Alexander Gräber gibt auf. Über Wochen hatte er sich mit anderen Anwohnern des Spielplatzes in der Standbadstraße in Radolfzell engagiert. Sie wollten den einzigen Spielplatz auf der Mettnau erhalten und eine mögliche Bebauung mit Containern als Anschlussunterbringung für Geflüchtete verhindern, oder zumindest eine Lösung suchen, die für alle annehmbar wäre. Nach dem letzten Vor-Ort-Termin mit der Stadtverwaltung zeigt sich Gräber jedoch ernüchtert. „Das bringt alles gar nichts, da rennt man gegen eine Mauer“, sagt er.

Spielplatz soll kleiner erhalten bleiben

Das Gespräch mit Bürgermeisterin Monika Laule und Baudezernats-Leiter Thomas Nöken raubte Gräber den letzten Rest Hoffnung, mit seiner Initiative Einfluss auf die Pläne der Stadtverwaltung nehmen zu können, wie er im Anschluss gegenüber dem SÜDKURIER berichtet. Die Vorgehensweise von Laule und Nöken sei für Alexander Gräber ebenfalls recht irritierend gewesen. Von den drei aufgezeigten Vorschlägen, wie eine Container-Bebauung auf dem Spielplatz aussehen könnte, hätten zwei nach Auffassung von Gräber nicht dem Auftrag des Gemeinderates aus der Sitzung Anfang März entsprochen. Damals hatte man sich nach langer Diskussion darauf geeinigt, Spielplatz und Bebauung zu ermöglichen. 

1434 Unterschriften für Bürgermeisterin Monika Laule (links): Alexander Gräber und Andreas Ritter von der Initiative "Spielplatz Strandbadstraße" überreichten im März dieses Jahres Unterschriften für den Erhalt des Mettnau-Spielplatzes in aktueller Form und Lage.

Der erste Vorschlag sei jedoch ein Plan mit vier Blöcken mit je drei Stockwerken mit sechs bis acht Wohneinheiten pro Block gewesen. Von einem Spielplatz keine Spur. „Wieso plant man überhaupt so etwas, wenn es klar heißt, der Spielplatz muss erhalten bleiben?“, fragt sich Gräber. Der Zweite zeigte drei Blöcke und einen recht kleinen Spielplatz. Auch hier sei nach Gräbers Meinung der Auftrag des Gremiums nicht erfüllt worden. „Das war mehr ein Alibi-Spielpatz.“ Der dritte Vorschlag zeigte zwei Wohnblöcke und einen Spielplatz. Und auch hier wundert sich Gräber, wieso die Wohncontainer für Geflüchtete in der hinteren Ecke des Areals liegen sollen und der Spielplatz vorne an der Straße platziert sei. „Ich dachte, die Menschen sollen integriert werden. Aber nun werden sie wieder ins hinterste Eck geschoben“, so Gräber. 

Irritiert von der geplanten Größe der Wohnungen

Irritiert zeigte sich Gräber auch von der Größe der Wohnungen, die in den Containern geplant waren. Laut Gräber sei den Anwohnern versichert worden, der Standort der Anschlussunterbringung sei für Familien gedacht, die auch über den Spielplatz Anschluss an die Nachbarschaft bekommen sollen. Nun seien aber auch Ein-Zimmer-Wohnungen geplant gewesen. Auch die Anzahl an Menschen, die in die Container einziehen sollen, schwanke. Erst sei von vier bis sechs Familien die Rede gewesen, nun sei man bei etwa 40 Personen, die in den zwei Blöcken wohnen sollen. „Mit 40 Personen würde die Nachbarschaft mal eben um ein Drittel wachsen“, sagt Gräber.

Für Alexander Gräber sei durch diese Vorgehensweise viel Vertrauen in die Stadtverwaltung zerstört worden. Er habe nicht das Gefühl gehabt, dass das Anliegen der Bürgerinitiative Gehör gefunden hätten. „Man wird immer wieder mit den selben Argumenten abgebügelt“, sagt Gräber. Er kritisiert auch die fehlende Transparenz über die anderen Standorte, die für eine Anschlussunterbringung geprüft wurden. „Das hat mit Bürgerbeteiligung nichts mehr zu tun“, so Gräber. Der SÜDKURIER hatte die Stadtverwaltung am Montag um eine Stellungnahme gebeten. Trotz mehrmaligem Nachfragen war bis Freitagnachmittag keine Antwort zu erhalten. Moritz Schade, Pressesprecher der Stadt gab an, man könne sich erst nächste Woche dazu äußern.