Er heißt Luisenplatz, gedanklich negativ verbunden wird er jedoch oft mit dem dortigen Kriegerdenkmal und Aktivitäten Rechtsradikaler. Um den Luisenplatz beim Friedensfest nicht durch das Kriegerdenkmal beherrschen zu lassen, hatten die Organisatoren es zuvor mit behördlicher Genehmigung verhüllt. "Der Platz sollte nicht nur Luisenplatz heißen, sondern Luise sollte auch sichtbar werden und der Soldat unsichtbar", sagte Elisabeth Burkart, nachdem sie das Denkmal mit viel Stoff und zwei Helfern verhüllt hatte.

Verhüllt à la Christo: Das Kriegerdenkmal ist während des Friedensfestes am Luisenplatz verhüllt.
Verhüllt à la Christo: Das Kriegerdenkmal ist während des Friedensfestes am Luisenplatz verhüllt. | Bild: Gerald Jarausch

Das Friedensfest solle auch dazu beitragen, dass Erinnerungen an die militärische Tradition verschwinden. Eingeladen zu der Veranstaltung hatten der Präventionsrat der Stadt und das Bürgerbündnis Radolfzell für Demokratie (BRD). Den Tag des Kriegsendes hatten die beiden Gruppen zum Anlass genommen, an den Wert von Frieden und Demokratie zu erinnern.

Zur Unterstützung des Friedensfestes hatten sich noch andere Akteure angekündigt. So war der Jugendgemeinderat mit einem Quiz zu Symbolen der rechten Szene dabei. So mancher musste feststellen, dass ihm die Zuordnung nicht immer ganz leicht fiel. Die Initiative Stolpersteine-Radolfzell stellte ebenso ihre Arbeit vor wie der Fachbereich Kultur mit der Abteilung Stadtgeschichte. Dort hatte man eine Präsentation der Leitlinien zur Erinnerungskultur im Gepäck und stellte die Friedensfahnen ein weiteres Mal auf der Grünfläche auf.

Die Erstausführung wurde im vergangenen Jahr gestohlen. Die Leitlinien der Stadt verdeutlichen, wie sehr man sich verpflichtet sieht, eine lebendige Erinnerungskultur zu verankern. Nicht umsonst heißt es dort, dass Spuren verschiedener Zeitgeschichten im Stadtgebiet zu erhalten und sichtbar zu machen seien. Wie diskussionsintensiv solche Ziele sein können, ist am Kriegerdenkmal abzulesen. Über den Umgang damit will man ein weiteres Mal in den nächsten Wochen debattieren. Die Koordinierungs- und Fachstelle für das Bundesförderprogramm "Demokratie leben!" informierte über Fördermöglichkeiten und das Demokratiezentrum Baden-Württemberg.

Um 16 Uhr nimmt das Fest Fahrt auf

Während insbesondere institutionelle Unterstützer zahlreich vertreten waren, machten sich andere Besucher zunächst eher rar. Erst als gegen 16 Uhr etliche Gemeinderäte eintrafen, um sich auf einem Plakat des Friedensfestes zu verewigen und das Motto "Radolfzell ist bunt" zu visualisieren, kam Bewegung in die Veranstaltung. So erinnerte Gemeinderat Norbert Lumbe (SPD) mit einer Aufschrift daran, dass er immer in einer friedlichen Zeit gelebt hat, dies aber keinesfalls eine Selbstverständlichkeit ist, wie er betonte.

Unterhaltung an einem geschichtsträchtigen Ort: Beim Friedensfest am Luisenplatz sorgen kleine Showeinlagen für Kinder für Abwechslung.
Unterhaltung an einem geschichtsträchtigen Ort: Beim Friedensfest am Luisenplatz sorgen kleine Showeinlagen für Kinder für Abwechslung. | Bild: Gerald Jarausch

Die Veranstaltung ist trotz des gestrigen Zulaufs kein Selbstläufer, sondern lebt vom Engagement der Radolfzeller: "Wir hoffen, dass sich das Fest weiter entwickelt und so lebendig weiter wächst wie schon von letztem zu diesem Jahr. Unser Ziel ist es, das Friedensfest zu einem festen Bestandteil des Radolfzeller Jahreskalenders zu machen", sagte die Vorsitzende des Präventionsrates, Nina Breimaier. Am Willen der Organisatoren hat es nicht gemangelt, denn parallel dazu fanden im Stadtgarten Mal- und Spielaktionen mit dem Lollipop, ein Mitmachzirkus mit dem Zirkus Risolino und ein Walking Act mit Klarifari statt. Ferner war der Auftritt eines alevitischen Musikers vorgesehen. Dokumentiert wurde das Fest vom Fotoclub Singen-Radolfzell.

Polizei muss nicht eingreifen

Die Polizei war mit mehreren Einsatzwagen vor Ort, um die Veranstaltung zu schützen. Grund war laut Polizeisprecher Markus Sauter, dass nach den Erfahrungen im Vorjahr eine Auseinandersetzung von rechter und linker Szene befürchtet wurde. Die Veranstaltung mit etwa 50 Teilnehmern sei aber friedlich verlaufen. An einer Kundgebung am Forsteibrunnen, die sich laut Polizei der NS-Vergangenheit der Stadt gewidmet habe, hätten sich zeitgleich zehn Menschen beteiligt. Auch da habe es keine Zwischenfälle gegeben.

Wiederholung geplant

Das Friedensfest fand zum zweiten Mal statt. Die Erstauflage im vergangenen Jahr war auf dem Marktplatz angesiedelt. Ziel ist es laut Präventionsrat, das Friedensfest zum festen Bestandteil im Jahreslauf zu machen. Daher sind auch 2019 die Akteure aufgerufen, Ideen und Aktionen mit einzubringen, um die Vielfalt in Radolfzell zu verdeutlichen.