Unermüdlich rührt das Böhringer Ehepaar Bürgel die Spendentrommel für ein Studentinnen-Wohnheim in Kamerun. „Wenn alles gut geht, können im Juni die ersten Frauen einziehen“, freut sich Hannelore Bürgel über die Fertigstellung des ersten Stockwerks.

Es vergeht kaum eine Woche ohne E-Mail von Reverend Tobias Teddy Kangong. Als Studentenpfarrer hat er hautnah erlebt, wie junge Frauen, die sich die hohen Mieten nicht leisten können, in Prostitution gelangten. „Der Bau des Wohnheims nahe der Universitätsstadt Bamenda ist für ihn Lebensaufgabe“, erzählt Hannelore Bürgel. Er und seine Brüder haben zu diesem Zweck eine Stiftung gegründet und einen Teil ihrer Altersvorsorge aufgelöst. „Es ist ein langwieriger Prozess, man muss viel Geduld haben. Die Uhren gehen in diesem Land einfach anders“, berichtet Hannelore Bürgel. sie und ihr Mann haben seit 2012 mit Unterstützung von Privatleuten, dem christlichen Aktionsbündnis Allensbach und einigen Kollekten der evangelischen Kirchengemeinde Böhringen rund 40 000 Euro für das Hilfsprojekt akquiriert.

Reverend Teddy Kangong war früherer Sekretär in der Partnerregion Donga Mantung des evangelischen Kirchenbezirks Konstanz – dadurch kam der Kontakt zustande. Auf ihren bisherigen Reisen und sozialen Einsätzen in Kamerun hat das Ehepaar Bürgel die Sorgen und Nöte der Einheimischen kennengelernt. Seither sammelt es Geld für gezielte Projekte. Dass sich das jetzige Vorhaben so hinziehe, sei zum einen auf Konflikte zwischen dem englischsprachigem und französischsprachigen Teil des Landes zurückzuführen, von dem man bei uns nur wenig mitbekomme, der aber vor Ort Wirtschaft und Logistik behindere. Zum anderen können weitere Bauabschnitte nur in Angriff genommen werden, wenn Geld dafür zur Verfügung steht.

Wenn das zweistöckige Gebäude fertig ist, sollen 35 bis 40 Studentinnen darin Platz finden. „Das sind Mädchen, die oft das erste Mal aus ihrem Dorf und von den Eltern weg sind. Sie brauchen einen geschützten Raum, um nicht in die Prostitution abzurutschen“, schildert Hannelore Bürgel. „In dem Wohnheim werden sie darin unterstützt, ihre persönliche und kulturelle Identität zu finden und es wird ihnen geholfen, ein eigenständiges Leben aufzubauen.“ Die Eckpfosten für das zweite Stockwerk stehen bereits. Jetzt gehe es darum, dass vor der beginnenden Regenzeit das Dach auf den Bau komme.

Das Hilfsprojekt

Bamenda ist die viertgrößte Stadt in Kamerun mit rund 450 000 Einwohnern. Die Universitäten liegen einige Kilometer außerhalb. Studierende, die ein Zimmer in Bamenda haben, können sie nur schwer zu Fuß erreichen, Busse fahren nicht, Taxis nur unregelmäßig, Wohnraum ist teuer. Vor allem Studentinnen geraten aus finanziellen Gründen häufig in Abhängigkeitsverhältnisse. Nach Berichten von Reverend Kangong sind die üblichen Studentenwohnheime Treffpunkte für Männer, die Studentinnen in die Prostitution bringen. Spenden sind unter dem Zweck "Wohnheim Bamenda" auf ein Konto der Evangelischen Kirchengemeinde Böhringen möglich.