Die Debatte um die geplante Anschlussunterbringung in der Strandbadstraße auf der Mettnau brachte in der jüngsten Gemeinderatssitzung ein weiteres Thema auf den Plan: Wohnungsmangel. Siegfried Lehmann, Fraktionsführer der Freien Grünen Liste, forderte die Stadtverwaltung auf, die Gründung einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft zu prüfen. "Wir haben den Markt völlig den Investoren überlassen", kritisierte Lehmann. Obwohl es rege Bautätigkeit in der Stadt gegeben habe, sei auf dem Mietmarkt keinerlei Entspannung eingetreten. Ganz im Gegenteil, sagte Lehmann. "Die Investoren heizen die Lage noch mehr an."

Lehmann machte bei diesem Antrag Druck. Man müsse zeitnah prüfen, ob eine städtische Wohnungsbaugesellschaft möglich wäre. Der Mangel an Anschlussunterbringungen für Flüchtlinge müsse schnell behoben werden. Doch es gehe darum, Angebote für alle zu schaffen. Auch Thilo Sinlinger (FGL) war der Meinung, dies sei nur die "Spitze des Eisbergs". Es kämen weitaus größere Probleme auf die Stadt zu, wenn Geflüchtete ihre Familie nachziehen und ebenfalls keinen Wohnraum fänden. Bisher habe keine der Bemühungen wirklich Abhilfe geschaffen, obwohl "gebaut wurde, wie der Teufel." Dietmar Baumgartner (Freie Wähler) erinnerte daran, dass dieses Thema nicht nur in Radolfzell ein Problem sei. Viele Städte hätten große Defizite im sozialen Wohnungsbau. Seine Fraktion habe bereits vor drei Jahren zu Beginn der Flüchtlingsbewegung den Antrag auf den Bau eines Wohnhauses mit 20 Sozialwohnungen gestellt. Damit sollte die dringendste Not behoben werden.

Oberbürgermeister Martin Staab zeigte sich von der Idee einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft nur mäßig begeistert. Dieses Vorhaben schnell umzusetzen, so wie von der FGL gefordert, sei fast unmöglich, da es an Geld für die Finanzierung fehle. "Wir brauchen mindestens 10 oder 15 Millionen Euro um die Wohnungsbaugesellschaft starten zu können", sagte er.