Gabriel Paun streckt seinen Preis in die Luft und jubelt wie ein Fußballer über den Sieg. Für einen kurzen, sympathischen Moment wird der feierliche Rahmen der Euronatur-Preisverleihung auf der Insel Mainau gebrochen und Gabriel Paun zeigt, was der Preis in ihm auslöst: nämlich Freude über die Anerkennung seiner Arbeit. Die Stiftung Euronatur mit Sitz in Radolfzell hat den 39-jährigen Aktivisten für seinen Schutz der rumänischen Urwälder ausgezeichnet. Euronatur wolle einen Scheinwerfer lenken auf die "skandalöse Waldvernichtung und unkontrollierte Abholzung des europäischen Naturerbes", wie Stiftungspräsidentin Christel Schroeder es ausdrückt.

In Rumänien gibt es noch vom Menschen völlig unberührte Wälder mit Bäumen, die hunderte Jahre alt sind und teilweise bis zu 60 Meter hoch. In deren Schutz streifen Braunbären umher, Wölfe, Luchse und Wildkatzen. Seit den ersten Vermessungen Anfang des Jahrtausends wurden jedoch durch legalen wie illegalen Holzeinschlag tausende Hektar dieser Wälder vernichtet. "Auch in ausgewiesenen Nationalparks, in FFH-Gebieten und im Widerspruch zu nationalen Schutzbestimmungen", wie Laudator Jörg Nitsch betonte. Wie viel von den 220.000 Hektar Urwald noch übrig ist, weiß niemand. Ausländische Firmen verdienen viel Geld mit rumänischem Holz. Die Sägewerke dort können doppelt so viel Holz verarbeiten, wie legal geschlagen werden darf. Missmanagement und Korruption der Behörden begünstigen die Vorgehensweise der "Holzmafia", wie Paun die Akteure nennt.

Für seine Überzeugungen musste Paun schon viel einstecken. Er wurde zusammengeschlagen und Opfer einer Cyberattacke auf seine Daten. "Vielleicht hatte ich bisher nur Glück, vielleicht hilft es mir aber auch, dass ich schnell rennen kann", sagt er in seiner Dankesrede, nur halb scherzhaft. Aber dem Wald könne er sich nicht entziehen, seit ihn seit Vater als Vierjährigen mitnahm, um die Wölfe heulen zu hören. In einem dichten Wald finde er Frieden und Harmonie, erzählt er. Gemeinsam mit der von ihm gegründeten Naturschutzorganisation Agent Green hat er auch schon Erfolge erzielt. Der 750 Hektar große Urwald Cosava Mica konnte im vergangenen Jahr vor dem Kahlschlag gerettet werden.

Doch sein Kampf ist vor allem ein Kampf gegen die Zeit. "Wir müssen schnell sein, während wir sprechen, fallen in Rumänien die Bäume", sagt er im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Der Euronatur-Preis schafft dabei eine zusätzliche Öffentlichkeit. Die Radolfzeller Stiftung hilft den rumänischen Naturschützern dabei, die Verstöße gegen geltendes europäisches Naturschutzrecht bei der Europäischen Kommission zu Gehör zu bringen. Die Verleihung sei der Auftakt für ein stärkeres Engagement von Euronatur für die rumänischen Urwälder, erklärt der Geschäftsführer der Stiftung, Gabriel Schwaderer. EU-Kommission und Parlament müssten das Problem wahrnehmen und Klartext mit dem Mitgliedsland Rumänien reden. "Das ist unser altes Europa", sagt Paun, der Aktivist und Biologe, "eine Verbindung aus der Vergangenheit in die Zukunft."
 

Die Stiftung

Die Stiftung Euronatur wurde 1987 vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegründet. Hauptsitz ist Radolfzell, der Fokus der Stiftung liegt aber auf grenzüberschreitendem Naturschutz. Ziel der Stiftung ist, das europäische Naturerbe in seiner Vielfalt zu erhalten und wertvolle Natur- und Kulturlandschaften in Europa zu schützen.

Mehr Informationen auf: www.euronatur.org