Radolfzell Flüchtlinge in Radolfzell: Integration durch Schwimmkurse und Fußball

Sprachkurse laufen gut, doch noch ist es schwer Wohnraum und Arbeit für Geflüchtete mit einer Bleibeberechtigung zu finden. Doch Susanne Schaffart aus Radolfzell versucht mit vielen kleinen Dingen, den neuen Nachbarn das Leben in Radolfzell zu erklären und näher zu bringen. Die Flüchtlingsbeauftragte Susanne Schaffart zieht nach einem Jahr Bilanz.

Drei Themen sind Susanne Schaffart bei ihrer Arbeit wichtig: Sprache, Arbeit, Wohnen. Seit etwas mehr als einem Jahr ist sie Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Radolfzell und stellt die Schnittstelle zwischen Stadtverwaltung, Helferkreise und Landratsamt dar. Diese drei Themen gilt es abzudecken, um eine gelungene Integration zu erreichen, sagt sie. Doch nur eins läuft laut Susanne Schaffart richtig gut. "Mit Sprachkursen sind wir gut versorgt, auch durch die vielen Ehrenamtlichen klappt das gut", sagt sie. Bleiben noch Arbeit und Wohnen.

Vor allem auf dem Gebiet Wohnen kennt sich die 50-Jährige bestens aus. Viele Jahre war sie als Kur-Geschäftsführerin der Gemeinde Breitnau im Hochschwarzwald tätig. 14 Jahre lang kümmerte sie sich um die Vermietungen und Verpachtungen im Gebäudemanagement der Stadt Radolfzell. "Ob ich nun für Touristen oder Flüchtlinge eine Unterkunft suche – so groß ist der Unterschied nicht", sagt sie lachend. Dennoch sagt sie, dass es gerade in der attraktiven Bodenseeregion äußerst schwierig sei, eine Wohnung auf dem freien Markt für Flüchtlinge zu finden. Um deren Chancen auf eine Wohnung zu erhöhen, will Susanne Schaffart helfen. Am 12. Juli wird es in der Gemeinschaftsunterkunft in der Kasernenstraße eine Informationsveranstaltung für Flüchtlinge zu diesem Thema geben. "Wir erklären, wie Formulare ausgefüllt werden, was in der Hausordnung steht und eben alles was dazugehört, eine Wohnung anzumieten", so Schaffart.

Pragmatisch und lebensnah sind die Angebote, die Susanne Schaffart ins Leben ruft. Die Herausforderungen haben sich verändert: Erst war eine Unterbringung und Versorgung der Grundbedürfnisse notwendig. Jetzt geht es um das selbstständige Leben in der neuen Heimat. Sie organisiert zum Beispiel Schwimmkurse für Kinder, Männer und Frauen. Einmal aus Gründen der Sicherheit, viel wichtiger findet sie jedoch, dass alle am alltäglichen Leben teilnehmen können. Und dazu gehört im Sommer auch der Besuch im Freibad. "Wir versuchen, so viele Berührungspunkte wie möglich zu schaffen, damit die Geflüchteten die Sprache lernen", sagt sie. Besonders freut sie sich über ein Fußball-Training, welches auf dem Kunstrasenplatz auf der Mettnau stattfindet. Der Trainer ist ein syrischer Geflüchteter, der bereits sehr gut integriert ist. Finanziell unterstützt werde das Angebot von der Werner-Messmer-Stiftung. "Auf dem Fußballplatz findet so eine informelle Bildung statt. Der Trainer gibt seine eigene Integration an die Spieler weiter", sagt Susanne Schaffart. So erreiche man diese Gruppe viel besser. Für den Saisonabschluss möchte sie gerne ein Fußballturnier mit anderen Vereinen veranstalten.

Integration auf dem Fußballplatz, wie hier beim Welcome Cup, funktioniert in Radolfzell gut.
Integration auf dem Fußballplatz, wie hier beim Welcome Cup, funktioniert in Radolfzell gut. | Bild: Gerald Jarausch

Bei allem, was Susanne Schaffart ins Leben ruft, wird sie von freiwilligen Helfern unterstützt. Die Zusammenarbeit mit den Helferkreisen sei hervorragend, sagt sie. Zentrum dieser Zusammenarbeit sei das Haus der Vielfalt, welches im vergangenen Oktober von der Stadt Radolfzell in der Herrenlandstraße angemietet wurde. Seitdem können Angebote der Helferkreise in diesen Räumen stattfinden, für Susanne Schaffart eine essentielle Einrichtung.

Noch bis 2019 ist die Stelle der Flüchtlingsbeauftragten ausgelegt. Für Susanne Schaffart war das erste Jahr bereits "spannend, aufregend und jeder Tag war anders". Ihr großer Wunsch ist in zwei Jahren einige der Geflüchteten in deren eigener Wohnung besuchen zu können und sich auf Deutsch mit ihnen zu unterhalten. Fehlt am Ende nur noch das Thema Arbeit. Hier stoße man immer wieder auf bürokratische Hürden, sagt Susanne Schaffart. Die Anfragen von Firmen leitet sie an die Ausländerbehörde weiter. Doch noch bewege sich auf diesem Gebiet einiges viel zu langsam. Für Susanne Schaffart wird auch in den nächsten zwei Jahren die Arbeit nicht ausgehen. Doch auch die profitiert von dem Kontakt mit dem neuen Kulturkreis. Von den Geflüchteten hat sie gelernt, den Augenblick zu genießen und auch im größten Stress Zeit für andere zu finden.

Landesregierung schafft neue Stellen

  • Finanzierung: Die Stelle der Flüchtlingsbeauftragten ist aus einem Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg finanziert worden. Ausgelegt ist die Stelle für drei Jahre. Im Frühjahr diesen Jahres beschloss die Landesregierung den Pakt für Integration und stellte Städten und Gemeinden 116 Millionen Euro für rund 1000 Integrationsmanager in Aussicht.
  • Der Integrationsmanager soll die Arbeit der Flüchtlingsbeauftragten ergänzen, die sich vornehmlich um die Geflüchteten kümmern, so lange sie noch keinen Aufenthaltsstatus haben. Ein Integrationsmanager soll unter anderem Geflüchtete, die eine Aufenthaltserlaubnis haben, an die unterschiedlichen Angebote zur Integration heranführen und praktische Hilfe im Alltag leisten. Weiter gibt es den Integrationsbeauftragten, in Radolfzell ist dies Günter Wenger, der sich um die Umsetzung der einzelnen Angebote kümmert.
  • Kontakt: Flüchtlingskoordination, Susanne Schaffart, Obertorstraße 10, (0 77 32) 8 12 49, susanne.schaffart@­radolfzell.de

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