Voraussichtlich am Wochenende werden die Böhringer wieder einen ehemals vertrauten Klang hören. Dann nämlich soll das Schlagwerk der Uhr an der katholischen Kirche St. Nikolaus instand gesetzt sein. Ein knappes Jahr war es im Radolfzeller Ortsteil leiser geworden, weil ein Defekt der Mechanik das Schlagwerk lahm gelegt hatte. Ein Teil des Übertragungsstahlseils hatte sich gelöst und war in die Zahnräder der Kirchturmuhr geraten. In der Folge verursachten herausgebrochene Zähne eine Fehlfunktion.

Eine Reparatur des Zahnradantriebs wäre zwar möglich gewesen, hätte jedoch vermutlich für erhebliche Mehrkosten gesorgt. Deshalb entschied man sich beim Fachbereich für Gebäudemanagement der Stadt Radolfzell für eine Überbrückung der alten Technik. In Zukunft werden zwei separate Motoren die Übertragung des Schlagwerks antreiben. Einer wird für den Stundenschlag und ein anderer für die Viertelstunden zuständig sein.

Neue Technik soll viele Jahre funktionieren

Die lange Ruhe- und Hörpause der Böhringer ist der Arbeitsmarktlage geschuldet, wie Thomas Jünger vom Gebäudemanagement erklärte: "Die Auftragslage bei den Fachfirmen ist so gut, dass praktisch kaum jemand zu bekommen ist", sagte er. Dennoch wird es jetzt schnell gehen. Denn die alte Mechanik aus dem Jahr 1953 wird praktisch nicht berührt, sondern nur umgangen. So könnte man die Uhr zu einem späteren Zeitpunkt doch noch einmal reparieren und wieder in Betrieb nehmen. Vorgesehen ist das nicht: "Nach dem Einbau der Motoren ist erst einmal wieder Ruhe für viele Jahre", versprach Manfred Fischer, Turmuhr- und Glockentechniker.

Hoffentlich nicht, werden die Böhringer denken, die den Schlag der Glocken in der St. Nikolauskirche seit 1954 hören. Damals wurde die 1749 eingeweihte Barockkirche durch einen Anbau samt Glockenturm erweitert. Die Kosten für den Umbau und die Reparatur des Glockenschlags werden auf rund 5000 Euro geschätzt. Sie werden von der Stadt Radolfzell übernommen, die für sämtliche Kirchturmuhren in Radolfzell und den Ortsteilen zuständig ist.