Es wurde namentlich abgestimmt. Der Reihe nach rief Oberbürgermeister Martin Staab die Räte auf, ihr Votum für oder gegen die Ost-Tangente in Markelfingen zu fällen. Einer stockte. Stadtrat Gabriel Deufel (Freie Wähler) schien sich bis zuletzt unsicher zu sein, wie sein Urteil ausfällt. "Ich habe lange mit mir gerungen und weiß noch immer nicht sicher, wie ich mich entscheiden soll", erläuterte er sein Befinden. Er sei Markelfinger, er spüre die Verantwortung. Hinzu kämen all die Besucher der Sitzung, die hinter ihm im Zuschauerbereich saßen. Markelfinger, und Freunde, Bekannte von Deufel. "Das macht es nicht gerade leichter", sagte Deufel sichtlich geknickt. Eine Hälfte dieser Menschen werde er enttäuschen, da war er sich sicher.

Die Ost-Tangente, die für weniger Verkehr im Ortskern sorgen sollte, wurde abschließend mit 13 zu 9 Stimmen abgelehnt. So geteilt wie der Rat, zeigte sich auch der Ort selbst. Etliche Beiträge der Bürgerfragestunde zielten auf dieses Thema ab. Naturschützer appelierten an das grüne Gewissen des Gremiums, andere beschworen den Zusammenhalt im Ort und die Chance auf einen ruhigeren Ortskern. Die beiden Unterschriftslisten, die Befürworter und Gegner im Vorfeld eingereicht haben, ergaben zwei recht ähnlich große Lager. Der Ortschaftsrat hatte Ende vergangenen Jahres noch eindeutig für die Straße gestimmt. Die Frage blieb, was die Markelfinger eigentlich wollen.

Während der Sitzung begab sich Norbert Lumbe (SPD) auf Spurensuche, wie es zu dieser Situation kommen konnte und legte den Finger tief in die Wunde. Es sei richtig gewesen, die Entscheidung für die Umgehungsstraße zu vertagen, dies zeige die Stimmungslage in Markelfingen. Zur Verantwortung zog Lumbe den Ortschaftsrat, der die Ortsumfahrung zu lange zur "geheimen Kommandosache" erklärt hatte. Das Ergebnis aus dem Ortschaftsrat spiegele nicht den Willen der Bürger wider. "Als ob der Ortschaftsrat sein Dorf gar nicht kennt", mutmaßte Lumbe. Es läge nun an den Ortschaftsräten, diesen Riss wieder zu schließen. Lumbe selbst sprach sich für die Umgehungsstraße aus, da Markelfingen die "Mitte" fehle, die man durch die Tangente schaffen könnte. "Der Gedanke ist doch, Markelfingen fit für die Zukunft zu machen", so Lumbe. Markelfingens Zukunft beschäftigte auch Gisela Kögel-Hensen (FGL). Eine gute Dorfentwicklung hinge nicht an einer Straße, sondern an den Menschen im Ort. In Zeiten des Mobiliätswandles noch Straße in die freie Natur zu bauen, erschien ihr unsinnig. "Sie wollen genau das aufgeben, was Markelfingen ausmacht", sagte Kögel-Hensen.

Nachdem lange diskutiert wurde, was Markelfingen wolle und bräuchte, hatte einer genug. Stefan Neumeir (CDU), Mitglied im Markelfinger Ortschaftsrat, wehrte sich gegen den Vorwurf, am Bürger vorbei entschieden zu haben. "Wir haben uns im Ortschaftsrat lang genug damit auseinander gesetzt", sagte er genervt. Auch ohne Belehrungen anderer Fraktionen hätten er und der Ortschaftsrat alle Vor- und Nachteile abgewogen. Die Diskussion ginge ihm überhaupt viel zu lang, alle Argumente seien bereits mehrfach ausgeführt worden, kritisierte er. Lorenz Thum bemühte sich anschließend um Konsens. Die Option der Kreisstraße müsse ergriffen werden, drängte der Markelfinger Ortsvorsteher. "Das Baugebiet wird Markelfingen verändern, der Verkehr lässt sich nicht wegdiskutieren", sagte er. Markelfingen werde wachsen, so Thum. Es half nichts. Die Umgehungsstraße ist nun endgültig vom Tisch.

 

Zur Abstimmung

  • CDU: Bernhard Diehl: Ja; Martina Gleich: Nein; Hermann Leiz: Ja; Stefan Neumeir: Ja; Christof Stadler: Nein; Lorenz Thum: Ja; Helmut Villinger: Nein
  • FGL: Nina Breimaier: Nein; Waltraut Fuchs: Nein; Beate Giesinger: Nein; Gisela Kögel-Hensen: Nein; Siegfried Lehmann: Nein; Thilo Sindlinger: Nein
  • Freie Wähler: Gabriel Deufel: Nein; Walter Hiller: Ja
  • SPD: Susann Göhler-Krekosch: Nein; Norbert Lumbe: Ja; Reinhard Rabanser: Nein; Derya Yildirim: Nein;
  • FDP: Richard Atkinson: Ja; Manfred Brunner: Ja
  • OB Martin Staab: Ja