Das Seebad gilt im Winter an Sonnentagen als Geheimtipp für ein lauschiges Päuschen auf der Bank. Der Blick übers Wasser und auf die Höri lässt die Seele baumeln, der Blick nach hinten lässt erahnen: Die Gebäude könnten mehr als nur einen neuen Anstrich vertragen. Diese Sanierungsbedürftigkeit will die Stadtverwaltung grundsätzlich angehen und schlägt dem Gemeinderat die Auslobung eines Wettbewerbs vor. Landschaftsarchitekten sollen in Arbeitsgemeinschaften mit Architekten ihre Ideen für Funktionsgebäude und Gastronomie sowie eine Neukonzeption der Freiflächen entwerfen.

Das Gelände des Seebads zwischen Mettnaustraße und See misst knapp 9000 Quadratmeter, die Uferlänge beträgt 220 Meter. In der Mitte des Seebads liegt der Hafen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) mit zwei Liegeplätzen für Rettungsboote. Der Steg wird auch von Badegästen als Zugang zum Schwimmen benutzt.

Ob die Gebäude weiter wie die bestehenden eingeschossig ausfallen, das will die Bauverwaltung den eingereichten Arbeiten überlassen, "aber wir gehen von eingeschossig aus", heißt es auf unsere Anfrage. Wichtige Voraussetzungen seien Barrierefreiheit und ein ökologisch optimiertes wie energetisches Gesamtkonzept für die Versorgung der Gebäude. Die Gastronomie soll so angeordnet werden, dass auch Gäste, die nicht baden, aber etwas trinken oder essen wollen, direkt vom Eingang aus Zutritt haben.

Bildunterschrift
Das Seebad Radolfzell. Bild: Georg Becker

Der Arbeitskreis Bäderkonzept von Gemeinderat und Verwaltung hat für das Seebad Rahmenbedingungen vorgelegt. Danach soll das Seebad Bezahlbad bleiben und das Gelände unter dem Begriff "Ruhebad" entwickelt werden. In der Auslobung werden als Zielgruppe für dieses Bad ältere oder ruhesuchende Menschen angegeben. Wörtlich heißt es dort: "Neue Hauptzielgruppe des Seebads sind Best Agers, Touristen, Tagesgäste und Kurgäste, die ein Bad besuchen wollen, ohne besonders laute oder sportliche Aktivitäten zu betreiben." Übersetzt heißt das: Kein Volleyballfeld, kein Kinderbecken, dafür eine Boule- oder Bocciabahn.

Im Haushalt sind für die Sanierung und Neukonzeption des Seebads eine knappe Million Euro angesetzt. Wenn es nach Thomas Nöken vom Baudezernat der Stadt geht, sollen die Bauarbeiten den Betrieb des Seebads so wenig wie möglich einschränken: "Wir versuchen, die Hauptbauzeit auf die Zeit außerhalb der Badesaison zu beschränken." Nach seinen Vorstellungen könnte Ende der Badesaison 2019 im September mit den ersten Vorarbeiten begonnen werden. Mit dem Beginn der Badesaison 2020 soll das Seebad wieder zugänglich sein. Allerding sei zu Beginn der Saison "eventuell noch mit eingeschränktem Badebetrieb" zu rechnen.

Beschließt der Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstag, 20. März, Beginn 17 Uhr, die Auslobung des Wettbewerbs, gibt es schon einen Zeitplan. Die Büros müssten ihre Arbeiten bis Ende Juni eingereicht haben, das Preisgericht soll am 20. Juli tagen – mitten im Sommer. Als Preisgeld will die Stadt insgesamt 20 000 Euro ausloben, der erste Preis ist mit 10 000 Euro dotiert, der zweite mit 6500 Euro, der dritte mit 3500 Euro.

Die anderen Bäder

  • Das Versehrtenbad in direkter Nachbarschaft zum Seebad soll nicht in den Wettbewerb mit einbezogen werden. Es sei angestrebt, die beiden Bäder behutsam zueinander zu öffnen. Im Bedarfsfall sollen die Behinderteneinrichtungen des Versehrtenbades zugänglich gemacht werden, heißt es in der Vorlage der Verwaltung. Das Versehrtenbad ist anstelle des "Bubenbads" in den Fünfzigerjahren eingerichtet worden und wird vom Verein Behinderten- und Rehabilitationssportverein Radolfzell betrieben.
  • Für das Strandbad ist im Anschluss ein eigenes Wettbewerbsverfahren geplant. Wettbewerbsstart soll im Winter 2018/2019 sein. Die Idee, aus dem Strandbad ein kostenfreies Bad zu machen, werde weiterverfolgt, so die Stadt. Gesetzt ist das Strandbad als Familienbad.