Radolfzell Eltern kämpfen gegen Anheben der Kita-Gebühren

Der Kita-Elternbeirat will eine Erhöhung der Kita-Beiträge verhindern. Radolfzeller Kitas seien schon jetzt teurer als anderswo – damit fördere man ein rückständiges Familienbild.

Der Gesamtelternbeirat der Kindertagesstätten in Radolfzell (GEB) wehrt sich gegen eine weitere Erhöhung der Elternbeiträge. Die Stadt hatte im Doppelhaushalt 2017/2018 eine jährliche Erhöhung der Gebühren um 4,5 Prozent geplant. Nach einem Gespräch des GEB mit SPD-Gemeinderatsmitgliedern wurde die Erhöhung auf Antrag der SPD-Fraktion abgelehnt. Vor einer weiteren Entscheidung soll eine Grundsatzdebatte im Gemeinderat geführt werden. Der GEB sei mittlerweile auch mit der CDU und den Grünen im Gespräch gewesen, berichtete GEB-Vorsitzende Susanne Pantel. Beide Fraktionen hätten die Vorstellungen der Elternvertretung "gleichermaßen offen" angehört. Ein Treffen mit dem FDP-Landtagsabgeordneten Jürgen Keck sei bereits geplant.

Alljährlich empfiehlt der Städte- und Gemeindetag, zu welchen Teilen die Kosten für die Betreuung in den Kindertagesstätten aufgeteilt werden sollen. Die aktuelle Empfehlung sieht vor, dass Eltern 20 Prozent der Kosten schultern sollen, jeweils 40 Prozent entfielen auf die Kommune und das Land. In Radolfzell liege der geforderte Elternbeitrag zwar unter den 20 Prozent, so Pantel, doch im regionalen Vergleich falle er "ausgesprochen hoch" aus. Bezogen auf die Zahlen vom Juni liege der Beitrag für Tagesstätten, die verlängerte Öffnungszeiten bis zu 30 Wochenstunden anbieten, in Radolfzell um 76 Prozent höher als in Konstanz. Und für Ganztageseinrichtungen mit 50 Stunden pro Woche falle er um 56 Prozent höher aus. Weitere Kritik äußert der GEB daran, dass die Betreuungskosten "ungleich und damit unfair" verteilt seien. Kindergärten mit Regelöffnungszeiten seien bei weitem günstiger.

Dieselbe Stunde in einer Ganztagesgruppe koste 40 Prozent mehr als in einer Regelgruppe. Eine Betreuung in einer Regelgruppe könnten allerdings nur Eltern in Anspruch nehmen, die nicht beide ganztägig berufstätig seien. Damit fördere Radolfzell ein "rückständiges Rollenbild in der Familie" und benachteilige vor allem Frauen, da diese eher beruflich zurücksteckten als Männer.

Im Rahmen des Stadtentwicklungsplans, in dem Radolfzell die Weichen für die Ausrichtung verschiedener städtischer Bausteine bis zum Jahr 2030 stellt, präsentiert der GEB nun seine Zukunftsversion einer Familienstadt am See. Eine ausgeglichene Bevölkerungsstruktur bedürfe aller Altersgruppen, auch junger Familien. Für deren Kleinkinder sollten erschwingliche Betreuungsangebote in Krippen, Kitas und Horten geschaffen werden, heißt es darin. Davon könne die Stadt auch als Wirtschaftsstandort profitieren. Denn hoch qualifizierte Fachkräfte ließen sich nur dann hier nieder, wenn zeitlich qualitativ geeignete Betreuungsangebote für ihre Kinder zur Verfügung stünden.

Auch dürfe nicht außer Acht gelassen werden, im Auge zu behalten, wie Familien, die relativ wenig Einkommen haben, angesichts der Kosten für Betreuung und Bildung entlastet werden können. Langfristig wünscht der GEB sich, dass Eltern für das letzte Kita-Jahr eines Kindes keine Beiträge zahlen müssen. Damit die Interessen von Familien beständig in die Arbeit des Gemeinderats einfließen können, strebt die Elternvertretung zudem an, dass ähnlich dem Jugend- und Seniorenrat ein Familienrat eingerichtet wird.

Kostenbeiträge für Kitas

In der jüngsten Mitgliederversammlung des Gesamtelternbeirats Kita stellte die Vorsitzende Susanne Pantel einige Zahlen zu den Steigerungen der Kostenbeiträge für Kitas in den vergangenen Jahren vor. Für einen Krippenplatz mit 50 Wochenstunden zahlten Eltern in Radolfzell für ein Einzelkind vor 2014 349 Euro. Ab September 2016 stiegen die Gebühren auf 423 Euro. Der GEB möchte sich für ein beitragsfreies letztes Kita-Jahr stark machen. In seiner Begründung hierfür führt er eine Entscheidung der Stadt Heilbronn an. Der Gemeinderat der Stadt habe dort im Jahr 2008 beschlossen, dass die Betreuungsleistung aller Kindertagesstätten für Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt kostenlos sei. Eltern übernähmen lediglich die Kosten für Sonderleistungen wie etwa Essensversorgung oder Sportangebote. (rei)

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