Die medizinischen Reha-Einrichtungen der Stadt Radolfzell laufen schon seit ihrem Start am 7. Juni 1958 unter dem Namen der Halbinsel, auf der ihre Kliniken errichtet worden sind: Mettnau. In den ersten fünf Jahrzehnten legte man noch Wert auf den identitätsstiftenden Zusatz Kur. Damit auch klar war, dass die "Mettnau-Kur" die Einrichtung und die Mettnau der Ort ist. Im jüngsten Jahrzehnt nennen sich die medizinischen Einrichtungen nur noch Mettnau – und das bitteschön durchgängig großgeschrieben: "METTNAU".

Diese Feinheiten neuzeitlichen Marketings sind nicht jedem Radolfzeller geläufig, er unterscheidet nach wie vor zwischen Mettnau und Kur. Wohl dürfte er erfreut zur Kenntnis nehmen, dass er als Einheimischer zum 60. Geburtstag zu einem Tag der offenen Tür auf die Mettnau geladen ist. Am Sonntag, 10. Juni, wollen die Reha-Einrichtungen der Bevölkerung einen Blick hinter die Kulissen gewähren. Marketingleiterin Lena Möller und Verwaltungsleiter Philip Hodecker haben ein Programm zusammengestellt, das informativ und unterhaltend sein soll.

Informativ sollte es sein, weil die Angebote auf der Mettnau sich in den vergangenen 60 Jahren deutlich weiterentwickelt haben. "Gerade das Medizinische hat sich massiv verändert", berichtet Verwaltungsleiter Hodecker bei der Vorstellung des Programms. Deshalb darf es auch ein bisschen Theorie sein. Chefarzt Robin Schulze hält Vorträge in der Werner-Messmer-Klinik über das Herz-Kreislauf-System, Sportmediziner Christian Cramer beschreibt in der Hermann-Albrecht-Klinik, wie man effektiv und sicher trainieren kann und Monika Sattler als Leiterin der Ernährungsberatung berichtet in der Messmer-Klinik, was man über Zuckerstoffe wissen sollte.

Nach der Theorie kommt die Praxis. Im Kurmittelhaus in der großen Halle werden sportliche Übungen zum Ausprobieren und Qigong zum Mitmachen angeboten, in der kleinen Halle kann man das Bogenschießen testen. "Unsere sportliche Abteilung ist gut besetzt", verspricht Marketingleiterin Möller. Auch die Mitarbeiter der medizinischen Abteilung sind vertreten, in der Werner-Messmer-Klinik wird ein Gesundheits-Parcours aufgebaut. Lena Möller: "Da kann man verschiedene Werte messen lassen."

Ein wichtiger Punkt im Programm am Tag der offenen Tür sind die Rundgänge durch die Einrichtungen der Kur. Um 13, 15 und 16 Uhr trifft man sich am "Infopoint" vor dem Kurmittelhaus. Dann darf auch der Nicht-Kurgast einmal nachschauen, wie es sich im neuen Bettenhaus der Hermann-Albrecht-Klinik so nächtigt. Und im Scheffelschlösschen gibt es Sonderführungen zum Leben des verstorbenen Dichterfürsten Joseph Victor von Scheffel.

Der Tag der offenen Tür wird musikalisch bespielt. Von 11 bis 13 Uhr spielt das Andrea Mayer Quartett vor dem Strandcafé "Jazz am Steg", sie werden um 14 Uhr von den Schnooke Vielharmoniker abgelöst. Die Narrenmusik der Narrizella spielt von 14 Uhr bis 15 Uhr vor dem Café im Kurpark.

 

38 Seiten zum Kur-Geburtstag

  • Geburtstag: Die Sportkuranlagen auf der Mettnau sind am 7. Juni 1958 auf der Mettnau in Radolfzell ihrer Bestimmung übergeben worden. Die Idee zu dieser Gründung hatte der damalige Bürgermeister Hermann Albrecht. Er beschrieb seine Idee der Leibesübungen als Präventivmedizin so: "Abseits von allem Lärm und Verkehr ließe sich hier auf der Mettnau etwas vollkommen Neuartiges schaffen, in welcher der Arzt und der Sportlehrer die Kur bestimmen." Deshalb ist eine der Kur-Kliniken nach Hermann-Albrecht benannt. Gestartet ist die "Mettnau-Kur" mit der Werbung "Heilung durch Bewegung", die medizinischen Reha-Einrichtungen der Stadt Radolfzell werben heute auf dem Gesundheitsmarkt unter dem Begriff "METTNAU – Bewegung ist Leben". 1966 ist Radolfzell dann als Kneipp-Kurort durch das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg anerkannt worden. Im Laufe der Jahrzehnte lernten vor allem Politiker und Piloten die Kur auf der Mettnau als Erholungstherapie schätzen.
  • Festschrift: Die Reha-Einrichtungen haben zum 60. Geburtstag eine Festschrift im Hochglanz-Druck herausgegeben. Auf den 38 Seiten geben bekannte Kurgäste wie Claus Kleber (ZDF), Rainer Brüderle (FDP) oder Felix Huby (Schriftsteller) ihre Meinung über die Mettnau ab. Auch Mitarbeiter der 320-köpfigen Belegschaft kommen zu Wort. Ideal zum Nachschlagen ist eine siebenseitige Chronik, in der auf Jahrestafeln Ereignisse der Kur prägnant dargestellt werden. Auch Willi Stadel, ehemaliger Olympiasieger und erster sportlicher Leiter der Mettnau-Kur, ist auf einem Bild zu sehen, wie er eine Gruppe Kurgäste beim Dauerlauf anführt.
  • Das Programm zum Tag der offenen Tür am Sonntag, 10. Juni, ist im Internet abrufbar unter: http://www.mettnau.com/tag-der-offenen-tuer