Für Menschen mit mürrischem Gemüt dürfte das Zeltlager des Handball Sportclub Radolfzell (HSC) eine wahre Herausforderung sein. Rund um die Uhr Abenteuer, Spiel, Spaß und Dauerfreude – und das drei Tage lang ununterbrochen. Die Lachen meißelt sich dabei auffallend in die Gesichter der 67 Kinder und mehr als 20 Helfer. Acht Teams spielten am alten Sportplatz des Liggeringer Sportvereins um den Vereinspokal. Für seine Jugend organisiert der HCR ein Turnier in drei verschiedenen olympischen Disziplinen. Für das Finale am Sonntag kündigten sich rund 300 Besucher an.

Obwohl das Zeltlager immer im Sommer stattfindet, so zeigen die Organisatoren bei der Terminlegung ein Händchen für schlechtes Wetter. Als das Lager wegen eines Gewitters einmal abgebrochen werden sollte, revoltierten die Kinder. Seit der Rebellion findet das Zeltlager bei jedem Wetter statt. Mittlerweile orientiert sich die Narrengilde der Froschen mit ihrem Brunnenfest am Termin des Zeltlagers. Damit deren Fest garantiert von schönem Wetter begleitet wird, legen die Froschen ihr Fest eine Woche vor oder nach dem Zeltlager, scherzt Karola Rösch vom Organisationsteam.

Beim Tauziehen auf dem Zeltlager treten alle Mannschaften in zwei zusammengewürfelten Teams gegeneinander an. Bild: Georg Lange
Beim Tauziehen auf dem Zeltlager treten alle Mannschaften in zwei zusammengewürfelten Teams gegeneinander an. Bild: Georg Lange

Flucht ins Vereinshaus bei Gewitter

Wenn es donnert und blitzt, werden die Kinder aus ihren Zelten geholt. In der Nacht sitzt eine Wache am Lagerfeuer und schlägt mit einer Kuhglocke Alarm, wenn ein Gewitter droht. Manchmal werden Kinder schlafend in das steinerne Vereinshaus getragen, um sie vor dem Gewitter zu schützen.

Bis tief in die Nacht bleiben die Flutlichter zum Training eingeschaltet. Die Kinder genießen es, so lange aufzubleiben, wie sie wollen. Für die HSC-Jugend ist das Lager ein riesiger Abenteuerspielplatz. Sie verbringen die Tage auf einer großen Wiese in Zelten am Waldrand, kämpfen um den Pokal und duschen unter freiem Himmel. Mit schräg gezimmerten Balken und einer Gartenbrause baute Tim Sugg ein Dusche im Freien. Der Schlauch der Brause reicht bis zum Sportplatz. Bei heißem Wetter geht Sugg mit der Brause zur Abkühlung mitten unter die Kinder, damit sie keinen Hitzeschlag erleiden.

Damit das Baseball-Spiel auf dem Zeltlager ausgewogener ist modifizierte der HSC die Regeln und erleichtert den Spielern den Aufschlag (v.l.): Luis Schulz, Tom Jöle, Svenja Maia, Lina Botta, Isabella Scherer sowie Ole Osann. Bild: Georg Lange
Damit das Baseball-Spiel auf dem Zeltlager ausgewogener ist modifizierte der HSC die Regeln und erleichtert den Spielern den Aufschlag (v.l.): Luis Schulz, Tom Jöle, Svenja Maia, Lina Botta, Isabella Scherer sowie Ole Osann. Bild: Georg Lange

Auch die Eltern helfen mit

Katharina Radinovi kommt, wie mehr als 20 weitere Eltern, zum Helfen auf das Zeltlager. Sie macht Küchendienst, bereitet den Salat für das Abendessen vor, hilft bei der Essensausgabe und hält ihre Augen auf für all das, was auf dem Lager gemacht werden muss. Seit ihre Tochter das Zeltlager besucht, hilft sie engagiert aus. Die Kinder seien auf dem Zeltlager gut aufgehoben, so ihr Eindruck. Anderen Leuten zu helfen und zu sehen, wie die Kinder Freude haben, mache ihr selber Spaß.

Jonas Haller ist einer von 18 Trainern auf dem Zeltlager. Der 17-Jährige ist stolz auf seine Mannschaft, die sich beim Handballspiel bewährte. Sie habe gute Aussichten, im Finale zu stehen, strahlt Haller. Seit fünf Jahren trainiert er die Jugendmannschaft des Vereins. Als Kind war er selbst auf dem Lager dabei. Er erinnert sich, wie er selbst bis fünf Uhr morgens am Lagefeuer aufblieb.

Schiedsrichter Max Freitag (re.) pfeift das Spiel "England gegen Frankreich". Aurel Brogt (li.) versucht bis zuletzt den Spieler Arthur Maucher aufzuhalten. Bild: Georg Lange
Schiedsrichter Max Freitag (re.) pfeift das Spiel "England gegen Frankreich". Aurel Brogt (li.) versucht bis zuletzt den Spieler Arthur Maucher aufzuhalten. Bild: Georg Lange

Lena Botta ist zum ersten Mal auf dem Zeltlager. Das Lager sei viel besser, als sie es sich eigentlich vorgestellt hatte, so die Zehnjährige. Die lockere Atmosphäre und das Übernachten im Zelt gefalle ihr besonders gut. Besonders angetan ist sie von der fehlenden Strenge der Trainer beim Verlieren eines Spiels. Viele Kinder seien am Freitag früh ins Bett gegangen, weil sie wegen der Hetzjagd ob ihrer geklauten Fahnen vor Erschöpfung ins Bett sanken. Emil Franz spielt seit seinem vierten Lebensjahr Handball. "Es ist einfach eine schöne Atmosphäre", schwärmt der Zwölfjährige: Und man dürfe so lange aufbleiben wie man wolle. Bis halb vier saß er am Lagerfeuer. Franz schwärmt über den Sport Baseball. Mit zwei Home-Runs zeigte er sich mit seiner Mannschaft und 39 erzielten Punkten rekordverdächtig. Gewöhnlich erreiche eine Mannschaft höchsten 30 Punkte.

Nächtliche Insektenjagd

Beim gemeinsamen Sonntagsbrunch kommen die Eltern gegen neun Uhr in das Zeltlager. Laut Anmeldeliste nahmen in diesem Jahr insgesamt 350 Personen am Frühstück im Freien teil. Die Eltern, Geschwister und Großeltern bringen das Frühstück mit, das im Vereinsheim zur 18 Meter langen Selbstbedienungstafel aufgebaut wird. Allein das Ankommen der Eltern sei nett anzusehen, so Organisatorin Kerstin Bilidt: Die Kinder seien voller Erlebnisse, die sie mit ihren Eltern teilen wollen und würden ihnen stolz berichten, dass sie lange aufbleiben durften.

Das Zeltlager bietet zugleich Spaß wie Abenteuer. Für viele ist es das erste Mal, dass sie alleine im Freien übernachten. Ganz dem Klischee nach kreischten einige Mädchen, als ihr Zelt in der Nacht zum ersten Mal von Insekten heimgesucht werden. Tim Sugg entpuppte sich dabei als nächtlicher Kammerjäger und beruhigte die Gemüter.

Nach der Auslosung der acht Mannschaften für das Turnier herhalten die HSC-Jugend ein passendes Trikot zur Landesflagge. Während dem dreitägigen Turnier werden die Flaggen oftmals von den gegnerischen Mannschaft entwendet. Bild: Bernd Renner
Nach der Auslosung der acht Mannschaften für das Turnier herhalten die HSC-Jugend ein passendes Trikot zur Landesflagge. Während dem dreitägigen Turnier werden die Flaggen oftmals von den gegnerischen Mannschaft entwendet. Bild: Bernd Renner