Radolfzell-Liggeringen – Die Fahnen von Württemberg-Hohenzollern und von Baden schmückten das Rednerpodium in der Liggeringer Torkel, als man dort das Diamantene Priesterjubiläum von Pfarrer i. R. Karl Hermanns feierte. Die gelb-schwarzen Farben von Württemberg und die rot-gelben von Baden symbolisierten den Lebenslauf eines Mannes, den der Radolfzeller Münsterpfarrer Michael Hauser als Leiter der Seelsorgeeinheit Radolfzell einen "Grenzgänger" nennt.

Vor 84 Jahren in Villingen geboren, wurde er vor 60 Jahren in Rottenburg, also in der Nachbardiözese von Freiburg, zum Priester geweiht und war dann bis zum Jahr 2000 als katholischer Seelsorger im Württembergischen tätig, ehe er sich im Ruhestand im badischen Möggingen niederließ. Von dort aus betreut er gemeinsam mit dem in Liggeringen im Ruhestand lebenden Freiburger Weihbischof Paul Wehrle die Gläubigen der zur Seelsorgeinheit Radolfzell gehörenden Pfarreien in Liggeringen und Umgebung.

Aus diesem Grund feierte der Priesterjubilar gemeinsam mit fünf geistlichen Mitbrüdern in der voll besetzten Liggeringer Pfarrkirche zunächst einen Dankgottesdienst, den der Kirchenchor musikalisch sehr schön umrahmte und bei dem Weihbischof Wehrle die Predigt hielt. Dieser nutzte die Gelegenheit für einen flammenden Appell an die katholische Jugend, einen geistlichen Beruf zu ergreifen, wie dies vor 60 Jahren auch Karl Hermanns tat. Im Hinblick auf die bescheidenen Zahlen heutiger Priesterweihen in allen deutschen Diözesen meinte der Weihbischof: "Da haben wir große Not!"

Im Gottesdienst wie beim anschließenden Stehempfang wurden das 60-jährige Wirken von Karl Hermanns gewürdigt. Er sei, so sagte Stadtpfarrer Hauser, "im Herzen und im Geist jung geblieben", und nie gebe es eine Absage, wenn er ihn um eine Aushilfe bitte. Auch der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Christof Stadler, hob in seiner Gratulationsansprache hervor, dass der Ruhestandspfarrer Hermanns "eine treue Stütze" für die Seelsorgeeinheit Radolfzell im allgemeinen und für Liggeringen im besonderen geworden sei. Im Zusammenhang mit Liggeringen prägte Stadler das viel beschmunzelte Wort, Hermanns sei sozusagen der Weihbischof des Weihbischofs.

Der Liggeringer Ortsvorsteher Hermann Leiz nannte den Jubilar nicht nur einen "sehr belesenen" Menschen sondern auch einen "engagierten Verkünder der Frohen Botschaft", auf den oft sogar auch Menschen hören würden, die dem Glauben eigentlich nicht so nahe stünden. Der Vorsitzende des Liggeringer Pfarrausschusses, Klaus Bader, gratulierte namens der Liggeringer Pfarrei und überreichte zusammen mit Mesnerin Luitgard Kramer an den gebürtigen Villinger eine Schwarzwälder Kirschtorte.

Der Jubilar hatte gebeten, auf Geburtstagsgeschenke zu verzichten und statt dessen für einen barrierefreien Zugang zur Liggeringer Pfarrkirche zu spenden. Daran hielten sich auch die zahlreichen Gratulanten weitgehend. Stadtpfarrer Hauser meinte allerdings, dass er sich trotz Hermanns Wunsch erlaube, eine Flasche Rotwein zu überbringen, denn, so sagte er, "Rotwein ist für alte Knaben eine der allerbesten Gaben".

Zur Person

Karl Hermanns, 84, wurde in Villingen geboren und wuchs in Rottweil auf. Nach dem Theologiestudium in Tübingen wurde er in Rottweil zum Priester geweiht. Bis 2000 wirkte er als Vikar beziehungsweise Pfarrer in verschiedenen Orten in der Diözese Rottenburg. Über 20 Jahre (1966-1987) war er allein Pfarrer in Aichhalden bei Oberndorf, von wo mehrere Gläubige zu seiner Jubiläumsfeier nach Liggeringen kamen. Hermanns musste sich, so Weihbischof em. Paul Wehrle im Jubiläumsgottesdienst, nicht nur in Aichhalden als „Pfarrer in Alleinstellung“ bewähren, sondern bis zum Jahr 2000 auch „im Team“ einer großen Pfarrei in Rottweil. 2000 musste der Jubilar aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand treten und zog zur Familie seiner Schwester ins badische Möggingen, von wo aus er in der Seelsorgeeinheit Radolfzell im allgemeinen und in Liggeringen im besonderen in der Seelsorge noch kräftig mithilft. (ex)