Fast platzte der Verkaufsraum bei Buch Greuter in der Schützenstraße aus allen Nähten: So viele Frauen und der Quotenmann Lothar warteten gespannt darauf, was Hera Lind aus ihrem bewegten Leben als Sängerin und Buchautorin verraten würde. Tatsächlich plaudert Hera Lind genauso locker, spannend und humorvoll, wie man es aus ihren unterhaltsamen Romanen gewohnt ist.

Es wurde also keine Lesung mit Lesebrille und Buch, sondern ein fast familiärer Treff, bei dem sogar eine frühere Klassenkameradin und eine Protagonistin, die den Stoff für einen ihrer neuesten Romane lieferte, anwesend waren.

In 17 Sprachen 

Immerhin 13 Millionen beträgt die Gesamtauflage ihrer Bücher, die in 17 Sprachen übersetzt sind – davon hätte Herlind Wartenberg, wie sie eigentlich heißt, nur träumen können. Denn 16 Jahre lang war sie erst einmal nach ihrem Lehramtsstudium für Germanistik, Musik und Theologie und einer Ausbildung zur Sängerin an der Kölner Musikhochschule als Altistin gefragt. In Radolfzell aber gibt sie nur sehr kurze Kostproben von ihrer immer noch kraftvollen Stimme.

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Eine „Mucke“ im Sauerland, wo sie für eine erkrankte Sängerin einspringen sollte, brachte eine Wende in ihrem Leben. Denn die Partie, die sie singen sollte, war ihr unbekannt und sie scheiterte grandios. Vor lauter Stress rief sie in ihrer Verzweiflung ihren Hausarzt an, ob er sie abholen könne. In Köln angekommen, lud sie ihn auf einen Kaffee ein: „Er blieb dann 16 Jahre und wurde der Vater meiner vier Kinder.“

Hera Lind im Gespräch mit einer früheren Klassenkameradin
Hera Lind im Gespräch mit einer früheren Klassenkameradin | Bild: Veronika Pantel

Es sind die Geschichten, die das Leben schreibt, die Hera Lind fesseln, und als es ihr in der Schwangerschaft mit ihrem ersten Kind langweilig wurde, begann sie auf ihrem ersten Computer zu schreiben. Das Manuskript zeigte sie auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Hinweis: „Ich finde das ist besser als Eva Heller", nicht wissend, dass es die erfolgreiche Autorin selbst war, der sie es gab.

Der Fischer Verlag war von „Ein Mann für jede Tonart“ begeistert – ihr Pseudonym konnte sie zwei Jahre lang geheim halten, so dass ihr Chorfreunde sogar ihr eigenes Buch schenkten. Aus dem Hobby Schreiben wurde dann die Profession, und drei Kinder, Gesangs- und Schriftstellerinnen-Karriere wollten unter einen Hut gebracht werden.

Höhepunkt war „Das Superweib“

Singen in der Alten Oper Frankfurt, Radioaufnahmen, Interviews und TV-Auftritte in eigenen Sendungen, zuletzt das Fax aus Hollywood, mit dem Filmproduzent Bernd Eichinger ihr die Verfilmung ihres Romans „Das Superweib“ anbot – 1994 mit Veronica Ferres, Til Schweiger, Heiner Lauterbach, Joachim Król und Lilo Pulver verfilmt – ließen sie Höhepunkte ihrer Karriere erleben.

Um die Partnerschaft mit ihrem ersten Mann, dem Arzt Ulrich Heidenreich, dem „Praktischen“, wie sie ihn im Plauderton nennt, zu retten, verzichtete sie 1999 auf alle Auftritte. Aber dann war sie doch heilfroh, als der Traumschiff-Produzent Wolfgang Rademann anrief, um ihr eine Nebenrolle anzubieten.

Zufrieden strahlt Bestsellerautorin Hera Lind über ihren erfolgreichen Abend in Radolfzell
Zufrieden strahlt Bestsellerautorin Hera Lind über ihren erfolgreichen Abend in Radolfzell | Bild: Veronika Pantel

Wieder nahm ihr Leben eine Wende, denn auf der Reise von Dubai nach Singapur lernte sie den österreichischen Hotelier Engelbert Lainer kennen, der ihr zweiter Mann werden sollte. Die Medienschelte (“Als Frau trennt man sich nicht“) tat ihrer Karriere nicht gut: Sieben Jahre lang gab es keinen Buchvertrag und eine echte Existenzkrise, denn sie heiratete den Mann, den sie erst elf Tage kannte und mit dem sie nun seit 20 Jahren glücklich verheiratet in Salzburg lebt.

Mittlerweile schreibt Hera Lind Tatsachenromane. In Radolfzell erzählt Hiltrud Looßmann aus Gailingen, wie „Der Prinz aus dem Paradies“ sie in Sri Lanka verzaubert hat – aber das ist eine neue Geschichte!