Es staut sich im Eingang der Ratoldushalle, die während der Fasnacht zum Narrenpalast der Froschenzunft wird. Der Fanfarenzug der Narrizella wartet auf seinen Einsatz, die Narrenmusik ist immer noch da, und auf der Bühne huldigen gerade die Musiker der Froschenkapelle kniend der Froschkönigin Annette Wrzeszcz. Viel los also auf der Bühne beim Damenkaffee der Froschenzunft am Dienstagnachmittag und auch auf den Bänken in der Halle ist fast kein freier Platz mehr zu finden.

"Ein paar Stunden närrische Rast" hat Annette Wrzeszcz den Besuchern gleich zu Beginn versprochen, zum Ausruhen ist das Programm aber nicht. Die Froschenkapelle macht Stimmung und im Lauf des Nachmittags geben sich die befreundeten Musikgruppen die Klinke in die Hand. Alles wie immer also im Narrenpalast – oder etwa nicht? Bei vielen Besuchern und vor allem den Zunftmitgliedern ist vor allem die Freude darüber zu spüren, endlich wieder in der Ratoldushalle zu feiern, der alten Heimat (siehe dazu auch Infokasten). "Das war schon ein Risiko nach so langer Zeit", sagt Dietmar Baumgartner, ein Urgestein der Froschenkapelle. Es sei einfach schwierig, Leute zu finden, die arbeiten wollen. "Aber es war ein toller Zunftball und ein toller Frühschoppen am Montagmorgen", erzählt er. Der Aufwand wurde etwas reduziert, um die Belastungen für die Zunftmitglieder geringer zu halten.

Freiwillige für den Arbeitseinsatz zu finden ist schwer, aber auch der Nachwuchs für die Zunft. Besonders deutlich sichtbar ist das bei der Garde. Drei Mädchen, Analena, Angelina und Joline, zeigten beim Damenkaffee auf der Bühne, was sie können, ein Mädchen konnte wegen einer Krankheit leider nicht teilnehmen. "Wir waren aber schon mal 20 Mädchen", berichtet Daniela Terrana seufzend. "Es gibt immer weniger Interesse, wir wissen auch nicht warum." Sie betreut mit Marina Bosch zusammen die Gardemädchen. Nachwuchs zwischen sieben und 18 Jahren ist dringend gesucht. Es gilt, eine lange Tradition am Leben zu erhalten: Die Damengarde wurde schon 1958 gegründet, die Junggarde 1995. Trainiert wird einmal in der Woche und auch nur von den Sommerferien bis zur Fasnacht, erklärt Daniela Terrana. Und den Mädchen macht der Auftritt auf der Bühne sichtlich Spaß.

Spaß haben auch die Froschenholzer bei ihrem Sketch direkt aus dem Altersheim. Wie Hygiene eben nicht aussehen soll, zeigen die Holzer in ihrem wortlosen Beitrag sehr eindrücklich. Eine lustige Einlage. Spaß hat auch Tobi Franz. Der Chef der Froschenkapelle ist vorne an der Rampe in seinem Element. Ihn bringt nicht einmal die hochprozentige Geburtstagstorte aus dem Tritt, das freundliche Geschenk der Narrenmusik beim Besuch des Damenkaffees. Die ist bis unter die Marzipandecke getränkt mit Birnenschnaps, aber das ist nichts, was die Musiker der Froschenkapelle nicht vertragen würden. Ein launiger Nachmittag also im Narrenpalast, bei Getränken und Kuchen zu fairen Preisen. Da bleibt der eine oder andere doch gerne hocken.

Zurück in der Heimat

1969 hat die Froschenzunft zum ersten Mal in der Sporthalle der Ratoldusschule, dem sogenannten Narrenpalast, Fasnacht gefeiert. Der Froschenball fand im Scheffelhof statt. Ab Fasnachtssonntag wurde die Ratoldushalle für die Narren geöffnet, für den Frühschoppen und während des Umzugs. Zwischen 1992 und 2000 wurden die Fasnachtsveranstaltungen im Milchwerk gebündelt, nach acht Jahren kehrten die Froschen in ihren Narrenpalast zurück, bis 2013 wieder ein Umzug anstand. Die vergangenen Jahre feierte die Zunft im Scheffelhof und im Froschenstüble in der Güttinger Straße. Die Rückkehr in die "alte Heimat" wurde gut angenommen. (aa)