Neben dem Gedenken an die Opfer von Krieg, Verfolgung, Gewaltherrschaft und Terrorismus war vor allem der Appell an alle Radolfzeller Bürger, sich für den Erhalt der Demokratie zu engagieren, ein zentrales Thema der Gedenkrede, die die Gemeinderätin Nina Breimaier hielt. "Als ich vor einigen Monaten zugesagt habe, diese Rede zu halten, konnte ich mir nicht vorstellen, wie schwer mir dies fallen würde", erklärte Breimaier. Besonders die Tatsache, dass der Luisenplatz in den vergangenen Monaten immer wieder Schauplatz politischer Provokationen war und vor allem Extremisten rechter Gesinnung anziehe, mache es schwer, an diesem Ort zu sprechen. Auch die Bildsprache des Kriegerdenkmals auf dem Luisenplatz, das zwei Soldatenfiguren mit Helm, Fahne und Gewehr zeigt, mache es zu einer Herausforderung, an diesem Ort der Vertriebenen und Verfolgten zu gedenken. Dass es am Nachmittag zu einer Konfrontation zwischen linken Demonstranten und Polizisten kommen würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar.

Das Jugendblasorchester begleitete die Gedenkfeier am Luisenplatz mit den Liedern "Heal the World", "We Are the World" und dem Stück "Ich hatt' einen Kameraden".
Das Jugendblasorchester begleitete die Gedenkfeier am Luisenplatz mit den Liedern "Heal the World", "We Are the World" und dem Stück "Ich hatt' einen Kameraden". | Bild: Petra Reichle

"Rechte Stimmungsmache findet nicht nur irgendwo auf der Welt statt, nicht nur irgendwo in unserem Land, sie findet auch hier in Radolfzell statt", erklärte Nina Breimeier. Gleichzeitig appellierte sie an die rund 100 Zuhörer und alle Radolfzeller Bürger, die dadurch entfachte Energie zu nutzen, sich gemeinsam für unsere lebendige Demokratie und ein vielfältiges und friedliches Radolfzell stark zu machen. "Jetzt sind wir alle gefordert! Es braucht keine politische Bühne, um die Demokratie zu pflegen! Wir dürfen nicht schweigend hinnehmen, sondern müssen mitreden", appellierte Breimaier.

Gemeinsam sei man stark gegen demokratiefeindliche Einflüsse und für ein bewusstes, offenes, demokratisches und friedliches Miteinander in Radolfzell. Auch das neue Leitbild des Volksbunds, der 1919 den Volkstrauertag eingeführt hatte, appelliere daran, die Erinnerung an Krieg und Gewaltherrschaft wachzuhalten und gleichzeitig für Freiheit und Demokratie einzutreten.

Legten zu den Klängen des Liedes "Ich hatt' einen Kameraden" die Kränze der Stadt Radolfzell am Luisenplatz nieder: Jürgen Keck, Gemeinderatsmitglied, Bürgermeisterin Monika Laule, Gemeinderätin Nina Breimaier und Oberbürgermeister Martin Staab.
Legten zu den Klängen des Liedes "Ich hatt' einen Kameraden" die Kränze der Stadt Radolfzell am Luisenplatz nieder: Jürgen Keck, Gemeinderatsmitglied, Bürgermeisterin Monika Laule, Gemeinderätin Nina Breimaier und Oberbürgermeister Martin Staab. | Bild: Petra Reichle

Nina Breimaier, seit 2014 Mitglied des Radolfzeller Gemeinderats, ist Vorsitzende des Präventionsrats und Mitinitiatorin des "Bürgerbündnis für Demokratie", das sich gegen Rechtsextremismus und für die Entwicklung der Demokratie engagiert. Musikalisch begleitet wurde die Gedenkfeier vom Jugendblasorchester der Stadt Radolfzell. "Wir wollen die Botschaft überbringen, dass die Welt besser wird, wenn alle Menschen gemeinsam daran arbeiten, sie zu heilen", erläuterten die Musiker des Jugendblasorchesters die Auswahl der Stücke "Heal the world" und "We are the world" von Michael Jackson. Einen feierlichen Abschluss fand die Gedenkfeier durch die Kranzniederlegungen zu den Klängen des Stücks "Ich hatt' einen Kameraden".

 

Zum Volkstrauertag

Am 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eingeführten Volkstrauertag wird der Opfer von Gewaltherrschaft und der Toten aller Kriege gedacht. Der nationale Gedenktag findet jeweils zwei Sonntage vor dem ersten Advent statt. Veranstaltungen am Volkstrauertag sollen zur Versöhnung und Völkerverständigung beitragen und zu Toleranz und Frieden aufrufen. In Radolfzell findet die jährliche Gedenkfeier am Kriegerdenkmal auf dem Luisenplatz statt. (per)