Wie geht Sicherheit? Diese Frage beantworten Schulleitung, Eltern, die städtebauliche Kriminalprävention des Polizeipräsidiums Konstanz und jetzt auch der Ausschuss Bildung, Soziales und Sicherheit der Stadt Radolfzell mehrheitlich für die Teggingerschule so: mit einem mannshohen Stahlgitterzaun. Rund um das ganze Schulgelände, also auch an der Teggingerstraße und hin zum Moustelonplatz. Es soll Schluss sein mit der Zerstörung der Spielgeräte, mit der Verschmutzung übers Wochenende, mit dem nächtlichen Lärm größerer Gruppen, mit dem Anziehungspunkt des von der Straße schwer einsehbaren Unterbaus, aus dem nächtens immer wieder mal der Rauch illegaler Pflanzen quillt und den Bettler samstags als Rückzugsort in der Innenstadt nutzen. Auch die Möglichkeit, sich im benachbarten Kaufland mit Alkohol einzudecken, macht den Standort als Partyplatz attraktiv.

Schulleiter: "Es wird kein Grenzzaun."

Anders als mit einer hohen Einfriedung, die nicht mal eben leicht zu überspringen ist wie das jetzige gusseiserne Geländer an der Teggingerstraße, wissen sich Rektor Norbert Schaible und seine Mitstreiterinnen Sabine Buhl und Julia Bierbach aus dem Elternbeirat nicht mehr zu helfen. "Der Zaun ist die Voraussetzung, dass wir diesen Schulhof neu gestalten und dass er eine gewisse Sicherheit hat", sagt Schaible. Er ist sich bewusst, dass ein Zaun in diesen Zeiten das Zeug zu einem politischen Aufreger hat. Doch Schaible verspricht: "Es wird kein Grenzzaun, wir stehen dazu, ein innerstädtisches Bildungs- und Begegnungszentrum zu sein." Sabine Buhl ergänzt: "Wir wollen den Schulhof so gestalten, dass er am Nachmittag eine Begegnungsstätte für alle Kinder der Innenstadt sein kann."

Notdurft, Müll und Scherben auf dem Schulhof

Damit er jetzt als Schulhof dienen kann, muss der Hausmeister vor allem am Montag nach den Wochenenden zum Säubern ran. Obdachlose übernachten auf dem Gelände, hinterlassen ihre Notdurft, Müll, Scherben und Utensilien für Drogenkonsum liegen herum, Gruppen von Heranwachsenden und jungen Männern haben das Gelände für sich entdeckt. Wenn er als Hausherr auf die jungen Männer zugeht, erwarten ihn Beschimpfungen, sagt Schaible: "Bastard, halt's Maul – das ist das, was ich zu hören bekomme."

Nachts kommen nicht die Anständigen

Sabine Buhl, Vorsitzende des Elternbeirats, nickt: "Seit 15 Jahren bin ich jetzt im Elternbeirat dabei und es wird immer schlimmer." Trotz Videoüberwachung, trotz Einsatz eines Sicherheitsdienstes bis in die frühen Abendstunden, trotz des Kurzhaarschnitts für die Hecken. Es könne nicht sein, dass man morgens zuerst durch Glasscherben tappt. Julia Bierbach, stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende, wohnt in der Innenstadt, sie kennt die Verhältnisse rund um die Teggingerschule auch nach Schulschluss: "Die, die nachts kommen, sind nicht die Anständigen."

Schule kann das gesellschaftliche Problem nicht lösen

Buhl wie Bierbach wissen auch um die Diskussion und das Bedürfnis der Jugendlichen nach einem Platz für sich. Im Stadtgarten seien sie nicht erwünscht, am See seien sie nicht erwünscht. Doch der Hof der Teggingerschule könne dieses gesellschaftliche Problem nicht lösen. Zumal diejenigen, die sich abends und an Wochenenden hier aufhalten würden, "sich nicht so verhalten, dass sie akzeptiert werden", beschreibt Julia Bierbach den Grund für das aufgebrauchte Duldungsvermögen. "Sie müssten Mein und Dein unterscheiden lernen", benennt Schaible das fehlende Unrechtbewusstsein dieser unliebsamen Gäste.

Nach 19 Uhr soll abgeschlossen werden

Mit dem mannshohen Zaun bekomme die Schule wieder die Hoheit über das Geschehen auf dem Schulhof zurück. "Er soll kein Hindernis darstellen, aber wir haben dann einen kontrollierten Zugang." Da die Teggingerschule ohnehin Ganztagesschule sei und die Ferienbetreuung hier ihr Hauptquartier habe, sei der Platz fast ganzjährig offen. Nur abends nicht: "Wir brauchen die Möglichkeit, nach 19 Uhr abschließen zu können", sagt Schaible.

Sozialbürgermeisterin Monika Laule steht hinter dem Ansinnen von Schulleitung und Elternbeirat für die Teggingerschule: "Die, die sich dort aufhalten, nehmen sich etwas, was ihnen nicht zusteht." Stimmt der Gemeinderat zu, wäre es der erste Schulhof in Radolfzell, der eingezäunt wird.

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Beispiel Singen macht Schule

  • Der Beschlussvorschlag für den Gemeinderat lautet: Das Schulgelände der Teggingerschule an der Süd- und Ostseite soll mit einem Stahlgitterzaun vergleichbar an der West- und Ostseite eingefriedet werden, die Höhe des Zauns liegt zwischen 1,80 und 2 Metern. Die Kosten werden mit rund 80 000 Euro angegeben.
  • Offener Schulhof: Neben der Schule nutzen die Kinderzeitkinder, die Ferienbetreuung, an Samstagen die ungarische Schule und temporär das Carl-Duisberg-Colleg den Platz. Nach der Neugestaltung soll der Schulhof zu bestimmten Zeiten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Angedacht ist die Zeit ab 16 Uhr bis 19 Uhr.
  • Singen hat vier Schulen eingezäunt: Die Nachbarstadt habe mit der Einzäunung von Hegau-Gymnasium, Beethovenschule, Bruderhofschule und Haldenwangschule gute Erfahrungen gemacht, heißt es in der Vorlage der Stadtverwaltung Radolfzell.
  • Weitere Empehlungen des Präventionsrates sind: Bessere Beschilderung, technische Überwachungshilfen, Aufklärung über Aufenthaltsverbote, das Einrichten von Plätzen für Jugendliche.
  • Einziger Gegner des Zauns im Ausschuss für Soziales und Sicherheit war FDP-Stadtrat Richard Atkinson: "Das passt nicht in die Teggingerstraße, damit tut man dem Gebäude nichts Gutes an."