Ein Spielplatz soll einer Anschlussunterbringung für Flüchtlinge weichen. Der Aufschrei in der Bevölkerung ist bei diesem Vorschlag der Radolfzeller Stadtverwaltung vorprogrammiert. Und das nicht aus Richtung des rechts-populistischen Flügels: Auch die Anwohner des Spielplatzes sind empört, dass dieser ersatzlos den Wohnmodulen weichen soll. Dabei geht es nicht um die potenziellen neuen Nachbarn, sondern um die aus ihrer Sicht gut genutzte Einrichtung für Kinder der Mettnau.

Es ist kaum nachvollziehbar, dass es für die Unterbringung von Menschen keinen anderen Standort geben soll als gerade diesen Spielplatz. Die Stadt selbst steht unter enormen Druck, die vom Landratsamt Konstanz geforderte Unterbringungs-Quote für Flüchtlinge zu erfüllen. Bereits im vergangenen Jahr ist dies nur gelungen, weil die Gemeinschaftsunterkünfte dank Ausnahmegenehmigung etwas länger genutzt werden durften.

Dabei ist das Problem älter als wir den Begriffe Flüchtlingskrise überhaupt kennen. Über Jahrzehnte ist der soziale Wohnungsbau vernachlässigt worden. Die Stadt selbst hat nur ein minimales Kontingent an eigenen Wohnungen, die sie für sozial schwache Menschen zur Verfügung stellen kann. Selbst einen Großteil der Obdachlosenwohnungen in der Schlesierstraße sind nur angemietet und befinden sich nicht im Besitzt der Stadt. Das Bauen von Wohnungen wurde allein privaten Baugenossenschaften und Investoren überlassen. Die baulandpolitischen Grundsätze, die geförderten Wohnraum auf städtischem Gelände vorschreiben, sind gerade erst ein Jahr alt. Menschen, die auf Sozialwohnungen angewiesen sind, haben auf dem Wohnungsmarkt am See schon lange schlechte Karten. Doch erst die Flüchtlingsbewegung vor drei Jahren brachte diese Fehlentwicklung deutlich zum Vorschein. Fehlender Wohnraum ist zum gesellschaftlichen Sprengstoff geworden.

Was Jahre lang vernachlässigt wurde, muss nun ganz schnell gehen. Hier steht der soziale Frieden der Gesellschaft auf dem Spiel, wenn die Not der Flüchtlinge gegen die Not sozial schwacher Menschen aufgewogen wird, wenn Kinderspielplätze weichen, weil Quoten erfüllt werden müssen. Hier muss die Verwaltung Ideenreichtum und Fingerspitzengefühl an den Tag legen, um mit ihren Entscheidungen Bürger nicht vor den Kopf zu stoßen und so den Rechtspopulisten in die Karten zu spielen.