eingestuft, argumentierte er. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, jetzt müssen wir einfach warten!", bat Bernhard Diehl die applaudierenden Bürger um Geduld.