Die Stadtbibliothek stellt Fotografien junger Künstler aus. 22 geflüchtete Kinder und Jugendliche aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, Nigeria und Tschetschenien haben mit der Kamera Eindrücke von Wald und Wiese festgehalten. „Der Natur auf der Spur“ heißt die Ausstellung, die im Rahmen eines Projektes des Freundeskreises Asyl in Kooperation mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vom Frühling bis zum Spätsommer stattgefunden hat. Zur Eröffnung strömten etwa 50 Besucher in den Gewölbekeller des Schlösschens.

Für viele ist es der erste richtige Kontakt mit der örtlichen Flora und Fauna

Löwenzahn, Wicken und Gänseblümchen in Großaufnahme, blühende Apfelbäume und reife Äpfel. Heuschrecken, Tannenzapfen und Wurzeln sind auf den Bildern zu sehen. Motive, die Naturliebhabern aus unseren Breitengraden vertraut sind. Für die meisten der Flüchtlingskinder allerdings waren die Ausflüge in den Wald und auf die Wiesen rund um Radolfzell der erste Kontakt mit der hiesigen Fauna und Flora.

Viele Besucher kamen zur Eröffnung der Fotoausstellung „Natur auf der Spur“ in der Stadtbibliothek. Zu sehen sind Fotografien, die Flüchtlingskinder im Rahmen eines Naturprojekts gemacht haben.
Viele Besucher kamen zur Eröffnung der Fotoausstellung „Natur auf der Spur“ in der Stadtbibliothek. Zu sehen sind Fotografien, die Flüchtlingskinder im Rahmen eines Naturprojekts gemacht haben. | Bild: Natalie Reiser

Die Biologin Angela Klein und die Heilpädagogin Claudia Mühlhoff-Mast nahmen die Kinder ganze Tage mit ins Freie. „Zu Beginn waren Ängste da, den Wald zu betreten“, erzählt Angela Klein bei der Ausstellungseröffnung. Einige Kinder fürchteten, auf Bären oder Wölfe zu treffen. Während ihrer Ausflüge haben sie gelernt, dass der Wald ein schöner, ungefährlicher Ort ist. Dass man eine Spinne anfassen kann. Und dass man mit ihr und anderen kleinen Tieren achtsam umgehen sollte.

Der Wald macht auch bei kaltem Wetter Spaß

Am Ende jedes Tages haben die Kinder und Jugendlichen einen Kreis gebildet und gesagt, was ihnen gefallen hat: Vögel und Schmetterlinge zu sehen, mit Freunden im Wald zu spielen, auch bei kaltem Wetter. Gemeinsam zu malen, zu fotografieren und zu schnitzen. Einige Jungen erzählten, sie hätten am meisten Spaß dabei, Holz zu sammeln und Hütten zu bauen. Nach der anfänglichen Zaghaftigkeit seien alle mit Begeisterung dabei gewesen, erzählt Angela Klein weiter. Genossen hätten die Kinder auch Streifzüge auf weiten Wiesen, auf dem Schneckenberg zum Beispiel.

„Es war schön, dass die Kinder, die oft in engen Unterkünften leben, so viel Raum hatten“, meinte Claudia Mast. Das Projekt sei auch vor dem Hintergrund der Bedrohung unserer Umwelt wichtig, wertete Rainer Kühl, stellvertretender Vorsitzender des Freundeskreises Asyl: „Man kann nur lieben, was man kennt. Und man kämpft nur für das, was man liebt.“

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Petra Wucherer, Leiterin der Stadtbibliothek, dankte den jungen Künstlern für die „tollen Bilder“, hieß deren Eltern willkommen und lud zu einem Streifzug durch die Räume an. Für einige Momente ließen die Schwestern Medya und Afrin Mohamed orientalische Atmosphäre aufkommen. Auf ihren Geigen spielten sie arabische, kurdische und algerische Lieder. Die Frauen der arabischen Gruppe „Yassmen Alsham“, die sich im Café International des Freundeskreises Asyl trifft, wippten im Takt. Einige sangen leise mit.