Radolfzell – Der 8. Mai ist ein schwieriges Datum. Der 8. Mai 1945 markiert das Ende des Zweiten Weltkrieges und ist deshalb in vielen europäischen Ländern ein Feiertag. Allerdings vereinnahmen auch neofaschistische Parteien den historischen Tag immer wieder für sich. Im vergangenen Jahr hatte die Partei "Der dritte Weg" in Radolfzell eine Kundgebung aus diesem Anlass organisiert. In diesem Jahr wollen zwei Schüler den Rechtsradikalen zuvor kommen und eine eigene Kundgebung mit dem Titel "Radolfzell ist bunt – Sag ja zu Vielfalt und nein zu Menschenhass" organisieren. Die Aktion, bei der mehrere Redner auftreten sollen, ist für 17 Uhr am Luisenplatz geplant. "Wir finden es wichtig, dass die Gesellschaft sich positioniert", sagt Bianka, eine der Organisatorinnen, an diesem Datum wollen sie das Augenmerk auf die Menschlichkeit richten. Beworben haben sie und ihr Freund die Veranstaltung auf Facebook, sie rechnen mit etwa 100 Teilnehmern, eventuell auch mehr. Als problematisch sehen die beiden Veranstalter den öffentlichen Umgang mit dem Luisenplatz und dem Kriegerdenkmal an. Die Informationstafeln, die Erläuterungen zum Denkmal lieferten, reichten nicht aus, um dessen symbolische Wirkung aufzuheben, ist Salomon, 18 Jahre, überzeugt. "In jedem Fall müssten die Namen von SS-Angehörigen auf der Tafel verschwinden", sagt er, sonst laufe man Gefahr, dass der Luisenplatz immer wieder zum Kultort neonazistischer Gruppierungen werde.

Nur eine Stunde früher will auch eine zweite Privatinitiative auf die Bedeutung von Frieden und Demokratie in der heutigen Zeit hinweisen. Nina Breimeier hat für 16 Uhr ein Friedensfest auf dem Marktplatz angemeldet. "Wir wollen alle einladen, teilzunehmen, die Schulen, Eltern, Vereine, Chöre und Musikgruppen", sagt Nina Breimeier. Der 8. Mai sei als Tag der Kapitulation des Deutschen Reichs im Jahr 1945 ein guter Anlass, auf die Notwendigkeit von Frieden hinzuweisen. Im Unterschied zu der Veranstaltung am Luisenplatz gehe es um eine allgemeine Kundgebung für Frieden und Demokratie. Geplant sei, gemeinsam ein großes Bild auf dem Pflaster des Marktplatzes zu erstellen. Welche Gruppen zum Friedensfest erscheinen werden, ist bisher noch unklar, was auch damit zusammen hängt, dass die Aktion relativ kurzfristig geplant wurde.

Anlass zur Besorgnis hat die neofaschistische Partei "Der dritte Weg" in jüngster Vergangenheit auch in Radolfzell immer wieder gegeben. Im vergangenen Jahr hat es mehrere Vorfälle gegeben, die mutmaßlich auf Aktivitäten des Dritten Wegs hinweisen. So steht die Gruppierung im Verdacht, die am Luisenplatz zeitweise aufgestellten Friedensfahnen von dort entfernt zu haben. Darüber hinaus wurden in Teilbereichen der Stadt Flugblätter mit rassistischen Inhalten gefunden. Mehrere Stadträte und Mitglieder des Freundeskreises Asyl erhielten zudem Postkarten mit beleidigendem Inhalt. In beiden Fällen, bei Flugblättern und Postkarten, sind die Urheber bis heute unbekannt. Immer wieder entdecken Radolfzeller an Straßenlaternen und anderen Orten Aufkleber, die auf die rechtsradikale Partei verweisen.

Verschiedene Gruppen in Radolfzell haben sich inzwischen dazu entschieden, gegen rechte Gruppierungen Flagge zu zeigen. Die Aktion der Schüler auf dem Luisenplatz wird dabei vermutlich nicht allein bleiben. Unter anderem hat sich die Stadtverwaltung für die Teilnahme am Förderprogramm "Demokratie leben" beworben. Bei dem Programm geht es darum, demokratische Mechanismen und interkulturelle Aktivitäten zu fördern. Nicht zuletzt soll es dabei helfen, zu verhindern, dass junge Menschen sich von rechtem Gedankengut verführen lassen.

Zwei Kundgebungen

  • Luisenplatz: Initiatoren sind zwei junge Menschen, die sich für Vielfalt und gegen Menschenhass einsetzen wollen. Erwartet werden etwa 100 Teilnehmer. Beginn ist am Montag, 8. Mai, um 17 Uhr.
  • Marktplatz: Initiatorin dieser Aktion ist Nina Breimaier. Dabei geht es um ein Friedensfest, das auf die Bedeutung von Demokratie und Frieden hinweist. Es soll mehrere Aktionen geben. Beginn ist am 8. Mai um 16 Uhr.