Weil ein 32-jähriger Mann aus einer Hegaugemeinde gegen einen im Juli dieses Jahres gestellten Strafantrag wegen Körperverletzung in zwei Fällen und sexueller Belästigung Einspruch eingelegt hatte, musste er sich vor dem Radolfzeller Amtsgericht verantworten. Laut Strafbefehl habe der Angeklagte in der diesjährigen Silvesternacht in einer gemeinsam mit anderen bewohnten Wohnung unter Alkoholeinfluss eine Frau ohne ihre Einwilligung erst an der Hüfte gepackt, um dann nach vorne an ihre Brüste zu greifen.

Eine Mitbewohnerin des Angeklagten habe ihn auf sein Verhalten angesprochen und sei dafür von ihm an den Haaren gezogen worden. Zwei weitere Männer hätten den Angeklagten dann der Wohnung verweisen wollen. Dabei sei einer der beiden von Faustschlägen im Gesicht getroffen worden und hätte sich Schürfwunden und Prellungen zugezogen.

Angeklagter gibt an, selbst geschlagen worden zu sein

Der Angeklagte gab an, sich an die sexuelle Belästigung nicht erinnern zu können. Er sei jedoch der Meinung gewesen, dass er und die Geschädigte sich am Nachmittag bei der Vorbereitung der am Abend geplanten Party gut verstanden hätten. Irgendwann am Abend sei er plötzlich verbal von seiner Mitbewohnerin attackiert worden, bis sie hysterisch geworden sei. "Ich habe sie an den Haaren gezogen, damit sie aufhört. Ich habe aber sofort bemerkt, dass ich eine Linie überschritten hatte und wollte mich dann ins Bett begeben", so der Angeklagte.

Daran hätten ihn jedoch die beiden Männer gehindert. Sie hätten ihn geschlagen, wobei er zu Boden gegangen sei und hätten ihn dann durch den Hausflur nach draußen geschleift. Lichtbilder der dabei vermeintlich erlittenen Verletzungen legte sein Verteidiger dem Gericht vor. Dass der Angeklagte sich gegen die beiden Männer gewehrt habe, sei nicht auszuschließen.

Anwalt verärgert mit seinem Plädoyer eine Zeugin

Es tue ihm jedoch leid. Er habe nicht gewusst, dass die belästigte Frau sich von ihm bedrängt gefühlt habe und er habe auch nicht gewollt, dass die Situation so eskaliert. Der Angeklagte stimmte gemeinsam mit seinem Verteidiger nach langem Hin und Her zwischen Verteidiger und Richterin einer Beschränkung des Einspruchs auf die Rechtsfolgen zu, in der Hoffnung, eine mildere als die bereits verhängte Strafe zu erlangen. Mit der Einschränkung gestand der Angeklagte die ihm vorgeworfenen Taten. Aus diesem Grund konnte auf die sieben Zeugenaussagen verzichtet werden.

Diese Zeugen nahmen jedoch im Zuschauerraum Platz. Vor allem eine der Zeuginnen zeigte sich erbost über das Plädoyer des Verteidigers, in welchem er den beiden geschädigten Männern eine Teilschuld an ihren Verletzungen nicht absprach. Letztendlich wurde der Angeklagte zu einer Gesamtgeldstrafe von 180 Tagessätzen zu zehn Euro verurteilt. Dieses Urteil lag unter dem vorher von der Staatsanwaltschaft geforderten Betrag. Die Zeugen gaben sich mit dem Urteil nicht zufrieden. Eine der Zeuginnen sagte sogar, dass sie den Angeklagten getroffen und er die sexuelle Belästigung bagatellisiert habe, ihm die Taten also nicht leidtäten.