Mit Männern in der Gesellschaft gleichgestellt sein – es ist immer noch ein wichtiges Thema zum Weltfrauentag am 8. März und zum 100. Jubiläum des deutschen Frauenwahlrechts. Das wöchentliche Frühstück im Mehrgenerationenhaus gestaltete sich diesmal als Frauenfrühstück, zu dem ausdrücklich auch Männer eingeladen waren. Die Frauenunion Radolfzell richtete es gemeinsam mit der evangelische Christusgemeinde aus.

In den Vordergrund rückte zuerst das Thema Gleichstellung von Frauen und Männern. "Generell braucht es einfach noch das Thema Gleichstellung, denn wenn wir so weitermachen wie bisher, sind Frauen im Arbeitsmarkt erst in 116 Jahren gleichgestellt", zitierte Petra Martin-Schweizer, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Konstanz, Bettina Wilhelm, die Frauenbeauftragte für Bremen. Aber was bedeutet denn eigentlich Gleichstellung? Deutsche Frauen dürfen seit 100 Jahren wählen, seit 56 Jahren ein eigenes Konto führen und seit den 1970er Jahren ohne die Erlaubnis des Mannes arbeiten gehen.

Gleichgestellt, nicht gleichgemacht – dieser Unterschied war allen befragten Frauen wichtig. Eva Wernert von Terres des Femmes versteht unter Gleichstellung auch die moralische Unterstützung bei verbalen Übergriffen: "Ich wurde als Lehrerin für Sprachen an der Schule in Braunschweig kaum diskriminiert. Aber als ich für die Bibliothek in den 90ern ein Buch über die Rolle der Frau in der Geschichte anschaffen wollte – ich war damals die einzige Geschichts- und Politiklehrerin an der Schule – fragte ein Kollege, was wir denn mit einem Buch über eine Minderheit wollen. Hier hätte ich mir mehr moralische Unterstützung von den männlichen Kollegen gewünscht." Oder anders gesagt: männliche Zivilcourage bei Übergriffen. Zivilcourage ist der Mut, jemandem zu helfen, auch wenn man dabei riskiert, selbst verletzt zu werden. Das geschieht aber nur, wenn man sich traut wahrzunehmen, dass jemand angegriffen wird: "Was stimmt hier nicht? Kann ich etwas tun?"

Bei Gewalt helfen statt wegschauen

Dann wurde es bei dem Frauenfrühstück plötzlich spannend: der Begriff #MeToo stand im Raum. Prominente Frauen machten im Oktober 2017 auf der Kommunikationsplattform Twitter auf sexuelle Belästigung und sexuelle Übergriffe aufmerksam. Sie machten betroffenen Frauen Mut, mit einem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen, das mit Scham verbunden ist. Was aber nicht heißen soll, dass Männer grundsätzlich Gewalt an Frauen verüben! Gewalt an Frauen hat viele Facetten und kommt nicht nur von Männern. Die öffentliche Debatte soll für das Thema sensibilisieren, nicht den Spieß umdrehen und Männer diskriminieren. Und einige Frauen erzählten dazu konkrete Beispiele aus ihrem Alltag.

Dabei stellt sich die Frage: Wo geht Gewalt eigentlich los? Wenn Druck ausgeübt wird? Wenn jemand übergriffige Gedanken hat? Wenn jemand verbal übergriffig wird? Wenn körperliche Grenzen überschritten werden? Oder erst, wenn jemand intime körperliche Grenzen überschreitet? Die Fragen lassen sich keinesfalls pauschal beantworten, denn jede Frau, jeder Mann empfindet anders. Aber egal, wie schnell sich jemand bedrängt fühlt: Wenn andere dabei wegschauen oder hinschauen, aber nichts machen, verschärft das die Situation nur noch. Für das Opfer, den Täter und die Mitläufer.

Die Frauenbewegung ist aktiv: Die kämpferischen Töne sind verklungen, die Themen nach wie vor brisant. Ausdiskutiert werden sie mit mehr Selbstbewusstsein.

Kampf für Gerechtigket

  • Der Weltfrauentag wurde erstmals am 19. März 1911 gefeiert. Einige Jahre später – am 30. November 1918 – wurde das Frauenwahlrecht eingeführt. Seit 2016 gibt es in Baden-Württemberg das Gesetz zur Verwirklichung der Chancengleichheit von Männern und Frauen im öffentlichen Dienst in Baden-Württemberg, kurz "Chancen G" genannt.
  • Weitere Veranstaltungen in Radolfzell zum Weltfrauentag: Am heutigen Freigat und am Sonntag, 11. März, läuft im Universum-Kino um 20 Uhr der Film "Die göttliche Ordnung". Am Samstag, 24. März, veranstaltet die Christuskirche von 13.30 bis 18 Uhr ein Treffen mit dem Thema "Wir haben die Wahl" – starke Frauen aus der Geschichte und der Bibel. Am Dienstag, 10. April, findet um 19.30 Uhr der VHS-Vortrag "Freundinnen" in der Stadtbibliothek statt. (chg)