Radolfzell Einblick bei Firma Aptar: Wie die Pumpe für die Lotion entsteht

Südkurier öffnet Türen: Zwölf Leser besuchen die Firma Aptar. Wie der Rasierschaum aus der Dose kommt, lernen sie bei dem Rundgang

Radolfzell – Die BOV 8 ist etwas ganz Besonderes. Ein Neuzugang und eine Höchstleisterin: 40 000 Teile pro Schicht schafft sie, das ist doppelt so viel als ihre Vorgänger. BOV 8 steht für Bag-on-valve 8 und ist eine Maschine, die für Aptar Spenderverpackungen herstellt. Die Verpackungslösung ist eine der wichtigsten Produkte der Firma und wird etwa für Rasierschaum verwendet. Im Bereich Bag-on-valve ist Aptar Weltmarktführer.

Was BOV 8 regelmäßig leistet, bekommen die zwölf aufmerksamen SÜDKURIER-Leser im Detail erläutert. Im Vorfeld der Nacht der Unternehmen haben sie bei "SÜDKURIER öffnet Türen" die Teilnahme an einer exklusiven Führung durch die Firma Aptar gewonnen. Standortleiter Holger Kiefer, Sven Metzger, zuständig für die Montage, und Michael Harder, Leiter der Spritzerei, sorgen dafür, dass die Besucher mit Informationen versorgt werden. Zurück zu Bag-on-Valve 8: Die Maschine, in die das Unternehmen 2013 investierte, ist 1,4 Millionen Euro wert. In einem Prozess mit etlichen Stationen bringt sie Folie und Ventil zusammen, verschweißt die Nähte, erzeugt ein Vakuum und wickelt schließlich den Beutel um das Steigröhrchen. Am Ende muss es mühelos möglich sein, das Pflegeprodukt aus der unter Druck stehenden Dose nach oben zu befördern.

BOV 8 ist nicht die einzige bei Aptar, die Hochleistung erbringt. Seit 1993 gehören die Standorte Radolfzell und Eigeltingen zur Aptar Gruppe, einem global agierenden Unternehmen mit weltweit 13 000 Mitarbeitern, wie Holger Kiefer erläutert. Am Standort Böhringen arbeiten 270 Mitarbeiter in drei Schichten, Früh-, Spät- und Nachtschicht. Zwei Kernprodukte prägen den Standort Radolfzell: die Bag-on-valve-Technologie und die Lotionpumpe für die Kosmetik-Industrie.

Stillstand gibt es nicht bei Aptar. 2013 wurde am Standort zuletzt umgebaut: In der Halle, in der früher die Azubi-Werkstatt war, ist nun die Reparaturwerkstatt für die Werkzeuge untergebracht. Jetzt gibt es bereits ein neues Ziel, wie Michael Harder erklärt: Die Spritzerei soll vergrößert werden: zwei bis fünf Maschinen kommen 2017 dazu, insgesamt werde um zehn Maschinen erweitert. Mit zwei Problemen hat Aptar zu kämpfen: "Wir arbeiten auf 2300 Quadratmetern Produktionsfläche", erklärt Holger Kiefer, "eine Erweiterung am Standort ist wegen der Konzernzugehörigkeit schwierig zu planen". Platz ist das eine – Arbeitskräfte sind die zweite Mangelware. "Es wird immer schwieriger, junge Leute zu bekommen", so Kiefer. Aus diesem Grund hat man in Böhringen ein Ausbildungszentrum eingerichtet: Mehr als 50 Personen verschiedener Berufe werden ausgebildet: Ingenieure, Industrie- und Verfahrensmechaniker. Fast alle jungen Mitarbeiter würden nach ihrer Ausbuildungszeit übernommen – die sicherste Art, Fachkräfte an sich zu binden.

Die Dimension der Veränderungen einschätzen kann aus den Reihen der Zuhörer wohl nur Peter Zugschwert. 15 Jahre lang hat er selbst bei Aptar in der Qualitätskontrolle gearbeitet. "Ich habe kaum etwas erkannt, es ist sehr viel automatisiert worden: gößer und effizienter". Stillstand gibt es bei Aptar nicht, Höchstleistung erbringen Maschine und der Mensch.

Über die Firma und ihre Mitarbeiter

  • Produkte und Kunden: Aptar stellt Dosiersysteme und Pumpen für die Pharma- und die Kosmetikindustrie her. Kunden sind Kosmetikhersteller wie Hauschka, Wala oder Dior, außerdem ist die Pharmaindustrie Abnehmer der Verpackungslösungen. In Eigeltingen produziert Aptar hauptsächlich Spendersysteme für Nasenspray. Marktführer ist Aptar bei den sogenannten Beutelventilsystemen, der Bag-on-valve-Technologie. Aptar produziert seine Verpackungslösungen in drei Segmenten: Beauty (Kosmetik), Pharma und Food and Beverage, also für die Lebensmittelindustrie.
  • Standorte: Aptar Radolfzell verfügt über zwei Produktionsstandorte in Böhringen und in Eigeltingen. In Eigeltingen arbeiten etwa 450 Mitarbeiter, Böhringen hat 270. Die Firma am Standort Böhringen wurde einst vom Ingenieur Erich Pfeiffer gegründet und trug bis 1993 seinen Namen. Am Standort Böhringen beträgt der Jahresumsatz etwa 40 Millionen Euro, 20 Prozent werden im Bereich der Kosmetikindustrie erzielt.
  • Entwicklung: In die Forschung investiert der Konzern am Standort Eigeltingen: Dort befindet sich ein großes Entwicklungszentrum, das an neuen Verpackungslösungen im Bereich Pharma für alle Standorte weltweit arbeitet. In naher Zukunft soll Böhringen die Produktion eines neuen Produktes übernehmen.
  • Personal: An den Maschinen arbeiten in Böhringen 35 Mitarbeiter und vier Leiharbeiter, erklärt Sven Metzger. Tätig seien Facharbeiter und angelerntes Personal. Im Ausbildungszentrum werden 55 junge Leute auf verschiedene Berufe vorbereitet.
  • Nacht der Unternehmen:Die Radolfzeller Nacht der Unternehmen findet am Freitag, 5. Mai, von 17 bis 22 Uhr satt. Die großen Hersteller in Radolfzell sind vertreten: Schiesser, Allweiler, Aptar, Hügli, ZF TRW. Allweiler, Aptar und ZF TRW geben Einblicke in ihr Werk, Schiesser und Hügli zeigen sich an betriebsfremden Stationen. Schiesser verweist mit einer Ausstellung in der Villa Bosch auf die Geschichte als Wäschehersteller. Nahrungsmittelproduzent Hügli lädt auf die MS Stadt Radolfzell an der Hafenmole, das Motto: „Komm an Bord – erlebe Hügli.“

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