Italien ist für viele weiterhin ein attraktives Reiseziel – nicht zuletzt deshalb, weil man dort oft eine Leichtigkeit des Seins verortet. Mit schneidigen Märschen, italienischen Arien, lebhaften Polkas und rasanten Ouvertüren der komischen Oper zeigte der Musikverein Güttingen einen emotionalen Abend der Blasmusik rund um das Reiseziel Italien mit seinen klassischen, dramatischen und populären Musikweisen.

Der Andrang auf das Konzert in die Buchenseehalle war groß. Für das gelungene Konzert mussten eigens zusätzliche Tische und Stühle in die Halle verbracht werden.

Überraschungsgast von der Staatsoper Hannover

Dirigent Michael Maisch führte unterhaltsam durch das italienische Programm. Als Überraschungsgast präsentierte Maisch den Tenor Antonio Rocco. Der ehemalige Opernsänger an der Staatsoper Hannover war Schüler des lyrischen Heldentenors Sandor Konya.

Der Venezia-Marsch gilt als besonderes Beispiel für die italienische Marschkunst. Mit dem vergnügten Werk von Gaetano Fabiani eröffnete der Musikverein seinen italienischen Abend. Die Finalen von Ouvertüren sind oftmals schmissige Vorhangsöffner zu einem heiteren Abend.

Verdienter Applaus

Mit einem verspielten musikalischen Duell zwischen Holz- und Blasmusikern sowie mit kraftvollen Paukenschlägen und schäumenden Trommelwirbeln zeigte der Güttinger Musikverein sein Können im Herausarbeiten einzelner Instrumente, die sich bei der Ouvertüre zur "Italienerin von Algier" von Gioachino Rossini zu einem fulminanten Crescendo steigerten. Der Applaus dafür war verdient.

Antonio Rocco ergatterte seinen ersten längeren Applaus mit einer "verstohlenen Träne" ("Una furtiva lagrima"), einer Arie aus der komischen Oper "Liebestrank" von Gaetano Donizetti. Sehnsuchtsvoll und auf italienisch gesungen, wolle er sich mit einem gemeinsamen Seufzer mit seiner Angebeteten vereinen – dann könne er vor Liebe sterben, singt die Opernfigur an dieser Stelle.

Es gibt nicht nur Werke aus Italien

Sechs Sinfonien, zehn Opern und drei Ballette – Peter Tschaikowsky hinterließ großartige Kompositionen, aber auch volkstümlich anmutende Melodien wie das "Chanson Napolitaine". In einer Orchestrierung für Blasmusik glänzte an der Solo-Trompete Gastmusiker Norbert Stocker.

Fast schon zu stakkatoartig kam die "Polka Italienne" von Sergei Rachmaninow daher, deren eigentlicher Reiz in der schwungvollen Verkettung der Melodie besteht. Das schwierige Werk wurde im Anschluss von Antonio Rocco gekonnt mit "La Donna è Mobile" aus Giuseppe Verdis Rigoletto aufgefangen.

Temperament im Blasorchester

Mit "Erinnerungen an Trient" meldete sich das Blasorchester temperamentvoll mit einem Marsch von Julius Fucik aus der Pause zurück. Mit einem Medley aus unvergesslichen Filmmusiken zollten die Blasmusiker ihren musikalischen Tribut an den italienischen Komponisten und Oscarpreisträger Nino Rota, was eine gekonnte Überleitung zu vergnüglichen Melodien italienischer Popmusik war – einem Potpourri von Eros Ramazotti, Adriano Celentano, Umberto Tozzi und Ricchi e Poveri.

Als besondere Zugabe des sehr gelungenen italienischen Abends versüßte Tenor Antonio Rocco den Heimweg mit dem neopolitanischen Volkslied "O sole mio" von Eduard die Capua, dessen Lied zum weltweiten Standard nahezu aller Tenöre erwuchs.