Geht es nach Oberbürgermeister Martin Staab, sollen noch in diesem Jahr die ersten Vorschläge des "Radwegekonzepts für das Alltagsnetz in Radolfzell" umgesetzt werden. "Wir müssen einmal anfangen", schwor der OB die Stadträte im Ausschuss für Planung, Umwelt und Technik auf den dritten Baustein des gesamten Mobilitätskonzepts ein. Zumindest als Leitlinie hat der Ausschuss nach längerer Diskussion dem vom Stuttgarter Planungsbüro Karajan vorgestellten Konzept bei einer Enthaltung zugestimmt. Ingenieur Jürgen Karajan ergänzte: "Es ist ein Konzept und noch keine fertige Planung."

Die Vorhaltung einzelner Stadträte, dass Einheimische andere Routen gewählt hätten, konterte der Planer aus Stuttgart: "Von außen geht man unbefangener an so etwas heran." Unbefangen, aber mit klaren Vorstellungen. Karajan hat sich auf zentrale Hauptverkehrsachsen für den Radverkehr durch Radolfzell festgelegt. Das sind aus Böhringen kommend die Böhringer Straße, Bismarckstraße, Teggingerstraße und Konstanzer Straße in Richtung Möggingen und Markelfingen sowie die Schützenstraße in Richtung Güttingen und Stahringen. Diese zentralen Achsen sollen die Alltagsfrequenz von Schülern, Pendlern und Innenstadtbesuchern auf dem Rad aufnehmen. "Diese Strecken müssen geradlinig und ohne große Umwege verlaufen", erläuterte Karajan. Er schränkte ein: "Das betrifft nicht die Freizeitradler."

Karajan ging in seinem Vortrag mehrfach auf die Sicherheitsaspekte ein. Was aus seiner Sicht gefährlich ist: "Radführungen auf Gehwegen, die zudem noch in beiden Richtungen befahrbar sind." Solch einen Radweg gibt es etwa in Böhringen in der Singener Straße. Grundsätzlich seien Radwege seiner Ansicht nach immer in Fahrtrichtung und deshalb beidseitig auszuweisen. Und das möglichst auf Fahrbahnhöhe: "Der Radfahrer ist viel zu schnell für Fußgänger." Auch würden Autofahrer an Ausfahrten nicht mit Radfahrern auf Gehweghöhe rechnen, "schon gar nicht aus der verkehrten Richtung."

Der Planer empfiehlt den Radverkehr immer auf der rechten Fahrbahnseite zu leiten und bei der Ausschilderung weiße Rad-Piktogramme auf der Fahrbahn anzubringen: "Die sind einfach besser zu sehen." Dazu schlug er vor, Radstreifen oder Schutzstreifen auf den Radverkehrsachsen einzurichten, wenn keine Radwege vorhanden sind. Als kurzfristige Maßnahmen schlägt das Konzept vor:

  • Höristraße/BEZ-Kreisel: Im Bereich der Höristraße (untergeordnete Radverkehrsachse) zwischen dem BEZ-Kreisel und der Kreuzung Hegaustraße ist die Einrichtung von Schutzstreifen möglich. Dadurch könne der Radverkehr aus Richtung Norden gesichert an den BEZ-Kreisel geführt werden. Am BEZ-Kreisel soll der Radverkehr richtungsbezogen geleitet werden. Die Zufahrt in die Tankstelle aus der Zeppelinstraße soll geschlossen werden.
  • Böhringer Straße: Die Gehwege sollen komplett den Fußgängern zugeschlagen und Radstreifen in beiden Richtungen aufgebracht werden.
  • Bismarckstraße: In der Bismarckstraße müssten nach dem Aufbringen von Radstreifen in beide Richtungen die vorhandenen zwölf Längsparkplätze aufgegeben werden. OB Staab: "Wir haben in der Straße keinen immensen Parkdruck, wir müssen dennoch schauen, ob wir Ersatz beschaffen können."
  • Tegginger Straße: Dort sei das Einrichten von Schutzstreifen problematisch. Planer Karajan empfiehlt: "Durchgängig Tempo 20."
  • Konstanzer Straße: In der Neuplanung der Konstanzer Straße, die im Haushaltsplan fixiert ist, sind Radwege in beiden Richtungen eingezeichnet. Problematisch ist die Konstanzer Brücke. Nach Ansicht des Planungsbüros müsste der einseitig geführte Zweirichtungsradweg schon aus Sicherheitsgründen entfallen. Solange die Stadt sich mit dem bestehenden Bauwerk behelfen muss, werde empfohlen, dort ausnahmsweise den Weg als gemischten Geh- und Radweg zu führen.

 

Plus und Minus

Das Planungsbüro hat Vor- und Nachteile des Radwegekonzepts aufgelistet. Plus: Verbesserung Verkehrssicherheit, Reduzierung der Konfliktpunkte, möglichst einheitliche Führung des Radverkehrs, Steigerung der Reisegeschwindigkeit für Radfahrer, direkte Führung, Verbesserung der Fußgängersituation. Minus: Stellplätze entfallen, Verengung der Fahrbahnen.