Ich glaube, ich bin im falschen Film“, huschte es Matteo Mastrocola als erstes durch den Kopf, als im Musiksaal des Hecker Gymnasiums die Türe aufging und Mannhard Bech mitten in den Unterricht platzte. Dem zwölfjährigen Matteo rann eine kleine Freudenträne über die Wange als er den ehemaligen Handball-Bundesliga- und -Nationalspieler erkannte. Ursprünglich wollte Bech den jungen Radolfzeller ein wenig an der Nase herumführen: Er sei gekommen um Spieler für Jugend trainiert für Olympia zu suchen. Doch das Gesicht von Mücke, wie der Handballer genannt wird, ist viel zu bekannt, als dass der Vollbluthandballer Matteo es ihm abgenommen hätte. Der Besuch Mückes signalisierte ihm sofort, dass er den Titel des „Youngstar“ gewonnen hatte. In einem bundesweiten Auswahlverfahren in drei Trainingcamps erreichte Matteo Mastrocola den ersten Platz. Der Lohn: ein mehrwöchiges Sportstipendium beim THW Kiel, einem der bedeutendsten Handballclubs überhaupt.

Mindestens sechs Mal darf Matteo Mastrocola in den Ferien für jeweils eine Woche zum THW nach Kiel fahren. In den Sportwochen bekommt er ein individuelles Training und lernt dabei mit einem Technik- und Athletiktraining, mit einer Individualtaktik und einem Ernährungscoaching das Leben eines Leistungssportlers kennen, verspricht Bech. Der ehemalige Handballprofi veranstaltet bundesweit Handball-Feriencamps und sichtet dabei Jungtalente für den Profisport, die bei weiteren Trainingscamps gefördert werden.

Sensationell und intensiv sei das erste Training in Berlin gewesen, erzählt Matteo. Es habe ihm viel Spaß gemacht und er habe viel gelernt. Die Stimmung beim Wochenend-Camp in Kiel mit dem Trainer Christian Sprenger dann sei unglaublich gewesen. Und in der letzten Runde, dem einwöchigen Excellenz-Camp, habe er viel trainiert, Einblicke in den THW bekommen, und gemeinsam mit Handballtorwart und Nationalspieler Andreas Wolf sowie dem Kreisläufer Patrick Wiencek trainiert. „Handball bedeutet mein Leben“, bekennt Matteo. Von klein auf geht er fast täglich in die Handballhalle und trainiert mit viel Spaß. Matteo wohnt in unmittelbarer Nähe zur Unterseehalle. „So wie es jetzt aussieht, werde ich jetzt meinen Traum als Handball-Profi verfolgen“, bekennt Matteo. Vor allem jetzt, wo er den Titel des Youngstar gewonnen hat, habe er mehr Lust bekommen, Profi zu werden. Der Radolfzeller setzte sich in dem Wettbwerb gegen insgesamt 47 Mitbewerber durch.

Matteos Mutter, Diane Mastrocola, ist Sportlehrerin am Hecker Gymnasium und war bei der Preisverleihung dabei. Matteo sei sehr talentiert und wachse in einer Handballer-Familie auf, erzählt sie voller Stolz: Ihr Ehemann war aktiver Handballer und lange Zeit Trainer, der größere Bruder von Matteo wurde für die B-Jugend in der Nationalmannschaft gesichtet.

Zur dritten und letzten Runde bei der bundesweiten Talentsuche wurde auch der Radolfzeller Fynn Osann nach Kiel eingeladen. Unter den sieben Finalisten errang der junge Handballer vom HCR den zweiten Platz bei den Youngstars.

Das Projekt des THW

Einmal im Jahr richtet der Handballclub Radolfzell ein Trainingscamp für junge Handballer aus, die von der Kieler CommEvent veranstaltet wird. Dessen Geschäftsführer Mannhard Bech war Bundesliga-Profi. Bei den Camps sichten Trainer Talente für den Profisport. Unter ausgewählten Anwärtern suchen Trainer nach weiteren Trainingscamps den THW-Youngstar aus. (gla)

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