Bei einer Arbeitslosenquote von 3,6 Prozent im Landkreis Konstanz kann wahrlich nicht von einem Arbeitslosenproblem die Rede sein. Dennoch gibt es Menschen, die seit vielen Jahren keine Arbeit finden. Oft sind körperliche oder psychische Probleme Ursache für die Langzeitarbeitslosigkeit, meistens kommen auch noch Pech und schwere Schicksalsschläge hinzu.

Gesetz soll Menschen wieder in Arbeit bringen

Um Menschen, die seit mehr als sechs Jahren keine Feste Arbeit mehr hatten, eine Chance auf den Wiedereintritt in das Berufsleben zu geben, hat die Bundesregierung vor einem Jahr das Teilhabechancengesetz (siehe Kasten) verabschiedet. Im Landkreis Konstanz wird es mit großem Erfolg angewandt. Das komplette Budget wird für die aktuell 55 Stellen ausgegeben.

Und Tobias Frenwein, Bereichsleiter beim Jobcenter Landkreis Konstanz sagt: „Wir könnten noch mehr gebrauchen, aktuell rufen wir 97,9 Prozent des Budget ab“. Diese Bitte äußerte er vor Peter Weiß, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Lahr, der stellvertretend für den CDU-Sozialausschuss das Caritas Qualifizierungszentrum in Radolfzell besucht hatte.

Zahl der Langzeitarbeitslosen nimmt kaum ab

Ebenfalls dabei waren Arbeitnehmer, die durch den so genannten 16i-Paragraphen wieder Teil der Arbeitswelt geworden sind. Weiß erklärt den Hintergrund des neuen Gesetzes: „Die Arbeitslosigkeit nimmt ab, doch die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat sich kaum verändert“.

Es sei wichtig, etwas gezielt für diese Gruppe zu unternehmen. Denn jeder sei auf seine Art produktiv, man müsse nach Jahren der Arbeitslosigkeit nur wieder in den Rhythmus kommen und geübter werden, um seine Produktivität zu steigern, sagte Peter Weiß.

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Jens Diebel vom Jobcenter Landkreis Konstanz klärte über die Zahlen auf. Aktuell seien 55 Personen in der 16i-Maßnahme, mehr Männer als Frauen. Neun der Personen seien in Unternehmen der Privatwirtschaft untergebracht, sieben im öffentlichen Dienst, der Rest sei bei sozialen Trägern wie der Caritas angestellt. Manche sind beim Fairkauf der Caritas in Konstanz angestellt, wiederum andere im Second-Hand-Shop oder im PVD Zweckbetrieb – Produktion, Vertrieb, Dienstleistungen – in Böhringen.

Viele verschiedene Berufsgruppen werden gefördert

Dabei gebe es alle möglichen Berufsgruppen, die für das 16i-Programm in Frage kommen: Bauhelfer, Stallmeister, Verkäufer, Hausmeister, Rettungsdiensthelfer oder Metallverarbeiter. Damit das Programm nicht ausgenutzt werde, würde das Jobcenter genau überprüfen, welche Stellen aus der freien Wirtschaft angeboten würden. „Wir können aktuell noch feststellen, dass es zu einem Verdrängungseffekt kommt“, sagt Jobcenter-Bereichsleiter Tobias Frewein.

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Doch für die Betroffenen bleibt es trotzt fünfjähriger Laufzeit eine Hängepartie. Denn die Personen, die bei der Caritas angestellt sind, haben nur eine Garantie auf ihre Stelle, so lange das Jobcenter den vollen Lohn zahlt. Für Gabriele Eckert, Fachbereichsleitung Menschen Arbeit geben bei der Caritas, ein schlimmer, aber unabwendbarer Zustand. Sobald die Caritas einen Teil selbst zahlen müsste, wird es finanziell bei der Einrichtung eng. „Wir müssen leider auch wirtschaftlich arbeiten“, sagt sie.