Es war ein richtig guter Tag gestern für Jürgen Keck: Mit 9,1 Prozent der Wählerstimmen des Wahlkreises Konstanz-Radolfzell zieht der Radolfzeller Stadtrat für die FDP in den Landtag von Baden-Württemberg ein. Dabei wurde die Unterstützung für Keck in Radolfzell besonders deutlich: 10,7 Prozent der Wähler setzten ihr Kreuzchen neben den Namen des FDP-Kandidaten, womit die Partei des Radolfzeller Stadtrates eindeutig zu den Gewinnern der Wahl gehört. 4,9 Prozent konnte die FDP im Vergleich zum Jahr 2011 zulegen. Damit liegt sie in Radolfzell über dem Landesergebnis (8,3 Prozent). „Das ist ein richtig tolles Ergebnis für uns, wir freuen uns sehr“, kommentierte Jürgen Keck. Er sei überzeugt davon, dass sich darin widerspiegele, was in den vergangenen Jahren für ihn wichtig gewesen sei: eine ehrliche und authentische Politik. Genau so wolle er auch in den kommenden fünf Jahren weitermachen.

Trotz allem Erfolg für Jürgen Keck: Die Farbe des Tages in Radolfzell war gestern Grün. Mit 36,4 Prozent der Stimmen ist die Partei stärkste Kraft und überzeugte damit noch rund drei Prozent mehr Wähler, als im Jahr 2011. In beinahe allen Wahlbezirken, außer dem Bezirk 34 im Ortsteil Markelfingen, in dem die CDU die meisten Stimmen erhielt, lagen die Grünen mit ihrer Kandidatin Nese Erikli aus Konstanz auf Platz eins. Ihr Spitzenergebnis in Radolfzell erhielten die Grünen wie schon im Jahr 2011 im Bezirk drei der Hausherrenschule. Dort stimmten 45 Prozent der Wahlberechtigten für Nese Erikli, die ebenfalls als Abgeordnete in den Stuttgarter Landtag einziehen wird.

Jürgen Keck wiederum zeigte sich enttäuscht über das gute Abschneiden der AfD, die er zu weit rechts einordnet, als dass mit deren Mitgliedern eine vernünftige Politik zu machen sei. Auf ein Ergebnis von 11,1 Prozent kam die AfD in Radolfzell. Einen überdurchschnittlich hohen Stimmenanteil erhielt die Partei dabei im Wahlbezirk Nummer sieben, dessen Wähler ihre Stimmen im Berufsschulzentrum abgaben. Dort setzten 21,6 Prozent ihr Kreuz neben den Namen des AfD-Kandidaten Cay Amey. Ein wahrlich schwarzer Tag war der gestrige Wahlsonntag in Radolfzell für die CDU. War sie im Jahr 2011 zwar knapp vor den Grünen aber dennoch stärkste Kraft mit 34,3 Prozent der Wählerstimmen, erhielt Kandidat Fabio Crivellari gestern nur 23,7. Damit liegt die CDU in Radolfzell nicht nur um einige Prozent unter dem Landesergebnis, sondern verliert 11,4 Prozent im Vergleich zu 2011. Dass die CDU in Radolfzell dennoch zweitstärkste Kraft ist, kann über diese Niederlage nicht hinwegtäuschen. Die SPD gehört ebenfalls zu den klaren Verlierern. Für Peter Friedrich stimmten gestern 12,2 Prozent. Damit liegt die SPD sogar noch 7,6 Prozent unter dem bereits schwachen Ergebnis von 2011.

Dass der Landtagswahlkampf viele Menschen mobilisiert hat, zeigt die hohe Wahlbeteiligung. War sie 2011 mit 65,9 Prozent schon wesentlich höher als 2006, als die Wahlbeteiligung bei 51,1 Prozent lag, gaben gestern 70,6 Prozent der Wahlberechtigten in Radolfzell ihre Stimme ab. Im Vergleich zu den anderen Städten im Landkreis, Konstanz (69,9 Prozent), Stockach (66,8 Prozent) und Singen (58,7 Prozent), war die Wahlbeteiligung in Radolfzell somit am höchsten.