Auch wenn einzelne Stadträte darin nicht sitzen wollen, der Gemeinderat Radolfzell hat bei sieben Gegenstimmen und einer Enthaltung die Bildung eines Arbeitskreises für die Umsetzung des Projekts Seetorquerung beschlossen. Auch soll ein Projektleiter und Bauherrenvertreter der Stadt bestellt werden. Für diese Position soll eine entsprechende Stelle in der Stadtverwaltung geschaffen werden.

Für die Projektsteuerung soll aber ein externes Büro beauftragt werden, "damit ein Projekt in dieser Dimension geordnet durchgeführt werden kann", wie es in der Verwaltungsvorlage heißt. Der im Mai neu beschlossene Bau einer neuen, kürzeren (24 Meter) und breiteren (8,50 Meter) Unterführung vom Bahnhof an den See liegt nach der letzten Kostenschätzung der Verwaltung bei knapp 23 Millionen Euro.

Gisela Kögel-Hensen, Stadträtin der Freien Grünen Liste, kündigte schon mal ihren Verzicht auf einen Sitz in diesem Arbeitskreis an. Das mache keinen Sinn, da sie ohnehin gegen das Projekt sei: "Für mich ist das Ding noch lange nicht gebaut." Seezugangs-Skeptiker Dietmar Baumgartner begründete seine Gegenstimme mit einer Verfahrensfrage: "Ich kann keiner weiteren Maßnahme zustimmen, wir haben noch einen rechtskräftigen Baubeschluss", spielte Baumgartner auf eine frühere Entscheidungen des Gemeinderats im Oktober 2015 an.

Keine Mehrheit fand der Vorschlag von Thilo Sindlinger, die Bestellung des Projektleiters zu vertagen. Den Antrag auf Bildung eines Arbeitskreises haben die neun Stadträte Bernhard Diehl, Helmut Villinger, Stefan Neumeir, Lorenz Thum, Hermann Leiz, (alle CDU), Walter Hiller, Martin Aichem, Josef Klett (Freie Wähler) und Richard Atkinson (FDP) fraktionsübergreifend eingebracht.