Der „letzte“ Gottesdienst als Stadtpfarrer von Radolfzell hat Michael Hauser (55) doch noch einmal Einiges abverlangt. Als er aus dem Münster hinaustritt, will er zuerst ins Pfarrhaus, „das Hemd wechseln“, bevor es zum gesellschaftlichen Abschied im Friedrich-Werber-Haus kommt. Er scheint im Reinen mit sich und seinen elf Jahren, die er als Leiter der Seelsorgeeinheit St. Radolt nun abgeschlossen hat.

Noch einmal galt es für Hauser, das spätere Lob des Pfarrgemeinderatsvorsitzenden an diesem Sonntag umzusetzen: „Die Qualität der Gottesdienste und der Predigten sind sein Markenzeichen“, beschreibt Christof Stadler den scheidenden Geistlichen. Was sagen, wenn alles Nötige längst bekannt ist und die Gemeinde doch nach einem letzten erklärenden Wort dürstet? Warum er nach elf Jahren in der Stadt Radolfzell in eine Seelsorgeeinheit mit elf Gemeinden und elf Bürgermeistern ins Markgräflerland wechselt?

Warum Hauser geht

Hausers Antwort in Kurzform: Weil er will, weil er sich darauf freut, weil es ihm Gott gesagt hat. Natürlich würde der katholische Geistliche eine andere Reihenfolge wählen: Weil Gott es ihm gesagt hat, weil er die Zeit für einen Wechsel für gekommen hielt, weil er im Aufbruch eine größere Chance als im Verharren sieht. So habe er eine Bibelstelle für seine erste feierliche Messe als Priester aus der Berufung des Propheten Jeremia ausgesucht, so hat es Michael Hauser in seiner „letzten“ Radolfzeller Predigt erklärt: „Frieden und Erfüllung finden wir nicht im Bleiben, im Festhalten von Gewohntem.“ Deshalb gehe er frohen Mutes in seine neue Seelsorgeeinheit Batzenberg-Obere Möhlin, deshalb sei er überzeugt, „dass Gott will, dass ich gehe, weil nach elf Jahren der hiesigen Seelsorgeeinheit eine neue Leitung gut tut und weil ich manche Zeitumstände so deuten darf“.

Bild: Becker, Georg

Von Eigenheiten und Errungenschaften

Im Friedrich-Werber-Haus übernehmen die Deutung der Zeitumstände andere. Christof Stadler macht einen Ausflug ins heitere Fach: „Wir feiern heute ein doppeltes Fest – Mariä Himmelfahrt und Hausers Abfahrt.“ Danach wird der Pfarrgemeinderatsvorsitzende staatstragend. Zum Abschied gehört das Aufzählen der Verdienste und der Eigenheiten: „Michael Hauser setzt am Hausherrenfest auf zwei Weihrauchfässer.“ Und zum Abschied gehört ein Geschenk. In diesem Fall ist es ein geschnitzter Dank: Die Figur des St. Radolt mit einem Hasen zu seinen Füßen, „ein Seehas“, sagt Stadler.

Helmut Villinger, der für die Sozialstation und den Münsterbauverein spricht, fällt es schwer, sich der Schwerkraft des Moments zu entziehen. Viele Eindrücke aus Begegnungen mit Hauser ringen darum, in einem kurzen Beitrag erwähnt zu werden. Es gewinnen Hausers Problemlösungsfähigkeiten bei der Planung der neuen Sozialstation im Kolpinghaus: „Ziehen sie doch einfach ins Erdgeschoss.“ Oder die Fahrten in des Pfarrers Heimat Heitersheim, zur Auswahl und Prüfung des Weins für den Münsterbauverein. Villinger schließt: „Danke fürs Zuhören und Mitgehen.“

Das Du der Pfarrer

Ökumenischer Gruß: Christian Link (rechts) bedankt sich bei Michael Hauser für die katholische Gastfreundschaft.
Ökumenischer Gruß: Christian Link (rechts) bedankt sich bei Michael Hauser für die katholische Gastfreundschaft. | Bild: Becker, Georg
Blumen für die drei "Hs" im Pfarrhaus, auch sie verabschieden sich von ihrem Dienst in der Münsterpfarrei (von links): Hannelore Dreher, Helga Kunzelmann und Hanny Bühler haben es zusammen auf 191 Jahre ehrenamtlichen Einsatz gebracht.
Blumen für die drei "Hs" im Pfarrhaus, auch sie verabschieden sich von ihrem Dienst in der Münsterpfarrei (von links): Hannelore Dreher, Helga Kunzelmann und Hanny Bühler haben es zusammen auf 191 Jahre ehrenamtlichen Einsatz gebracht. | Bild: Becker, Georg

Das Zuhören und Mitgehen hat Oberbürgermeister Martin Staab als Verhandlungspartner der Stadt bei Michael Hauser erlebt. Aus diesen Sitzungen berichtet der OB: „Sie geben nicht so leicht auf und beweisen viel Durchhaltevermögen.“ Dies und sein Geschick, sich den Menschen in Begegnungen zuzuwenden, hätten auch die weltliche Gemeinde geprägt. Staab: „Wir bedauern ihren Weggang sehr.“ Herzlichkeit kommt auf, als Pfarrer Christian Link von der evangelischen Kirchengemeinde sich bei bei Hauser „für Deine ökumenische Gastfreundschaft und Deine Erreichbarkeit“ bedankt. Das ringt dem katholischen Pfarrer ein „letztes“ Bekenntnis ab: „Ich war noch nie mit einem evangelischen Pfarrer per Du, hier geht es ganz problemlos.“ Michael Hauser nimmt eine Erkenntnis aus Radolfzell ins Markgräflerland mit: „Es waren wunderbare elf Jahre.“

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