Eine Stunde Zeit muss man mitbringen, um eine lebensrettende Spende zu tätigen. Doch immer weniger Menschen nehmen sie sich. Heute ist Weltblutspendetag. Und wie so oft in den vergangenen Jahren schlägt das Deutsche Rote Kreuz zu Beginn des Sommers Alarm.

Es wird dringend Blut benötigt. In den Sommermonaten passieren besonders viele Freizeitunfälle. Die Blutreserven für die Versorgung von Notfallpatienten gehen zur Neige, denn immer weniger Menschen gehen zur Spende.

Nächster Termin findet in Stahringen statt

In Baden-Württemberg haben im vergangenen Jahr 252 765 Menschen Blut gespendet. Mehr als 1000 Menschen davon aus Radolfzell. Sechs regional tätige gemeinnützige Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes übernehmen in 16 Bundesländern die flächendeckende Versorgung der Patienten.

Der Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen organisiert mehrmals im Jahr Blutspendetermine in der Region. Der nächste findet in der Stahringer Homburghalle statt. Am Montag, 24. Juni, kann dort von 14.30 Uhr bis 19 Uhr Blut gespendet werden. Bruno Conrad, Bereitschaftsleiter beim DRK Ortsverein Stahringen-Wahlwies, wird an diesem Tag auch im Einsatz sein.

DRK Ortsverein Stahringen-Wahlwies engagiert sich

Seit 35 Jahren ist er beim DRK tätig und kann bestätigen „Es werden schon weniger Spender.“ Er selbst hat bereits 75 Mal Blut gespendet und sich zu engagieren ist für ihn selbstverständlich. Doch auch der Ortsverein Stahringen-Wahlwies könnte etwas mehr Hilfe gebrauchen. „Wir veranstalten keinen großen Spendentermin, dennoch bleibt die Organisation und Arbeit immer bei denselben ehrenamtlichen Helfern hängen“, so Conrad. Der Ortsverein hat aktuell zwölf Mitglieder plus die Mitglieder des Jugendrotkreuzes. Pro Spendentermin müssen sie für Getränke und Essen sorgen und das Spendenteam des überregionalen Blutspendedienstes, die die eigentliche Spende entnehmen, unterstützten.

„Es werden schon weniger Spender.“ Bruno Conrad, Bereitschaftsleiter beim DRK Ortsverein Stahringen-Wahlwies
„Es werden schon weniger Spender.“ Bruno Conrad, Bereitschaftsleiter beim DRK Ortsverein Stahringen-Wahlwies

Viel mehr Menschen könnten Blut spenden

Auch der DRK-Ortsverein Radolfzell bietet vier Mal im Jahr einen Spendentermin im Milchwerk an. Laut dem Einsatzleiter Sebastian Lipinski sei das für all die Helfer ein langer Tag. „Auch bei uns sind es immer dieselben, die diesen Termin begleiten“, sagt er. Pro Termin kämen 250 bis 300 Personen zum Blutspenden. Laut Lipinski sei dieser Wert in Radolfzell relativ stabil. „Wir versuchen aber durch abwechslungsreiches Essen und Sonderaktionen die Bürger zu einer weiteren Spende zu bewegen“, sagt er. Denn: Viele Erstspender sähe man anschließend nie wieder. „Viele wollen auch nur ihre Blutgruppe ermittelt bekommen“, so der DRK-Einsatzleiter in Radolfzell.

Das könnte Sie auch interessieren

Und auch Martin Oesterer, Bereichsleiter Kommunikation und Spenderbeziehungen beim DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen, bestätigt, dass bei Weitem nicht jeder, der spenden kann, auch zur Spende geht. „Rund drei Prozent der Bevölkerung spenden Blut, doch sind rund 33 Prozent derzeit spendetauglich“, sagt er. Aktuell könnten die sechs gemeinnützigen DRK-Blutspendedienste unter großer Anstrengung und komplexer Logistik die bundesweite Versorgung mit täglich 12 000 benötigten Konserven, das entspricht 75 Prozent des Gesamtbedarfes, noch garantieren. Doch das solidarische Blutspendesystem wankt, sagt Oesterer. Aufgrund des demografischen Wandels würden allein in Deutschland jährlich rund 100 000 Spenderinnen und Spender ausscheiden. Und zu wenige würden nachkommen.

In Deutschland werden viele Blutkonserven benötigt

Dabei sei es in den vergangenen Jahren der Forschung gelungen, Operationsmethoden zu entwickeln, die den Bedarf an Blutkonserven reduzieren. Doch stelle der demografische Wandel nicht nur bei Spendern, sondern auch bei Empfängern ein Problem dar. Laut Martin Oesterer vom DRK-Blutspendedienst habe Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern eine höhere Zahl an Patienten über 65 Jahren. Auch als einziges Land in Europa sei die Anzahl an Behandlungen im Krankenhaus gestiegen. Mehr Therapien sind möglich, dieses Angebot wird angenommen, also werde auch wieder mehr Blut gebraucht. Gleichzeitig würden die Spender immer weniger.

Spenden tut auch dem Spender gut

Einer, der schon sehr oft gespendet hat, ist Thomas Deufel aus Radolfzell. Der 57-Jährige hat bereits 112 Mal Blut gespendet. „Es ist mein Beitrag zu helfen, meine Form von ehrenamtlichem Engagement“, sagt er. Er versuche vier Mal im Jahr, einen Spendentermin wahrzunehmen. Angefangen hat seine Blutspendekarriere nach der Bundeswehr. Thomas Deufel spürt auch die Verantwortung, denn er hat die seltene und sehr wertvolle Blutgruppe 0 negativ. Sein Blut kann jedem Menschen im Notfall das Leben retten, da sich nur 0 negativ mit anderen Blutgruppen verträgt. Potenziellen Spendern kann Deufel das nur nahe legen: „Es tut auch mir gut“, sagt er. Regelmäßiges Blutspenden kann blutdrucksenkend wirken und auch die Erneuerung des Blutes wird von vielen Spendern als positiv empfunden. Er vermutet, dass viele Menschen Angst vor den Nadeln hätten. Aber daran würde man sich gewöhnen.

Seltene Blutgruppen und der Ablauf einer Blutspende

  • Blutgruppen: Die häufigste Blutgruppe ist A positiv. 37 Prozent der Menschen haben diese Blutgruppe. Die zweithäufigste Blutgruppe ist 0 positiv. Diese Blutgruppe haben 35 Prozent der Menschen. Seltener sind B positiv (neun Prozent) und AB positiv (vier Prozent). Der Rhesusfaktor negativ ist bei den Blutgruppen wesentlich seltener als positiv. Die wohl seltenste Blutgruppe ist AB negativ (ein Prozent). B negativ haben nur zwei Prozent der Menschen. Die Blutgruppe A negativ ist unter sechs Prozent der Bevölkerung verbreitet. Und das dringend benötigte 0 negativ findet sich ebenfalls nur bei sechs Prozent der Bevölkerung. Diese Blutgruppe ist bei Transfusionen mit jeder anderen Blutgruppe kompatibel. Deswegen ist der Bedarf an 0 negativ viel höher als bei den anderen Blutgruppen. Wobei das Deutsche Rote Kreuz betont, dass jede Blutspende, egal welche Blutgruppe der Spender hat, willkommen ist und dringend benötigt wird.
  • Wofür wird das Blut benötigt? Blut lässt sich nicht synthetisch herstellen, wird aber bei der Behandlung und in der medizinischen Forschung oft gebraucht. So sind die häufigsten Einsatzgebiete von Bluttransfusionen die Behandlung von Krebserkrankungen (19 Prozent) und Magen- und Darmerkrankungen (16 Prozent) sowie Herzerkrankungen (16 Prozent). Etwa zwölf Prozent der Bluttransfusionen werden bei Unfällen benötigt. Hier kommt auch häufig das Blut der Gruppe 0 negativ zum Einsatz, da in der Kürze der Zeit nicht immer die konkrete Blutgruppe des Opfers ermittelt werden kann. Auch nach einer Geburt mit Komplikationen kann der Mutter eine Bluttransfusion gegeben werden sowie bei Leber- und Nierenkrankheiten oder Blutarmut.
  • Wie läuft eine Blutspende ab? Für eine Blutspende sollten Spender etwa eine Stunde Zeit mitbringen. Und ihren Personalausweis. Nach der Anmeldung müssen die Spender einen medizinischen Fragebogen ausfüllen, durch den ermittelt werden soll, ob der Spender geeignet ist. Zum Beispiel Operationen und Krankheiten können zum Ausschluss des Spenders führen. Auch frische Tätowierungen können vorübergehend zu einem Ausschluss führen. Anschließend wird der Eisen-Wert im Blut bestimmt, da dieser etwas über die Blutmenge im Körper aussagt. Schließlich wird ein halber Liter entnommen. Nach einer kurzen ärztlichen Untersuchung kann die eigentliche Spende vollzogen werden. Diese dauert in der Regel nur wenige Minuten. Danach sollte sich der Spender ausruhen und etwas essen. Jede Spende wird erst im Labor auf übertragbare Krankheiten getestet. Erst danach wird sie an den Patienten gegeben. Blutspender müssen mindestens 18 Jahre alt und gesund sein. Bei der ersten Spende sollte ein Alter von 65 nicht überschritten werden. Bis zum 73. Geburtstag ist eine Blutspende möglich. Bis zu sechs Mal innerhalb eines Jahres dürfen gesunde Männer spenden, Frauen bis zu vier Mal.