Radolfzell Ex Botschafterin Gudrun Steinacker erhält den Euronatur-Preis 2017

Die ehemalige Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in Montenegro, Gudrun Steinacker, wurde am Mittwoch auf der Insel Mainau mit dem Euronatur-Preis 2017 ausgezeichnet.

Mit dem Euronatur-Preis wurde Gudrun Steinacker für ihr hohes persönliches Engagement zur Rettung der Saline Ulcinj in Montenegro geehrt, wo sie von 2014 bis 2016 als Botschafterin tätig war. "Frau Steinacker hat uns gezeigt, dass der diplomatische Dienst seine neutrale Haltung aufgeben kann und muss, wenn rings umher Unrecht geschieht", begründete Euronatur-Präsidentin Christel Schroeder die Wahl der Preisträgerin. Gudrun Steinacker steht mit der Verleihung des Euronatur-Preises in einer langen Reihe namhafter Persönlichkeiten wie Jonathan Franzen, Prinz Charles, Michail Gorbatschow und Nelson Mandela.

Die Saline Ulcinj im Süden Montenegros hat eine überragende Bedeutung als Brutgebiet und ist eines der wichtigsten Rast- und Überwinterungsgebiete für Zugvögel an der östlichen Adriaküste. Es gehört zum Bojana-Buna-Delta und ist mit 1500 Hektar eine der größten Salinen im Mittelmeerraum. Trotz zahlreicher Beteuerungen der montenegrinischen Regierung genießt das Gebiet bis heute immer noch keinerlei Schutzstatus. Entsprechend droht diesem Vogelparadies an der Adria die Zerstörung. Kritiker haben den Eindruck, dass die derzeitigen Betreiber die Saline Ulcinj gezielt herunterwirtschaften, um das Gelände zukünftig für Tourismuszwecke zu bebauen. Dies passiert nach ihrer Ansicht unter dem Deckmantel der Regierung in Podgorica, die bis heute keine wirksamen Maßnahmen zum Schutz der Saline getroffen hat.

Diese Meinung teilt auch die Preisträgerin: "Mit Bestürzung habe ich beobachtet, dass nach dem Ende des oftmals umweltzerstörerischen Kommunismus die neuen Eliten die Natur ebenso ausbeuteten, meist um des kurzfristigen Profits willen", sagte Gudrun Steinacker. "Nie war die Natur, die wichtigste Ressource dieses kleinen Landes, so bedroht wie heute", so die ehemalige Botschafterin in Montenegro weiter. Entsprechend schnell muss der Einsatz für das Gebiet sein, der aus Sicht von Christel Schroeder eine starke politische Dimension hat: "Die Verteidigung des Naturerbes in Südosteuropa findet unter dem Druck eines dramatischen Wettlaufs mit der Zeit statt. Investitionen, die keiner gesellschaftlichen Verantwortung unterliegen und die gestützt werden durch internationale Banken, greifen nach den Naturschätzen und hinterlassen großflächige Zerstörung. Obwohl auch die Ausbeuter der Natur transnational operieren, stellen wir fest, dass im Zuge des wiedererstarkenden Nationalismus gerade der Kampfbegriff der 'Renationalisierung' als Legitimationsstrategie für den Raubbau genutzt wird", befand sie in ihrer Festrede.

Die Auseinandersetzung um die Saline Ulcinj hält die Euronatur-Stiftung und ihre Partner in dem Adriastaat seit Jahren in Atem. "Die Unterstützung und der Zuspruch aus weiten Teilen der Bevölkerung, teilweise von hochrangigen Beamten, zeigen, wie wichtig der Kampf für die Rettung der Saline ist", sagt Gudrun Steinacker. "Die Saline Ulcinj kann in einzigartiger Weise als Beispiel dafür dienen, wie "wirtschaftliche Tätigkeit und Naturschutz miteinander verknüpft werden", appelliert die Euronatur-Preisträgerin.

Laudator Hans Dieter Knapp, Mitglied des Euronatur-Präsidiums, lobte insbesondere die Doppelfunktion der mittlerweile pensionierten Diplomatin: "Sie sind eine Botschafterin in doppelter Hinsicht", befand er im Weißen Saal des Schlosses Mainau. Auch Hausherr Graf Björn Bernadotte ließ es sich nicht nehmen, an den Feierlichkeiten teilzunehmen.

Die Stiftung

Die Euronatur Stiftung hat zwei Standorte in Deutschland mit der Hauptgeschäftsstelle in Radolfzell. Neben dem Leitungsteam aus Geschäftsführer und naturschutzpolitischem Direktor sind 16 hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt. Die zentralen Funktionen wie Spenderbetreuung, Buchhaltung, allgemeine Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit sind ebenso in Radolfzell angesiedelt wie überwiegende Teile des Projektmanagements. In Rheinbach bei Bonn befindet sich das Büro der naturschutzpolitischen Abteilung. Bei der Euronatur Service GmbH in Radolfzell sind zusätzlich vier Mitarbeiterinnen hauptamtlich beschäftigt. (ja)

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