Den Abriss eines Gebäudes sollte man Fachleuten überlassen. Zu dieser Erkenntnis dürfte in diesem Jahr auch ein Hauseigentümer aus Stahringen gekommen sein. Der beauftragte Anfang des Jahres eines selbstständigen Entrümpler damit, ein Gebäude aus den 1960er-Jahren komplett abzureißen. Obwohl er bisher damit keinerlei Erfahrungen hatte, nahm der Entrümpler den Auftrag an, ohne eine entsprechende Lizenz für solche Arbeiten zu besitzen. Weil er sich beim Abriss des Gebäudes an keinerlei Vorschriften hielt und insbesondere enthaltene Gefahrenstoffe nicht sachgemäß entsorgte, endete der Vorgang nun vor dem Radolfzeller Amtsgericht.

Bei dem Abriss wurde unsachgemäß mit gefährlichen Dämmstoffen umgegangen

Die Staatsanwaltschaft legte dem 29-jährigen Ausbildungsabbrecher und mehrfach Vorbestraften zur Last, unerlaubt mit den Gefahrstoffen umgegangen zu sein. Im Laufe der Verhandlung wurde das volle Ausmaß der Unkenntnis deutlich. Nach Aussage von Zeugen aus dem Landratsamt Konstanz, die bei solchen Fällen aktiv werden, zeigte sich vor Ort ein desolates Bild. „Selbst rudimentärste Arbeitsschutzbestimmungen wurden nicht eingehalten“, lautete eine dieser Beurteilungen.

Vor allem aber der unsachgemäße Umgang mit der Dämmwolle aus KMF-Fasern (siehe Text unten), die bis 1989 noch aus krebserregenden Bestandteilen zusammengesetzt waren, empörte Behörde und Nachbarn gleichermaßen. „Das Material lag überall auf dem Gelände verstreut herum. Ein Gefahrgutachten gab es ebenfalls nicht“, sagte die Zeugin. Die Staatsanwaltschaft kommentierte vorgelegte Fotos mit dem Satz: „Das sieht aus wie Kraut und Rüben.“

Der Angeklagte indes wollte vor Gericht den Eindruck erwecken, keinerlei Wissen von solchen Dingen gehabt zu haben. „Ich wusste nichts von der Gefährlichkeit. Außerdem habe ich mir den Abriss leichter vorgestellt“, sagte er aus. Die Beschreibung der Abrissarbeiten zeichneten ein deutliches Bild der Unkenntnis. Denn das Gebäude wurde ohne technisches Großgerät per Hand auseinandergenommen. Nur teilweise wurden die Stoffe getrennt. Am Ende war das Gebäude so unsachgemäß angegangen worden, dass Einsturzgefahr bestand und man nur schwerlich einen Unternehmer fand, der die Arbeiten sachgemäß erledigen konnte.

Staatsanwaltschaft fordert sechst Monate Bewährungsstrafe

Am Ende der Verhandlung stand zumindest für die Staatsanwaltschaft fest, dass die Vorwürfe gegen den Angeklagten erwiesen waren. Sie beantragte eine sechsmonatige Haftstrafe auf Bewährung und eine Strafzahlung von 500 Euro. Im Wesentlichen folgte die Richterin dieser Sicht. Allerdings verkürzte sie die Haftstrafe auf fünf Monate und einer Bewährungszeit von zwei Jahren.

Damit dürfte der Angeklagte noch gut weggekommen sein. Denn sein Vorstrafenregister las sich wie eine Palette möglicher Delikte. Von der Körperverletzung über Betrug, Diebstahl und Sachbeschädigung bis zum Fahren ohne Fahrerlaubnis war alles vertreten. Seine zehn Vorstrafen seit 2007 wiesen ihn als eine Person aus, die es mit der Wahrheit nicht immer sehr genau nimmt. Dazu passte auch eine Begebenheit, die sich im Zusammenhang des Abbruchs ereignete.

Dort hatte er den Mitarbeitern des Landratsamtes falsche Angaben zum Gefahrstoffumgang gemacht. Zunächst log er, indem er behauptete, eine Fachfirma sei damit betraut. Zum anderen gab er an, dass ein Gefahrstoffgutachten erstellt werde. Beides entsprach nicht der Wahrheit.

Auf den Hausbesitzer kamen im Nachgang durch den gesamten Vorgang nachträglich erhebliche Kosten zu. Durch den erhöhten Aufwand verdoppelten sich die ursprünglich vereinbarten Kosten. „Das hätte so nie kommen müssen“, kommentierte die Mitarbeiterin des Landratsamtes den Ablauf. Die Richterin erklärte ihr mildes Urteil mit dem Umstand, dass der Angeklagte zum einen eine gute Sozialprognose habe und zum anderen mit der Gefahr, dass auf ihn in der Folge noch erhebliche Kosten durch die Schadensersatzforderungen drohen.