Nun ja, das "Prachtstaudenbeet" auf der runden Rasenfläche kurz nach dem Eingang zum Stadtgarten an der Teggingerstraße fällt in diesem Sommer etwas dürftig aus. Landschaftsarchitekt Christian Seng vom Planungsbüro 365 Grad aus Überlingen kann das beim Ortstermin mit dem Gemeinderat erklären: "Bis sich die Stauden entfalten, dauert es schon ein, zwei Jahre." Gepflanzt worden sind sie erst vergangenen Herbst und Winter. Und auch das gelte es zu berücksichtigen: "In diesem trockenen und heißen Sommer leiden die Pflanzen."

Die Frage: Müssen überall Stauden sein?

Die noch mangelnde Pracht der Stauden und das Bekenntnis zum neuen, eher natürlichen Gestaltungskonzept des Stadtgartens haben Verwaltung und Gemeinderat einige Kritik aus der Bevölkerung eingetragen. In vielen Köpfen wird die augenfällige Abkehr vom Wechselflor mit seinen zur Jahreszeit blühenden Zierpflanzen hin zu dauerhaften Staudenbeeten als zu krass bewertet. Der rote Ziegelschrot als Mulch unter den Stauden irritiert die Augen. Auch das Auslichten der Gehölze am Hang zum Höllturm hin, hat zu einer gewissen Kargheit im Stadtgarten beigetragen. Diesen Eindruck spitzt CDU-Stadtrat Christof Stadler zu: "Früher haben viele hier das blühende Paradies gesehen." Der Seerosenteich sei früher der "Hingucker" gewesen. Für den CDU-Stadtrat drängt sich die Frage auf: "Müssen überall Stauden sein?"

Die "blühende Wurst" gibt es nicht mehr

Die Staudensicht aus Insektenperspektive: In den Beeten im Stadtgraben Richtung Obertor gibt es im Stadtgarten viele Blüten zum Anlanden.
Die Staudensicht aus Insektenperspektive: In den Beeten im Stadtgraben Richtung Obertor gibt es im Stadtgarten viele Blüten zum Anlanden. | Bild: Becker, Georg

Müssen, sagt Landschaftsarchitekt Christian Seng. Jedenfalls dort, wo sie im neuen Gestaltungsplan eingetragen sind. "Ich täte mich schon schwer, die Staudenpflanzung wieder herauszureißen", appelliert Seng an die Stadträte, dem Konzept mehr Zeit zu geben, bis es sich entfalten könne. Natürlich werde man nie mehr "die blühende Wurst" haben, reagiert Seng auf die Kritik von Walter Hiller. Der Stadtrat wünscht sich wieder mehr Kulturbepflanzung im alten Stadtgarten-Stil.

So radikal wie Hiller will kaum ein anderer im Gemeinderat sein. Zumal es das Gewächshaus für die Überwinterung der exotischen Bananenstauden nicht mehr gibt. 40 000 Euro hat die Stadt vor 2018 alleine für den Sommerflor ausgegeben. Durch die ganzjährige Staudenbepflanzung gäbe es jetzt eine Einsparung von rund 20 000 Euro im Jahr, erläutert Baudezernatsleiter Thomas Nöken den Stadträten. Auch hier seien Pflanzen dabei, "die nicht aus heimischen Bewuchs sind", spricht Seng die Artenvielfalt fürs Auge an.

Mehr Blumenzwiebeln müssen her

Die "Sitzende" soll am Eingang des Stadtgartens wieder auf mehr Blumen schauen.
Die "Sitzende" soll am Eingang des Stadtgartens wieder auf mehr Blumen schauen. | Bild: Becker, Georg

Im nächsten Jahr soll sich die Schere zwischen optischem Anspruch an einen Stadtgarten und tatsächlicher Bepflanzung wieder schließen. Die Anregung von Reinhard Rabanser (SPD) nach einem "Mehr an Blumenzwiebeln" wollen Landschaftsarchitekt und Bauverwaltung aufnehmen. Auch Oberbürgermeister Martin Staab empfindet es als wichtig, "mehr Blüten und mehr Blütenpracht als Aufgabenstellung hinzuzunehmen".

Spanndrähte für Kletterrosen

Die Stadträte nehmen weitere gute Nachrichten vom Rundgang durch den Stadtgarten mit. Mit der neuen Gestaltung sind auch die Vorbereitungen für ein neues Bewässerungssystem getroffen worden. "Die Leerrohre für ein Tröpfchenbewässerungssystem liegen unter dem Mulch", informiert Christian Seng. Und an der Stadtmauer sind Spanndrähte für Kletterrosen befestigt. "Die gliedern dann die Mauer", verspricht Seng, der die Kritik am neuen Stadtgarten mit einem Seufzer quittiert: "Es ist ein anderer Stil." Ein anderer Stil zwar, doch in einer zeitgemäßen Auslegung des Plans, den der Freiburger Gartenbaudirektor Robert Schimpf 1923 entworfen hat. Mit den Liebeslauben, "und die sollen auch nicht so karg bleiben".

Die Optimisten

Es gibt sie, die zuversichtlichen Stadträte. Lorenz Thum (CDU) hat als Ortsvorsteher in Markelfingen bereits Erfahrungen mit der Staudenbepflanzung gemacht: "Der muss man Zeit geben, dann kommt sie auch." Und Dietmar Baumgartner (Freie Wähler) ist bei diesem Thema die Gelassenheit in Person: "Wir schauen, wie es sich entwickelt." Mehr Pracht steht jedenfalls auf dem Stundenplan fürs nächste Jahr.