Das Haus der Diakonie in der Teggingerstraße in Radolfzell ist fertiggestellt. Die Sanierung und der Umbau wurden vom Diakonischen Werk und Mitteln des evangelischen Kirchenbezirks finanziert und kostete rund 1,1 Millionen Euro. In den Fahrstuhl des nun barrierefreien Gebäudes flossen Fördermittel der „Aktion Mensch“ in Höhe von 110¦000¦Euro ein. Der Denkmalschutz unterstütze die Sanierung mit 40¦000¦Euro. Die Stadt Radolfzell beteiligte sich mit weiteren 10¦000¦Euro. Die Abbrucharbeiten, die Sanierung und der Umbau fanden bei vollem Betrieb statt. Der große Saal im Haus der Diakonie ist für gewöhnlich rund um die Uhr ausgebucht. Zwischen Februar und August wurden die Veranstaltungen in die Räume der evangelischen Christuskirche verlegt.

Das Gebäude wurde in den 1930er Jahre als Filiale der Reichsbank Berlin gebaut. Es ist als Kulturdenkmal eingetragen mit dem Auftrag, das Haus der Nachwelt zu erhalten. Mit seinen burgähnlich runden Türmen erscheint das Haus wie ein wehrhaftes Gebäude. Im großen Saal befand sich einst die Schalterhalle. Im hinteren Teil und zwischen zwei Ecktürmen liegend schloss sich ein begehbarer Tresorraum mit einer 70 Zentimeter dicken Wand an. Dort erfuhr das Haus der Diakonie die größten Umbaumaßnahmen.

Ab Februar wurde im ehemaligen Tresorraum gesägt. Die Wand wurde in 35 Betonklötze mit jeweils einer Tonne Gewicht ausgeschält und mit einem Kran geborgen. An seine Stelle kam ein Aufzug und eine Wendeltreppe.

Der Umbau zwischen den beiden Türmen, der nun einen barrierefreien Zutritt in das Haus der Diakonie ermöglicht, ist eine Meisterleistung. Vom Denkmalamt gab es die Auflage mit dem Aufzug nicht über das Dach hinaus zu gehen. Die ihn umlaufende steinerne Wendeltreppe gilt zudem als neuer Fluchtweg aus dem Gebäude. Im langsam fahrenden Aufzug können sich Senioren und gebrechliche Personen an einem zusätzlichen Handlauf festhalten. Der Umbau im Nordtrakt brachte auch neue Wegebeziehungen in das Gebäude.

Der Hauptfluchtweg ist vom Rest des Gebäudes abgeschottet und hat durch die Bestimmungen für den Brandschutz eine Steintreppe erhalten. Damit konnte auch die hölzerne Wendeltreppe im nördlichen Bauabschnitt erhalten bleiben.

Unter dem Dach wurden das Archiv sowie ein Lager untergebracht. Das neue Dach wurde mit 16¦000 neuen Ziegeln gedeckt. 500 alte Ziegel konnten gerettet werden. Unter Anleitung einer Kunsttherapeutin werden sie von Menschen mit und ohne Behinderung in einem Inklusionsprojekt zu kleinen Kunstwerken verwandelt. Der Erlös fließt ebenfalls in das Sanierungsprojekt.

Im Flur wurde Linoleum verlegt und in den Räumen konnte das Fischgrätenparkett erhalten werden. Ebenso wurde die Holzvertäfelung erhalten. Eine Restauratorin überarbeitete mit einer Lupe die mit Kupfer beschlagene Eingangstüre an der Tegginger Straße. Die Fassade erhielt einen sandfarbigen Neuanstrich.
Durch den sorgfältigen Verbrauch des Umbaubudgets können in den Fluren des Gebäudes neue energiesparende Leuchtkörper installiert werden.

Angebote

Im Haus der Diakonie bietet das evangelische Hilfswerk Beratungen für Schwangere, Paare, Familien, Langzeitarbeitslose, ALG 2 Empfänger sowie Schuldner an. Es ist Anlaufstelle für das Frauen- und Kinderschutzhaus. Unter dessen Dach treffen sich 20 Initiativen, Verbände und Selbshilfeorganisationen.