Der Kunstverein Radolfzell eröffnete in der Villa Bosch eine inspirierende Schau zweier zeitgenössischer Künstler, die gegensätzlicher kaum sein könnten: Lebensreife begegnet der Mitte des Lebens, ausgereifte Technik trifft auf die Lust am Experiment. Räumliche Konstruktionen stoßen auf farbenfrohe Leinwände. Der Kunstverein zeigt spannungsreich die Werke von Joseph Bücheler und Mi Jean Kang in der Ausstellung "Material, Farbe, Raum". Wer die Künstler kennen lernen möchte, der hat am Sonntag, 25. August, bei der Finissage die Möglichkeit dazu.

Gemeinsam ist den Künstlern die Liebe zur Natur

Der Kunstverein Radolfzell gehört zu den mitgliederreichsten Kunstvereinen in Baden-Württemberg. Ein Markenzeichen in seiner Ausstellungstradition ist die Gegenüberstellung verschiedener Varianten zeitgenössischer Kunst. "Etwas Stilles, Poetisches und Meditatives schwingt bei beiden Künstlern mit", entdeckte Laudatorin Katrin Burtschell bei der Vernissage in der Villa Bosch. Es verbinde sie die Kunst, die Liebe zur Natur und deren Wertschätzung in ihrer Kunst. Was die Künstler trennt, ist ihre Herkunft und das Lebensalter. Man mag hinzufügen: auch ihre Formensprache.

Grau und naturnah gegen hell und strahlend

Was bei Joseph Bücheler bruchstückartig unter grauen Schichten von Asche, Graphit und Erde hervorblitzt und die Kraft der Farbe nur noch erahnen lasse, trete bei Mi Jean Kang klar an die Oberfläche: Farbe strahlt hell, durchscheinend und in allen Nuancen, so die Leiterin der freien Kunstschule Nürtingen, Burtschell. Die Koreanerin arbeitet mit filigranen Zeichnungen oder bunten Leinwänden. Im Gegensatz dazu stehen die robust anmutenden und zerbrechlich wirkenden Kunstwerke des Rottweilers. Das Material spielt bei beiden Künstlern eine wichtige Rolle. Bücheler verwendet Papier und Weidenruten und erzeugt mit ihnen fahnenartige Gebilde, die zu schweben scheinen. Das Papier wird mit Leim getränkt und gewinnt Stabilität im Trocknungsprozess. Mi Jean Kang schöpft aus den Farben und erzeugt mit strukturähnlichen Tafeln in Serie eine Monumentalität eigener Wirkung.