Das Thema Mobbing steht im Zentrum der diesjährigen Kinder- und Jugendbuchtage. Die Stadtbibliothek hat den Autor Silas Matthes eingeladen, Schülern des Friedrich-Hecker-Gymnasiums und der Gerhard-Thielcke-Realschule aus seinem Roman „Miese Opfer“ vorzulesen.

Die Geschichte handelt von zwei Jungen, die zur Zielscheibe von Spott und Angriffen eines Mitschülers werden. Zudem erzählte Matthes, wie das Buch entstand. Nach der Lesung nutzten die Schüler die Gelegenheit, dem Autoren Fragen zu stellen.

Silas Matthes wurde 1992 in Hamburg geboren. Sein Erstlingswerk begann er bereits mit 20 Jahren zu schreiben. Inzwischen studiert er kreatives Schreiben in Hildesheim. Autobiografisch sei das Buch nicht, antwortet er auf die Frage eines Schülers.

Am eigenen Leib habe er glücklicherweise nie erlebt, wie es sich anfühlt, ein Mobbing-Opfer zu sein. Doch einige Situationen, denen die Hauptfiguren seines Buches ausgesetzt sind, habe er beobachtet. Weniger gravierende Demütigungen habe er, wie jeder andere Mensch, selbst erfahren. Auf Basis dieser Erlebnisse und Gefühle sei die Geschichte entstanden.

Silas Matthes erzählt, wie lang der Weg war, bis er sein erstes Buch gedruckt in den Händen hielt.
Silas Matthes erzählt, wie lang der Weg war, bis er sein erstes Buch gedruckt in den Händen hielt. | Bild: Natalie Reiser

Die Passagen, die Matthes vorliest, sind packend formuliert. Was passiert, erfährt der Leser aus der Perspektive Freds. Versonnen beobachtet er Mitschüler, ein Mädchen, das ihm gefällt. Was die Lehrerin über Politik erzählt, plätschert an ihm vorbei. Ein Schnipser von hinten an sein Ohr reißt Fred aus seinen Tagträumen. Sein Mitschüler Sebastian Dunker erniedrigt ihn täglich vor den Augen aller anderen. Aus kleineren Provokationen werden gefährliche körperliche Übergriffe.

Fred fällt über das Bein, das Sebastian ihm stellt. Sein Kopf schlägt hart auf den Boden. Fred trägt eine Gehirnerschütterung davon und muss sich wiederholt erbrechen. Für Fred und seinen Freund Leo wird der Schulalltag zu einer Prüfung. Die Ängste vor den Demütigungen beherrschen zunehmend ihr Leben, auch außerhalb der Schule.

Der Roman enthält viel wörtliche Rede in Jugendsprache. Matthes liest die Rollen in verschiedenen Tonlagen und kann die Schüler mit seinem Vortrag fesseln. Auch später, als er vermittelt, wie ein Buch entsteht, welche Schreibtechniken man lernen kann, was die Rolle eines Verlags ist, warum Lektoren und Korrektoren wichtig sind, unterhält er sich mit den Jugendlichen auf Augenhöhe.

Anhand des Beispiels von Youtubern, die das Kaufverhalten vieler Jugendlicher beeinflussen, veranschaulicht er, wie wichtig der Name eines bekannten Verlags auf dem Buchmarkt ist und wie dieser einem jungen, unbekannten Autor zum Erfolg verhelfen kann.

Die Jugendlichen erfahren, dass Schreiben für die meisten Schriftsteller weniger einen Geniestreich als vor allem Arbeit und Disziplin bedeutet. Und doch sei es ein unbeschreiblicher Glücksmoment für Matthes gewesen, sein erstes Buch in den Händen zu halten. Seine Zuhörer ermuntert er: „Wenn es irgendetwas gibt, wofür ihr brennt, dann zieht es durch.“

Die Veranstaltungsreihe

Vom 6. bis 13. November lädt die Stadtbibliothek jugendliche Schüler zu Veranstaltungen mit dem jungen Autor Silas Matthes ein. Timo Bruhnke, Autor und Sprachpädagoge, will mit den Schülern kreativ arbeiten.

Der Medienpädagoge Fritz Wäldin wird mit den Jugendlichen erarbeiten, wie auf der Grundlage eines Buches ein Film entwickelt werden kann. Die Kinder- und Jugendbuchtage werden von der Messmer Stiftung unterstützt.