Rohe Ästhetik, gepaart mit einem politischen, literarischen und existenziellen Kontext – im Mettnauer Kunsthäusle zeigt der Kubanische Bildhauer und Maler Pavel Miguel bis zum 15. September eine Auswahl seines Schaffens.

Vor dem Kunsthäusle am Strandcafé begrüßen übergroße plastische Portraits von Hermann Hesse und einem stummen Mann die Besucher. Der Stumme Mann entstand vor 24 Jahren in Kuba. Er wurde mit dem ersten Preis eines Wettbewerbes ausgezeichnet. Miguel begreift diese Skulptur als sein Visum für Deutschland. Der Preis ermöglichte ihm ein Stipendium für Bildende Kunst in Karlsruhe.

Emotion aus dem Körper heraus

Miguel versucht, mit möglich wenig Werkzeug auszukommen: „Ich versuche alles aus meinen Händen heraus zu machen, damit alles Emotionale vom Körper in das Material fließt“, erläutert er seinen Arbeitsstil. Seine mannshohen Holzreliefs sind mit groben Schnitten mit der Motorsäge gefertigt und zeigen von Tieren umschlungene Frauenkörper. Seine Objekte aus Holz, Ton, Bronze und Keramik sind oftmals archaisch und ungeschliffen, in ihnen bleibt die Rohheit der erdigen Materialien erhalten.

Wie Miguel seine Materielien auswählt

Dabei zeige Miguels Wahl seiner Materialien auch den Zyklus des Lebens: Der Ton entspreche der Geburt. Gips stehe für Tod. Und in der Bronze sieht Miguel die Wiedergeburt. Miguels erste Skulpturen waren aus Ton gefertigt. In Europa hat er seine erste Bronzefigur gießen lassen. Die Schau zeigt eine kleine Replik seines stummen Mannes in Bronze.

Bei ihm befreit sich der Minotaurus, anders als in der griechischen Mythologie

Immer wieder taucht das Stiermotiv auf: Im Kampf mit einem Bären, der an die Skulpturen der Frankfurter Börse erinnert, oder als Minotaurus. Im Gegensatz zur griechischen Mythologie hat der Minotaurus bei Miguel seine Freiheit erlangt. Er sei herausgetreten von seiner Bestrafung und habe seine Liebe gefunden. Miguel begreift die Flucht aus dem Labyrinth als existenziell, bei dem jeder seinen Weg zu finden habe. Die Ausstellung zeigt aber auch auf Kies gestrandete Bootsrümpfe aus Keramik, mit moderner Farbglasur überzogen – teilweise zerschmettert.