Eine Institution nahm Abschied vom Ehrenamt. Vor 20 Jahren rief Ewald Kleiner den Radolfzeller Wettbewerb „Naturnaher Garten“ ins Leben. Ein Jahr später folgte die erste Preisverleihung. 20 Jahre lang beriet Ewald Kleiner Bürger, wie sie ihre Gärten ökologisch und naturnah umgestalten können. Der vom Radolfzeller Umweltamt ausgelobte Wettbewerb war zu jener Zeit einmalig in Deutschland und unterstützte den Titel der heimlichen Umwelthauptstadt mit.

Viele Kommunen kopierten das Format oder modifizierten es für ihre Bedürfnisse. Jährlich nehmen zwischen 50 und 80 Hobbygärtner am Wettbewerb teil. „Ewald Kleiner trug zur Qualität der Stadt bei und brachte Radolfzell zum Blühen“, ehrte Bürgermeisterin Monika Laule den engagierten Naturgärtner bei der jüngsten Preisverleihung im Zunfthaus der Narrizella. Ewald Kleiner stand dem Juroren-Team 20 Jahre lang vor.

Bürgermeisterin bewundert Ewald Kleiner

Monika Laule zollte dem Gärtner aus Leidenschaft ihre Bewunderung: „Bei jedem Wort merkt man, wie gerne sie das Thema Naturgarten haben und wie sehr ihr Herz daran hängt. Das ist ganz außergewöhnlich. Und das bewundere ich.“ In ihrer Laudatio sammelte die Bürgermeisterin Stimmen, die Kleiners Engagement charakterisieren sollen: Für ihn war nie etwas zu viel, er habe eine blumige Fantasie, war zuverlässig für den Wettbewerb da und immer sachlich.

Der Wettbewerb um die naturnahen Gärten selbst wurde auch von Fachleuten kritisch beäugt und zertifiziert, erinnert sich Ewald Kleiner. Die Initiative „Naturnaher Garten“ band bereits schnell die Umweltverbände wie den BUND und den Nabu sowie die damals noch städtische Volkshochschule in das Konzept ein. Zur Initiative gehörten auch Exkursionen zu Baumschulen und Blumencenter sowie Besuche zur Landesgartenschau.

Fünf Hobbygärtner erhielten beim Wettbewerb Naturgarten einen Sonderpreis für die Umsetzung des letztjährigen Schwerpunktthemas "Wildsträucher und Fruchtträger". Von links: Eberhard Bölle, Wolfgang Schäfler, Christiane Hellstern, Erika Liebau sowie Dagmar Vollmer. Bild: Georg Lange
Fünf Hobbygärtner erhielten beim Wettbewerb Naturgarten einen Sonderpreis für die Umsetzung des letztjährigen Schwerpunktthemas "Wildsträucher und Fruchtträger". Von links: Eberhard Bölle, Wolfgang Schäfler, Christiane Hellstern, Erika Liebau sowie Dagmar Vollmer. Bild: Georg Lange

Mit dem für den Wettbewerb erstellten Bewertungsbogen brachten Kleiner und das Jurorenteam im wahrsten Sinne des Wortes auch Leben in die Radolfzeller Gärten. Nach wie vor ist es Kleiner ein Anliegen, dass sich Gärten für die Natur öffnen – mit Pflanzen, die Nahrung für Wildbienen und Hummeln bieten und deren Samenstände die Vögel im Winter versorgen können. Kleiner appelliert an die Gärtner: „Denken sie auch an unsere Tierchen, die im Winter Futter brauchen.“ Auch wenn Nachbarn in Versuchung geraten den Naturgarten als unordentlich zu verurteilen: „Räumen sie nicht ab, sondern lassen sie die Pflanzen stehen.“

Kleiner ermuntert Gärtner zu einem Wildbienenhotel. Deren Bestand habe in den letzten Jahren stark abgenommen, sie seien für das Bestäuben von Obst- und Nutzpflanzen wichtig. Wer ein Wildbienenhotel habe, sei überrascht von der Vielfalt der Tierchen, die einfliegen, ihre Niströhren haben und damit wieder für Nachwuchs sorgen, schwärmt der leidenschaftliche Gärtner. Kleiner gab auch Tipps für den schonenden Einsatz von Gartengeräten zum Bewahren tierischen Lebens in den Böden.

Hinwendung zu ökologisch wertvollen Gärten

Insgesamt wertete der Wettbewerb Radolfzell ökologisch auf. Er setzte mit seiner jährlichen Begehung dort an, wo es in den Gärten gefehlt hatte. Naturnahe Gärten hätten den Vorteil, dass sie nicht diese Intensivpflege benötigen, erinnert Kleiner: Sie seien von der Pflanzenauswahl ökologisch wertvoller sind als die klassischen Schemagärten vor 20 Jahren, bei denen man weitgehend auf Schönheit schaute. Heute stehe der ökologische Wert im Vordergrund.