Schützenhaus in Stahringen, Sonntag, 6 Uhr: Jürgen Mutscheller, Vorsitzender des Schützenvereins, trifft sich mit seinen acht Helfern, um innerhalb von fünf Stunden aus 100 Kilogramm Kartoffeln seinen Salat zu zaubern. Schließlich ist ein Stahringer Fest ohne Kartoffelsalat aus dem Schützenhaus undenkbar.

100 Kilogramm Kartoffeln werden vom Schützenverein zu Kartoffelsalat verarbeitet. Bereits um sechs Uhr treffen sich die Helfer, um stundenlang gemeinsam Kartoffeln zu schälen.
100 Kilogramm Kartoffeln werden vom Schützenverein zu Kartoffelsalat verarbeitet. Bereits um sechs Uhr treffen sich die Helfer, um stundenlang gemeinsam Kartoffeln zu schälen. | Bild: Jürgen Mutscheller

Zeitgleich treffen am Bahnhofsplatz Dutzende Helfer ein, um letzte Vorbereitungen zu treffen. Mittendrin Armin Jerg und Steffi Klepser, die das Fest seit Monaten mit Vertretern aller Vereine und Einrichtungen organisiert haben. Das Zelt wird aufgestellt, die Sitzgarnituren werden verteilt, alle Gastronomiestände eingerichtet, Absperrungen überprüft. Armin Jerg und Steffi Klepser stehen stellvertretend für 130 Helfer, die allein am Festtag zum Einsatz kommen.

Allein am Festtag sind beim Dorffest rund 130 Helfer im Einsatz, darunter (von links) Armin Jerg, Steffi Klepser und Elmar Birr, dessen Vater Günter vor 42 Jahren das erste Dorffest ins Leben rief.
Allein am Festtag sind beim Dorffest rund 130 Helfer im Einsatz, darunter (von links) Armin Jerg, Steffi Klepser und Elmar Birr, dessen Vater Günter vor 42 Jahren das erste Dorffest ins Leben rief. | Bild: Petra Reichle

Pünktlich zum Festbeginn um 11 Uhr strahlt die Sonne vom Himmel, Besucher strömen aus allen Himmelsrichtungen auf den Festplatz, Steaks brutzeln auf dem Grill und das blankgeputzte Einsatzfahrzeug der Feuerwehr lädt die ersten Kinder zu einer Rundfahrt ein – es sollen im Laufe des Tages Dutzende werden. „Eine richtige Dorfsache„ – auch wenn die Nacht kurz war, findet Armin Jerg. Denn genau das ist es, ein Fest, bei dem das ganze Dorf anpackt und zusammen feiert. Bereits am Vorabend wurde rund um den Weinstand des Ortschaftsrats bis in die frühen Morgenstunden gefeiert.

Das Fest wird von allen örtlichen Vereinen und Einrichtungen gemeinsam ausgerichtet und lebt vom ehrenamtlichen Engagement der Helfer (von links): Iris van Gessel, Katja Kromrey und Isabell Forster.
Das Fest wird von allen örtlichen Vereinen und Einrichtungen gemeinsam ausgerichtet und lebt vom ehrenamtlichen Engagement der Helfer (von links): Iris van Gessel, Katja Kromrey und Isabell Forster. | Bild: Petra Reichle

Die Kuchenspenden stammen ebenso von Freiwilligen wie auch die Salate. Während die Hofläden der Familien Forster und Zimmermann das Brot liefern, versorgt die Streuobstmosterei mit ihrer Bio-Limonade. „Ohne so eine coole Dorfgemeinschaft wäre so ein Fest nicht möglich“, sagt seine Frau Simone Jerg, die bereits als Kind einen Stand auf dem Flohmarkt hatte. Heute hat sie nicht nur den Festplatz dekoriert, sondern steht auch an der Kasse.

Die ganze Familie hilft mit

Zuständig für die Finanzen und die Kasse ist Birgit Strittmatter. Dutzende Rechnungen wandern über ihren Tisch und beim Fest steht die Finanzexpertin stundenlang an der Kasse. Wie bei vielen ist auch bei Strittmatters die ganze Familie im Einsatz. Tochter Lea hilft am Gastronomiestand, ihr Mann Ralf am Getränkestand und Sohn Ben unterstützt mit der Jugendfeuerwehr den Löschsimulator.

Allein 80 Helfer stellt der Turn- und Sportverein (TSV), ihr Einsatz wird von Steffi Klepser koordiniert. Ihre Familie ist der beste Beweis dafür, dass auch „Reingeschmeckte“ ihren Platz in der Dorfgemeinschaft haben. Seit 1999 lebt sie mit ihrer Familie in Stahringen und engagiert sich in den Vereinen. Seit acht Jahren ist Klepser stellvertretende Vorsitzende des TSV, beim Dorffest ist sie das ganze Wochenende im Einsatz, weist Helfer ein und springt spontan am Grill ein, als ein Engpass entsteht.

Pünktlich um 14 Uhr übernimmt der Musikverein die Bühne – mittendrin Elmar Birr am Saxofon. Das Dorffest wurde 1976 von seinem Vater Günter Birr ins Leben gerufen, seither ist die gesamte Familie für das Fest im Einsatz. „Mit dem Erlös des ersten Dorffests wurde ein Dorfbrunnen finanziert. Für unseren neuen Dorfplatz werden wir mit dem diesjährigen Erlös ein Zelt erwerben“, erzählt Birr.

Als die letzten Helfer um 23 Uhr ihren Einsatz beenden ist längst klar: Das Fest war nicht nur für die Stahringer, sondern auch für die vielen Besucher aus der Umgebung ein voller Erfolg.