Radolfzell Gerhard-Tielcke-Realschüler hinterfragen beim Umwelt-Aktionstag das Konsumverhalten

Slow Food, Klimaerwärmung und fair gehandelte Schokolade: Bei einem Umwelt-Aktionstag im Milchwerk nähern sich Schüler der Gerhard-Thielcke-Realschule der Frage, wie Konsum nachhaltiger und umweltschonender werden kann. Und sie genießen die Schnippeldisco.

Der Name Gerhard Thielcke verpflichtet: Dem Wissenschaftler und Vogelkundler lag die Umwelt sehr am Herzen. So gab ihm die gleichnamige Realschule bei ihrem Aktionstag im Milchwerk mit dem Motto "Natur ist unsere Lebensquelle – heute schon an morgen denken!" die Ehre. Vormittags bot sie viele Mitmachaktionen für die Schüler auf dem Markt der Möglichkeiten. Nachmittags waren die Bürger zu den Projekten und Vorträgen im Milchwerk geladen.

Obwohl deren Interesse verhalten war, begeisterten sich die Schüler für die Schnippeldisco. Schnippeln in der Disco? Essen zubereiten mit Musik und Tanz veranstaltet die Jugendbewegung von Slow Food e.V. immer wieder und konnte auch Sigrid Alexander, die Qualitätsbeauftragte der Schule, dafür begeistern. Gesagt, getan: Es wurden die Schälmesser gezückt und so genannte Pferdekarotten von Gemüsebauer Leonhard Glaser aus Iznang gewaschen, geschält und geschnitten. Dabei ist es das Prinzip von Slow Food, beim regionalen Bauern Gemüse, das normalerweise aus ästhetischen Gründen wieder untergepflügt wird, für solche Aktionen abzunehmen und am besten in einer gemeinsamen öffentlichen Kochaktion zu verarbeiten. Natürlich mit einem DJ.

Bevor aber geschält wurde, stellte sich heraus, dass kaum einer der Siebt- bis Neuntklässler wusste, was ein Schälmesser war. Auch andere Kniffs und Tricks beim Zubereiten blieben auf Strecke oder besser im Spülwasser, da vermutlich zu Hause nicht mehr so oft gekocht wurde. Die Disco änderte das schnell und nur ein Schüler schnitt sich in den Finger. Am Fairtrade-Stand gab es zwar keine gute Schokolade, aber Laura Stottmeier und Daisy Otieno gaben viele Tipps zum nachhaltigen Konsum. Beide haben in der Schule schon an Nikolaus fair gehandelte Schokolade und zum Valentinstag fair gehandelte Rosen verteilt. Die würden zwar mehr kosten, aber die Menschen, die den Kakao anpflanzen und die -bohnen ernten, bekämen unter dem Strich mehr Geld und die Waren und ihre Arbeit damit mehr Wertschätzung. Man kauft nicht einfach nur, sondern verhindert Armut oder sichert sogar Existenzen.

"Egal, ob Stoßlüften, Thermostate herunterdrehen oder Mülltrennen – mit einer Checkliste überprüft der Letzte das Klassenzimmer" so Alessio Hein, Umweltmentor aus der neunten Klasse. In einer Energieralley zeigten Lena und Felix Schmidt – beide 15 Jahre alt – den Schülern, wie man theoretisch und praktisch etwas für die Umwelt tun kann. Die Schüler setzten sich beispielsweise in der Sonne unter einen Fallschirm und maßen immer wieder die Temperatur. Die Erwärmung vermittelte sehr anschaulich den natürlichen Treibhauseffekt. Für ihren Einsatz an der Schule haben Lena und Felix zwei Umweltschulungen besucht, die das Land Baden-Württemberg anbietet. "Sie geben unserem Umweltprofil ein Gesicht", lobte Gabriele Wiedemann, Direktorin der "Umweltschule in Europa 2016".


Die Aktion

Zum 750. Stadtjubiläum bewarb sich die Gerhard-Thielcke-Realschule mit einem Projekttag, um Aktionen rund um die Umwelt zu veranstalten, ihr Engagement im Schulalltag zu präsentieren und Projektpartner und Förderer einzuladen. Im vergangenen Jahr war ihr von der Deutschen Gesellschaft für Umwelterziehung der Titel "Umweltschule Europas 2016" verliehen worden. Seit 2008 trägt die Gerhard-Thielcke-Realschule ihren Namen. Das Umweltschul-Logo zeigt eine Lachmöwe im Winterkleid. Bereits die Schüler der 5. Klasse bekommen eine Einführung dazu, was es mit dem Namen auf sich hat, und machen einen Ausflug mit dem BUND zum Mindelsee.

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