Am Wochenende in ein Restaurant zu gehen, ist für viele völlig normal. Für andere ist es ein unerschwinglicher Luxus. Am 22. September soll das anders sein. Wie bereits im vergangenen Jahr veranstaltet die Stadt Radolfzell mit der Unterstützung des Restaurants Safran und der Foodsharing-Gruppe Radolfzell ein Benefizdinner. Der Abend steht unter dem Motto "Solidarisch glücklich essen".

60 Personen erwartet ein Überraschungs-3-Gänge Menü. Für 30 Personen sind reguläre Plätze vorgesehen, das heißt, sie zahlen 25 Euro für das Menü und einen Aperitif. Weitere 30 Personen können das Essen kostenfrei genießen.

Erfolg der Premiere gibt Anlass zur Wiederholung

"Die Resonanz und die Atmosphäre waren im letzten Jahr so positiv, dass wir die Veranstaltung wiederholen wollten", erzählt Evelyn Lustig, Beauftragte für bürgerliches Engagement. Das Publikum sei bunt gemischt gewesen: Mitglieder der Stadtverwaltung, Flüchtlinge, Pärchen, Alleinerziehende, Gourmets, Obdachlose, alle sitzen nebeneinander an langen Tafeln.

Was schließlich auf die Teller kommt, bleibt bis zum Stichtag ein Geheimnis. Auch Tina Laakman, die das Safran betreibt, wird sich überraschen lassen. Die Lebensmittel, aus denen das Menü zubereitet wird, liefern die Mitarbeiter der Foodsharing-Gruppe Radolfzell erst kurz vor der Zubereitung an.

Wie wir mit Nahrungsmitteln umgehen

Neben dem sozialen Gedanken soll dieser Abend auch für einen verantwortungsvollen Umgang mit Nahrungsmitteln sensibilisieren. Barbara Baumgart von der Foodsharing-Gruppe Radolfzell berichtet, 82 Kilo Lebensmittel werfe jeder Einwohner Deutschlands im Durchschnitt pro Jahr weg.

Sabine Torres Prado, die auch in der Foodsharing-Gruppe aktiv ist, gibt zu bedenken: "Das sind kleine Reste, die man wegwirft, Lebensmittel, die verderben, weil man sie nicht schnell genug verarbeitet. Manche werfen sofort etwas weg, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist oder kaufen achtlos ein."

Gesundes Gemüse, das sonst im Müll landen würde

Theresa Tewes, Leiterin der Abteilung Klima- und Umweltschutz im Rathaus, weist auf globale Zusammenhänge hin. 30 Prozent der CO2-Emissionen entstünden durch die Nahrungsmittelproduktion und Transportwege für Mensch und Tier. Mit jedem Lebensmittel, das weggeworfen wird, werde auch der ökologische Fußabdruck, den man hinterlässt, größer.

Seit 2014 sammelt die Foodsharing Gruppe in Radolfzell Lebensmittel, die sonst in der Tonne landen würden. Dreimal pro Woche, am Mittwoch, Freitag und Samstag, befüllen sie einen Schrank hinter dem Weltkloster. Meist mit frischem Obst, Gemüse und Backwaren. 48 320 Kilo Lebensmittel seien in den vergangenen vier Jahren zusammengekommen, sagt Baumgart. In der Regel würden die Sachen restlos abgenommen. "Uns macht das richtig Spaß", ergänzt Torres Prado. Kisten voller Karotten, Kürbisse und Kohlrabi hätten sie gerettet. Natürlich sei auch krummes Gemüse mit dabei, dafür aber frisch und gesund.