Wer sich selbst einmal ein Bild von der Entstehung eines Kunstwerkes machen möchte, hat in dieser Woche dazu die Gelegenheit. Im Mettnaupark arbeiten bis einschließlich Freitag fünf internationale Künstler an Objekten, die im Anschluss, am Samstag, 18. Mai, feierlich eingeweiht werden. Das alles findet im Rahmen des dritten Radolfzeller Bildhausersymposiums statt.

Bis die Werke vollendet sind, haben die Künstler noch viel Arbeit vor sich: „Vor allem für Steinarbeiten ist eine Woche wenig“, erklärt Heike Endemann, die das Symposium organisiert hat. Die in Böhringen lebende Künstlerin wird einen Eschenbaumstamm in ein Kunstwerk verwandeln. Dazu verwendet sie eine Kettensäge, mit der sie den Stamm unter anderem aushöhlen wird. Alle Künstler sind zudem angehalten, das erklärte Motto des Bildhauersymposiums „Musikstadt Radolfzell“ entsprechend bildhauerisch umzusetzen. Endemann gibt zu, dass ihr das in diesem Jahr gar noch so leicht fällt. „Wir planen zur Einweihung eine Performance, bei der die Musik auch eine Rolle spielen wird“, kündigt sie schon einmal an. Bis dahin hoffen alle Beteiligten, dass das Wetter mitspielt.

Seejungfrau aus Marmor

In jedem Fall genießen die Künstler die Atmosphäre im Mettnaupark. Für Susanna Giese, Bildhauerin aus Stuttgart, ist das Arbeiten am See so etwas wie die Rückkehr in die Heimat. „Ich bin in Wahlwies auf die Schule gegangen. Etwas Schöneres, als hier am See zu arbeiten, gibt es doch gar nicht“, sagte sie im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Wohl auch deshalb hat es zwei der insgesamt fünf Teilnehmer auch wieder zum Bildhauersymposium nach Radolfzell gezogen. Cornel Hutter aus der schweizerischen Partnerstadt Amriswil war bereits im Jahr 2015 bei der ersten Austragung des Symposiums dabei. Er wird einen runden Sandstein in ein blütenähnliches Objekt verwandeln, dessen Einzelteile aus Trompetenhörnern bestehen. Dieses Detail ist seine Reminiszenz an das Motto der Musikstadt Radolfzell. Der in Wien geborene Michael Schützenberger, der mittlerweile in Stuttgart lebt, wird eine Seejungfrau aus Marmor kreieren. Da auch für ihn die Zeit des Symposiums für diese Gesamtarbeit nicht ausgereicht hätte, hat er eine kleine Vorarbeit schon nach Radolfzell mitgebracht. Trotzdem bleibt ihm noch genügend Arbeit für den geplanten Rest.

Cornel Hutter bei der Arbeit an seinem Objekt. Er stammt aus der schweizerischen Partnerstadt Amriswil.
Cornel Hutter bei der Arbeit an seinem Objekt. Er stammt aus der schweizerischen Partnerstadt Amriswil. | Bild: Jarausch, Gerald

Ein kleines Gespräch ist immer drin

Daniel Zanca aus der französischen Partnerstadt Istres, der vor zwei Jahren ebenfalls schon als Teilnehmer dabei war, wird vermutlich wieder ein besonderes Objekt schaffen, wie ihm das bereits im Jahr 2017 gelungen war. Da schuf er eine hockende Person, die unter seeigelartigen Schirm kauerte. Leider wurde das Kunstwerk Opfer eines gewollten oder ungewollten Vandalismus und trug eine Beschädigung davon.

Interessierte sind herzlich dazu eingeladen, die Künstler vor Ort zu beobachten. „Für ein kleines Gespräch haben wir immer Zeit“, verspricht Heike Endemann. Passend zum Symposium findet im Österreichischen Schlösschen (Stadtbibliothek) eine Begleitausstellung der teilnehmenden Künstler statt. Dort sind rund 30 Arbeiten der Fünf zu sehen. Die Standorte werden die gleichen sein wie in den Vorjahren.