Wenn Heinz Schmitt sagt, dass er Radolfzell und seinen FC im Herzen trägt, dann nimmt man ihm das ab. Denn bei diesen Worten handelt es sich nicht um leere Worthülsen. Sie gleichen nicht jenen Lippenbekenntnissen, die die Fußballstars in die Mikrofone der Reporter tröten, sich damit scheinbar ewig an ihre Vereine binden, nur um dann Wochen später den Club des Geldes wegen zu verlassen. Heinz Schmitts Vereinstreue ist in der Fußballwelt eigentlich eine Seltenheit. Deshalb ist es ihm beinahe auch ein wenig peinlich, wenn er verraten muss, dass er nicht seine ganze Karriere bei seinem FC Radolfzell, in seinem blau-weißen Trikot verbracht hat. Je ein Jahr kickte er in Überlingen oder in Rielasingen-Arlen. „Aber sonst bin ich ein Ur-Radolfzeller“, betont der ehemalige Mittelstürmer.

Schmitt: "Das ist eine hohe Auszeichnung."

Pokale und Trophäen hat er während seiner aktiven Laufbahn als Spieler viele eingeheimst. Vor allem die interne Torjägerkanone auf der Mettnau hat er sich beinahe Jahr für Jahr gesichert. Im zarten Alter von 79 Jahren kommt nun eine weitere Auszeichnung dazu, von der Heinz Schmitt gar nicht so genau weiß, weshalb er sie überhaupt bekommt: In diesem Jahr wird er mit dem SPD-Bürgerpreis ausgezeichnet. „Das ist eine hohe Auszeichnung, aber es sind so viele Andere da, die den Bürgerpreis auch und sogar mehr verdient hätten“, sagt Schmitt.

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Der SPD-Vorsitzende des Stadtverbandes Radolfzell Markus Zähringer erachtet die Auszeichnung Heinz Schmitts mit dem Bürgerpreis hingegen keinesfalls als unverdient: „Gerade in Zeiten, in denen das Bewusstsein für die Übernahme von ehrenamtlichen Aufgaben immer schwieriger ausgeprägt ist, soll auf Menschen hingewiesen werden, die in der Gemeinde und in Vereinen aktiv sind". Heinz Schmitt sei einer dieser Menschen.

Das Brückenfest gibt es seit 2004. Es wurde damals von Heinz Schmitt auf der Taufe gehoben. Für sein Engegament gbekommt er den SPD-Bürgerpreis. Bild: Gerald Jarausch
Das Brückenfest gibt es seit 2004. Es wurde damals von Heinz Schmitt auf der Taufe gehoben. Für sein Engegament gbekommt er den SPD-Bürgerpreis. | Bild: Jarausch, Gerald

Treffender hätte man es nicht ausdrücken können. Heinz Schmitt ist seit 70 Jahren Mitglied bei seinem FC Radolfzell. Seit 40 Jahren ist er beim BSV Nordstern und seit 45 Jahren in der DLRG aktiv. Von 1974 bis 1985 war er Bademeister im Seebad. Zudem viele Jahre Vollzugsbeamter und zehn Jahre lang Marktmeister bei der Stadt, der für die Märkte am Mittwoch und Samstag in Radolfzell zuständig war. Seine Karriere beim FC Radolfzell dauert bis heute an: Vom Spieler, über den Jugendtrainer bis hin zum heutigen Beisitzenden im Vorstand – Heinz Schmitt ist ein Stück FC Radolfzell Geschichte.

Ein Herz für den Fußballnachwuchs

Er erinnert sich, als er als Nikolaus bei der Jugendweihnachtsfeier vorlesen musste, dass die D2 keinen Trainer habe. „Ich dachte, dass kann nicht wahr sein. Da sind Kinder, die einfach nur Fußballspielen wollen, und die haben keinen Trainer.“ Kurzerhand sei er zum damaligen Präsidenten gegangen und habe ihm gesagt: „Ab Dienstag trainiere ich die Jungs!“ Sein letztes aktives Spiel bestritt Heinz Schmitt indes mit 62 Jahren in der dritten Mannschaft. Kurzerhand habe er sich, wie Günter Netzer im Pokalfinale 1973, selbst eingewechselt. Und ganz der Torjäger von damals erzielte er gleich zwei Tore.

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Wäre sein ehrenamtlicher Einsatz für den Fußball nicht schon Grund genug für die Auszeichnung, zeigt sich Heinz Schmitt auch für eine Veranstaltung außerhalb des Fußballplatzes verantwortlich: Auf seine Initiative hin wurde 2004 das Brückenfest ins Leben gerufen. Das Fest neben der früheren Metallbrücke zur Mettnau hätte ursprünglich nur eine Art Straßenfest der Anwohner werden sollen. Zu ihnen gehörte auch Schmitt, der die Initiative ergriff und ein zünftiges Fest auf die Beine stellte. Der Reinerlös ging schon damals an den Querklecks, der sich für behinderte Kinder engagiert. „Diese Kinder müssen auf so vieles verzichten“, sagt Heinz Schmitt. An dieser sozialen Tradition wird bis heute festgehalten. 400 bis 500 Besucher pilgern jährlich zum Brückenfest. Und auch heute noch, kann sich Schmitt auf seine ehemaligen Spieler aus der damaligen D2 verlassen. „Die Jungs helfen mir noch heute. Das ist wirklich eine tolle Truppe“, betont er.

Nie die große Bühne gesucht

In SPD-Kreisen war man sich schnell einig, einen würdigen Bürgerpreisträger für dieses Jahr gefunden zu haben. „In seinem ganzen Wirken hat Heinz Schmitt nie die große Bühne gesucht, sondern hat eher bescheiden agiert. Das von ihm initiierte Brückenfest ist ein wichtiger Beitrag zu einer niederschwelligen Radolfzeller Festkultur, die immer wieder Bürger und Institutionen zusammengeführt hat und mit dessen Erlös Institutionen für behinderte Kinder unterstützt werden“, betont Markus Zähringer.

 

Der Bürgerpreis des SPD-Ortsvereins

  • Die Geschichte: Seit 1998 vergibt der Ortsverein der SPD einen Bürgerpreis an Menschen beziehugsweise an Organisationen, die sich in besonderer Weise durch ihr Engagement vor Ort verdient gemacht haben. Der Preis ist anlässlich der 150-Jahrfeierlichkeiten in Erinnerung an die deutsche Revolution von 1848 gestiftet worden. Es soll damit auch die Bedeutung demokratischer Traditionen für das Zusammenleben in der Kommune betont werden. Darüber hinaus will der Ortsverein der SPD Impulse setzen für die Stärkung der Zivilgesellschaft, die jenseits von Parteizugehörigkeit unverzichtbare Leistungen erbringt, wie Markus Zähriger, Vorsitzender des Ortsvereins der SPD, mitteilt.
  • Die Ausgezeichneten: Bisherige Preisträger waren unter anderem Gustl Dieterle (Brauchtumspflege), Hannelore und Bernhard Bürgel (Projekthilfe Kamerun), Ursula von Mackensen, Dietlind Heilmann, Annemarie Welte (Patientenfürsprecherinnen), Alf Kral (Menschen helfen Menschen), Elisabeth Burkart (Freundeskreis Asyl), Waltraud Rasch (Zeller Kultur) sowie Dieter Graf (IG Sport).
  • Die Preisverleihung: Laut Markus Zähringer findet die diesjährige Verleihung des Bürgerpreises des SPD-Ortsvereins am Dienstag, 9. April, statt. Veranstaltungsbeginn ist um 18.30 Uhr im Zunfthaus der Narrizella Ratoldi in der Kaufhausstraße in Radolfzell. (mgu)