154 Jahre lang begleiteten die Ordensschwestern des Kloster Hegne das gesellschaftliche und religiöse Leben in Radolfzell. Die Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz wirkten in Radolfzell in der Krankenpflege und Kindererziehung mit, sie kümmerten sich um Menschen, die durch die Industrialisierung an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden und bauten die Sozialstation in Radolfzell auf.

Das Durchschnittsalter der Schwestern liegt bei 80 Jahren

Für Schwester Birgit-Maria Krietemeyer ist es nicht der erste Konvent, den sie in ihrer Amtszeit als Provinzassistentin schweren Herzens auflöste. Das Durchschnittsalter der Ordensschwestern im Kloster Hegne liegt bei 80 Jahren. Dem Kloster fehlt es an jungem Nachwuchs.

Nonnen, die aus ihrem Berufsleben ausscheiden, können nur schwer ersetzt werden, beschreibt die Provinzassistentin die gegenwärtige Lage. Mit den Ordensschwestern Elisa Firnkes und Maria Stella Cheeappilly verlassen die letzten Nonnen die große Kreisstadt. Sie waren in Radolfzell als Erzieherin und Krankenschwester und zuletzt in der Seelsorge am Klinikum Radolfzell tätig.

Die Ordensschwester werden in der Pflege nicht mehr benötigt

Ordensgemeinschaften entstehen oftmals aus einer akuten Notlage heraus. Werden diese überwunden, so können für Klöster auch neue Handlungsfelder entstehen. In diesem Transformationsprozess befindet sich das Kloster Hegne. Den Mangel an Nachwuchs begreift die Gemeinschaft der Nonnen als eine Herausforderung – auch für den eigenen Heilsweg.

Um den Geist und die kulturelle Leistung des Klosters fortzuführen gründeten die Ordensschwestern eine eigene Stiftung. Mit ihren Tätigkeitsbereichen waren Ordensschwester oftmals Vorreiter für Berufe, für die es heute staatliche Qualifikationen gibt.

Früher haben Nonnen Pflege- und Sozialdienste ausgeübt

Sie unterrichteten und übernahmen Erziehungsaufgaben. Sie pflegten kranke Menschen und gaben ihnen seelischen Beistand. Wenn Frauen früher einen Pflegeberuf ergreifen wollten, so konnten sie das in einem Kloster, erläutert Schwester Birgit-Maria.

Doch die Analyse der Ordensschwester für den fehlenden Nachwuchs stimmt ernüchternd für eine Gesellschaft, die sich eigentlich als christlich begreift: „Wir haben kein Priester- oder Schwesternmangel, sondern ein Mangel an Christen“.

Dabei würden Kinder viel weniger in christliche Familien hineinwachsen, beschreibt die Ordensschwester den gesellschaftlichen Wandel, der sich auch auf das Klosterleben auswirkt: „Und wenn wir nun aus dem Stadtbild weg sind, dann sehen uns die Kinder gar nicht mehr.“

Seelsorgeeinheit St. Ratold nimmt dankbar Abschied von den Schwestern

Die Ordensschwestern waren für viele Menschen ein Anker, bedauert Heinz Vogel den Verlust der Nonnen für die Gemeinde. Doch der katholische Pfarrer der Radolfzeller Seelsorgeeinheit St. Radolt zollt der Entscheidung der Klostergemeinschaft großen Respekt.

Zum Leben gehöre es dazu, dass man Entscheidungen treffe und Abschied nimmt: „Wenn wir an etwas krampfhaft festhalten, dann verlieren wir.“

Stadtpfarrer Heinz Vogel zollt den Schwestern Respekt

Heinz Vogel zeigt sich davon überzeugt, dass der richtige Zeitpunkt bei den Menschen ein gutes Gefühl hinterlässt. Es sei für alle unbefriedigend, wenn man einen falschen Zeitpunkt treffen würde.

In den Ordensschwestern sieht Pfarrer Heinz Vogel gestandene und taffe Frauen. Im Gegensatz zu anderen gleichaltrigen Frauen seien viele der Ordensschwestern jung geblieben.

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